Der Ursprung der jüdischen Gemeinden in diesen Staaten lag in der Adelsrepublik Polen - Litauen. Mitte des 18. Jahrhunderts lebten auf dem Gebiet dieses riesigen Staates mehr als eine Dreiviertel Million Juden - mindestens ein Drittel aller Juden der Welt. Zur Blüte gelangte die jüdische Gemeinde durch die "Vernunftehe" mit dem polnischen Adel (slzlachta), der das Land dominierte und es den Juden trotz der Ausbrüche antijüdischer Gewalt, die u.a. die Krise des polnischen Staates Mitte des 17. Jahrhunderts begleitet hatten, ermöglichte, sich wirtschaftlich und intellektuell zu entfalten. Juden durften fast ungehindert Handel treiben und ein Handwerk ausüben. Häufig verwalteten sie die Besitztümer des Adels. Die jüdischen Tischler, Schuster, Schmiede, Schneider und Wagner waren nicht aus der ländlichen Tradition der Dörfer und Kleinstädte (Schetlach) wegzudenken. Das war einzigartig in Europa. Auch das jüdische und religiöse Leben entwickelte sich reichhaltig.
Antony Polonsky, Fragile Koexistenz, tragische Akzeptanz. Politik und Geschichte der Juden Osteuropas, in: Osteuropa. Impulse für Europa. Tradition und Moderne der Juden Osteuropas. (Ich lösche das Komma auch gerne wiederholt. Das Rechnerprotokoll geht mit Bilddatei 3 wieder an die Einheiten. Unsere Unschuldslämmer?)