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Sonntag, 20. Dezember 2020

Mittwinter










Christian Rätsch und Claudia Müller-Ebeling
Weihnachtsbaum und Blütenwunder.
Geheimnis, Herkunft und Gebrauch traditioneller Weihnachtspflanzen.
Rezepte - Rituale - Räucherungen






'Der Herbst bringt das Dunkel. Er endet mit dem kürzesten Tag des Jahres. Der Winter beginnt mit der längsten Nacht des Jahres und führt aus dem Dunkel zurück zum Licht. Er endet, wenn Tag und Nacht gleich lang sind, am Frühlingsäquinoktium, der Frühlingstag-Tagundnachgleiche. "Alljährlich zur Wintersonnenwende vollzieht sich gleichsam eine Neugeburt der Zeit, begleitet von einer Verjüngung und Erneuerung des gesamten Kosmos: Die Welt taumelt in die Zeit des Uranfangs zurück; das Chaos kehrt wieder" (Giani 1994:40). Daher findet das 'Lichtfest' im Dunkeln statt, denn das Dunkle birgt den Keim des Lichts in sich und umgekehrt - eine symbolische europäische Entsprechung der Vereinigung von Yin und Yang.







Zu Mittwinter bricht der Schnee herein. Die Tage werden wieder länger, und der Schnee reflektiert und verstärkt das Licht. Mittwinter bringt die Erneuerung des Lebens und birgt die Hoffnung auf neue grüne Lebenskraft; auf die Hoffnung der viridatis, der grünenden Kraft. Diesen kosmologischen Tatbestand bezogen schon die Römer auf das Blütenwunder: "Am Tag der Wintersonnenwende selbst blüht der unter dem Dach zum Trocknen aufgehängte Polei (herba polei), und mit Luft gefüllte Blasen platzen" (Plinius II, 108). Dies erhellt die bedeutsame Rolle immergrüner Pflanzen zur Zeit der Wintersonnenwende, den rituellen Einsatz von Feuer und Kerzen wie auch die mysteriöse Bezeichnung "Mutternacht". Die dunkelste Nacht des Jahres wurde einst Mutternacht genannt, denn nun wird der Sonnengott, der Geliebte der Göttin, tief im Schoß der Erde neu geboren. Mit ihm wird das Lebenslicht erneuert. Es ist eine Zeit der Stille, der Besinnung. Der im Sternenglanz erstrahlende kosmische Baum (der Schamanenbaum, die Himmelsleiter), unter dem das Lichtkind geboren wird, offenbart sich der inneren Schau. Tannengrün schmückt die Räume. Es wird mit Beifuß, Wacholder und anderen duftenden, reinigenden Kräutern geräuchert (Storl, 1996a: 73f). "In dieser Zeit gebiert die Göttin tief in der finsteren Erde in der stillsten aller Stunden das wiedergeborene Sonnenkind. Die Menschen nehmen das Wunder dieser geweihten Nächte in ihrer Meditation wahr, zünden Lichter an, lassen einen Eichen- oder Birkenklotz, den Julbock, schwelen und hängen den Wintermaien - den ursprünglichen Weihnachtsbaum - auf. Bei den britischen Kelten wurde das Haus vor allem mit Stechpalme, Mistel und Efeu geschmückt, auf dem Festland benutzte man Tannen- und Fichtengrün.

Mittwoch, 9. August 2017

Ras Schamra - Wiederentdeckung einer matriarchalen Kultur

Ras Schamra - die Wiederentdeckung einer matriarchalen Kultur.
In: Gerda Weiler, Das Matriarchat im Alten Israel, Kohlhammer 1989
(Update April 2023 : Ich suche seit Monaten das Buch in meiner Bibliothek)








"An der syrischen Küste ist seit 1928 eine Ausgrabung von epochemachender Bedeutung im Gang. Bisher kannte man die kanaanäische Kultur nur vermittelt durch die Geschichtsschreibung anderer Völker. Zum ersten Mal tritt uns ein phönizischer Stadtstaat mit seinen Tempeln und Palästen, mit seiner materiellen und geistigen Kultur, vor allem aber mit einer Religion, die wir bisher nicht gekannt haben, entgegen. Die Parallelen zur hebräischen Bibel sind auffallend und fordern eine Revision der biblischen Exegese heraus.







"Der matriarchale Gott ist nicht der Vater, sondern der Sohn. Horus ist der Sohn der Isis, Adonis ist Astartes Sohn. Der matriarchale Gott ist nicht der Schöpfer, sondern das Geschöpf. Er ist nicht der Herr des Himmels, sondern verkörpert die Erde und ihre Vegetation. Der matriarchale Gott ist sterblich. Sein Kultträger auf dem irdischen Thron wird durch die Hohepriesterin erwählt und mit dem Königsamt betraut. Der matriarchale Gott ist Adon, das heißt "der Herr" oder einfach "der Mann". Er ist das uranfängliche Mannesgeschöpf der Himmelsherrin. Auch das hebräische Adonai gehört in diesen Bedeutungszusammenhang. Wenn wir Adonai mit "Gott, der Herr" übersetzen, projizieren wir einen Begriff, der im Lauf der christlich-abendländischen Bewußtseinsentwicklung erst entstanden ist, in eine Vergangenheit, die keine kosmische Dimension des männlichen Prinzips gekannt hat."



















Mittwoch, 25. Januar 2017

































Gerda Weiler
Ich brauche die Göttin. Zur Kulturgeschichte eines Symbols
Ulrike Helmer Verlag 1997










Sie (Gerda Weiler Anm. A.H.) folgert: Um Frauen und Mädchen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu beeinflussen, mussten jene Märchen und Mythen herhalten, die sich Männer vom Weiblichen geschaffen haben. Gerade deshalb ist es Weiler so wichtig, die patriarchalen Zerrbilder von Keuschheit und Reinheit einerseits und der bedrohlich-verführerischen Weiblichkeit andererseits zu entlarven. Sie zeigt, dass diese Karikaturen des Weiblichen stets dazu missbraucht wurden, um das patriarchale Schwarzweißdenken zu verschärfen. Ein Schwarzweißdenken, das alles Dunkle und Böse stets dem Weiblichen und alles Helle und Gute dem Männlichen zuordnet. Und sie deckt auf, dass dazu als Grundlage immer die Bibel dient, die in diesem Punkt nicht nur amerikanischen Religions-Fundamentalisten als unantastbar gilt. Spätestens hier spielt es keine Rolle mehr, dass die biblischen Texte nur Metaphern wiedergeben oder fiktiven Charakter besitzen, denn jede Kritik an patriarchalen Deutungsmustern oder Entstehungsgeschichte ist tabu. "Und so ist es eine unvermeidliche Tatsache", schreibt Weiler, "dass diese Ideologien über das Weibliche durch die Bibel - in ihrer durch das Christentum angeeigneten Form - die Befindlichkeit unserer Töchter steuern." (Weiler, 1997, S.16)









Wenn Gott männlich gedacht wird, ist umgekehrt der Mann ein Gott (siehe ebd., S. 18). Und von diesem Gottesbild ist die Frau dann abhängig - denn ohne männliche Hilfe kann sie innerhalb dieses Konstrukts die "männliche Weltordnung" nicht mehr verstehen. Sie selbst kann sich auf ihren Gott nicht mehr transzendieren. Deshalb ist es so wichtig, dass "Frauen heute matriarchale Mythologien wieder lebendig machen, wenn sie ihre Geschichte aufarbeiten und die kulturellen Leistungen von Frauen aus dem Schatten der Vergessenheit ins Licht des Bewußtseins rücken". Sie geben dem Weiblichen auf diese Weise seinen Stellenwert zurück. (Ebd. S. 21)
Gleiches Recht auf Weltdeutung ist grundlegend für die Entwicklung eines "Eigenmachtgefühls", dieser unbewussten Selbstsicherheit, über die Jungen fast immer verfügen und Mädchen kaum. Weiler entlarvt die psychologischen Mechanismen, die in der Bibel und im Patriarchat mit dem Mythos der großen einzelnen Helden, Könige oder Genies immer wieder das Bild einer überhöhten Männlichkeit reproduzieren. Und zwar stets parallel zur Erniedrigung alles Weiblichen (ebd., S. 24). Diese Ideologie ist ihrer Meinung nach "ohne die mythische Überhöhung des Männlichen zum patriarchalen Vatergott gar nicht möglich". (Ebd., S. 25)









Weiler geht in ihrem Buch zunächst den Spuren der Himmelsgöttin nach, die mit dem Steinbock an ihrer Seite Leben und Tod verkörperte. Sie untersucht das patriarchale Misstrauen gegenüber dem Wiedergeburtsversprechen der Göttin und beschreibt den langen Prozess, wie die todbesiegende Thealogie des Matriarchats vom todbringenden Patriarchat besiegt wurde. Im Verlauf dieser patriarchalen Umdeutung wurden schließlich die Göttin und ihr Steinbock als Hexe und Teufel pervertiert.
Von der Steinzeit bis zur Antike galt der Steinbock im Vorderen Orient als Sinnbild des Mondes - die Hörner gleichen der Mondsichel. Er ist daher Kulttier der Himmelsgöttin, die für die Zeit verantwortlich ist und den Mondkalender immer wieder mit dem Sonnenumlauf in Einklang bringt. Auf zahlreichen Darstellungen sind die beiden zusammen zu sehen, nicht selten reitet die Himmelskönigin auf dem Steinbock durch die Luft.
Religion und Mythos wurden jedoch durch das Patriarchat von der Astrologie getrennt: Aus der großen Göttin wurde die Liebesgöttin Venus, die dadurch ihren kosmischen Charakter verlor. Aus dem Sternbild des Steinbocks wurde der Saturn, der entgegen seiner ursprünglichen astrologischen Bedeutung zum Symbol des Dunklen, sogar des Bösen wurde. Selbst in Tarot-Karten, die von Frauen gestaltet wurden, hat diese Umdeutung stattgefunden.









"Die Steinbocksymbolik, die ursprünglich jene Lebenskraft bedeutete, die aus dem Dunkel wieder ans Licht führte, wurde mit dem Dunkel selbst identifiziert", schreibt Gerda Weiler. (Ebd., S. 39) Konsequenterweise wurde der Steinbock in der Bibel zum übelriechenden Ziegenbock verwandelt.
Beispielhaft analysiert Weiler eine künstlerische Darstellung im Freiburger Münster aus dem späten 13. Jahrhundert. Auf den ersten Blick zeigt sie die Himmelsgöttin und ihren Steinbock. Doch die schöne nackte Gestalt ist keine Göttin, sondern Voluptas, die Wollust, und das Steinbockfell um ihre Schultern symbolisiert Satan, den Hurenknecht.
Diese und ähnliche Darstellungen der Wollust mit dem Bock waren sehr gebräuchlich in der gotischen Kunst. Wer etwa die berühmte Kathedrale im französischen Auxerre besucht, wird dieses Motiv dort ebenso finden, wie an vielen anderen Orten.
Und wer kennt nicht das berühmte Dürer-Bild "Hexe auf Teufel reitend" (um 1500)? Auf diesem Bild ist alles ins Gegenteil verkehrt, Symbol für das teuflisch Böse im Gegensatz zu rechten Weltordnung des Christentums. Dürer hat das Motiv der Aphrodite - der ehemaligen Himmelskönigin Ischtar - vermutlich auf seiner Italien-Reise kennen gelernt.
Der nackte Körper der Göttin ist zum Symbol der Sünde geworden, der Steinbock - einst das Symbol männlicher Schöpferkraft - ist zum "Leibhaftigen" verkommen, dem eben nur noch der Leib anhaftet, als sichtbares Zeichen seiner Triebhaftigkeit.
"In keinem Begriff wird die Leibfeindlichkeit des Christentums so eindeutig auf den Punkt gebracht wie in dem Begriff "der Leibhaftige", schreibt Weiler. (Ebd., S. 60)









Die symbolische Verschiebung von der Himmelsgöttin und ihrem Steinbock zur Hexe und ihrem teuflischen Hurenbock ist Ausdruck des patriarchalen Dominanzdenkens: Alle Macht liegt in den Händen weniger Männer, Andersgläubige, Juden, Muslime, Frauen werden diffamiert, sie können nur im Verborgenen (über-)leben.
Als 1487 ein offensichtlich paranoid-neurotisch frauen- und leibfeindlicher Mönch den sogenannten "Hexenhammer" verfasste, begann die systematische Ausrottung der weisen Frauen.
Magierinnen und Heilerinnen hatte es zu allen Zeiten gegeben - schon die Pythagoreerinnen waren dafür bekannt. Die Menschen glaubten an die Heilkraft des Zaubers. Die Kirche begann jedoch in der 1. Hälfte des 1. Jahrtausends ZauberInnen durch Heilige zu ersetzen - gleichzeitig wurde die überlieferte Magie abgewertet. (Siehe Wisselinck 1986, S. 18f) Zunächst mit geringem Erfolg. Die Bevölkerung vertraute weiterhin dem überlieferten Wissen - auch in der Heilkunst. Erst als die zuvor freien Universitäten allmählich in päpstliche Territorien umgewandelt wurden - erstmals 1185 in Montpellier geschehen - begann der systematische Ausschluß heilkundiger Frauen und Juden aus der Wissenschaft. Heilerinnen und Zauberinnen arbeiteten von nun an illegal. Was die scholastische Philosophie nicht integrieren konnte, bekämpfte sie. Die Zauberin war eine Konkurrentin der männlichen Medizin. Erst wurde sie zur "Feindin der Kirche" erklärt, später als Hexe dämonisiert - übrigens auch von Martin Luther. Die Himmelsgöttin Aphrodite war somit unter der scholastisch-patriarchalen Einwirkung zur Ziegenbock reitenden Hexe mutiert. Erst im 18. Jh. wurde die in zahllosen Hexenverfahren etablierte Frauenfolter wieder abgeschafft. Gesellschaftliche Stellung, Wissen und heilkundliche Erfahrung der Frauen bedeuteten zu diesem Zeitpunkt längst keine Konkurrenz mehr ...
Der Steinbock wird durch die neuere Symbolforschung rehabilitiert. Er kann seine vom christlichen Dualismus aufgezwungene Teufelsmaske wieder ablegen. Er wird wieder zum Mondgott und Sohngeliebten der Himmelskönigin. (Ebd., S. 46) Doch was ist mit der Himmelskönigin selbst?











Gerda Weiler, Zitat aus: Ich brauche die Göttin. Zur Kulturgeschichte eines Symbols, in:
Heide Göttner-Abendroth/Marit Rullmann/Annegret Stopczyk, Was Philosophinnen über die Göttin denken



























Sonntag, 4. September 2016

Freitag, 19. Februar 2016























Man kann Menschen mit diversen Methoden brechen. Und dann in der Gruppe auffangen und ein neues zweckdienliches Ego aufbauen. Eine Zeit lang. Mal mehr. Mal weniger erfolgreich. (Links: bilderundworte.tv/de - ARD Mediathek: Betrifft Scientology. Die neue Offensive) - Kontoführungen in München. Neue Aktivitäten in Süddeutschland, insbesondere in Stuttgart. 8 Millionen für eine neue Zentrale über einen israelischen Mittelsmann. Der Anwalt wurde in Israel inhaftiert.

























Samstag, 3. Oktober 2015























Ein wenig Wissen in Geschichte ist wirklich was Wunderbares.
https://novemberrevolution1918.wordpress.com/
























Dienstag, 29. September 2015






















Die Sau, die
Symbolonline.de








"... Im früheuropäischen Mythos bedeutete „Schweinehirt“ Wahrsager und Magier. Eubuleus dürfte eigentlich der Priester von Demeter gewesen sein, der die ihr geweihten Tiere in einem heiligen Hain unter seiner Obhut hatte. Bei den Thesmophorien gedachte man durch die Ferkelopfer auch dieses besonderen Dieners der Orakelgöttin. Eine andere griechische Gottheit, die mit Schweinen zu tun hatte, war Kirke, die Tochter des Sonnengottes Helios und seiner Geliebten Perseis. Sie lebte auf der Todesinsel Aiaia, dem Jenseitsland und roten Elysium, nicht weit entfernt vom Okeanos und dem Schattenreich des Hades. In Homers „Odysee“ wurde sie als „schöngelockte, hehre und melodische Göttin“ geschildert, bevor die Tradition sie später zur magischen, bösartigen Hexe machte. Aber sie erinnerte als Herrin der wilden Tiere, Urzauberin der Liebe, prophetische Unterweltsbotin und Weberin des Schicksals in vieler Hinsicht an die Große Göttin der matriarchalen Vorzeit, die über Leben und Tod sowie die Wandlungen vom einen Zustand zum anderen geherrscht hatte. Die Patriarchalisierung spaltete Kirke aus ihren komplexen Seinsbezügen ab und entwarf dadurch das negative Bild einer Dämonin, deren unmittelbarer Übergang von der bösen Zauberin zur liebenden Frau nicht verstanden, allenfalls als Zeichen von Schwäche empfunden wurde. Dabei spielte die Göttin hier eine Initiationsmeisterin, die ihren Helden in die Geheimnisse des Eros einweihte. Wenn er seine Prüfungen bestanden und sich ihrer als würdig erwiesen hatte, schenkte sie ihm ihre Liebe. Während der Initiation verwandelte sie ihn auch in das gleiche Tier, das ihm selbst ursprünglich heilig gewesen und in dessen Gestalt er üblicherweise erschienen war: im Falle von Kirke und ihren Männern das Schwein. Was also eigentlich nur Durchgangsstadium und Vorbereitung für die Mannbarkeit und deren Umsetzung in der „Heiligen Hochzeit“ zwischen Göttin und Heros gewesen war, wurde nun im patriarchalen Denken zur Strafe uminterpretiert und als Rückfall in die matriarchale Phase der Menschheitsentwicklung gewertet, die es jetzt zu überwinden galt.

























Dienstag, 18. August 2015



















Die Amme von Iphinoe ist mit ihr gegangen. Das Kind müsse doch wenigstens ein vertrautes Gesicht sehen, wenn es sterbe, soll die Frau gesagt haben. Sie soll die ganze Zeit über mit dem Mädchen geredet und ihr die alten Schlaflieder vorgesungen haben. Sie soll sie an der Hand gehalten und hinter den Priestern, die für den Vollzug des Opfers ausgewählt waren, und vor den königlichen Beamten, die diesen Vollzug zu bezeugen hatten, den durch Fackeln beleuchteten Gang entlanggeführt haben. Wohin gehen wir, soll Iphinoe einmal gefragt haben, die Amme habe beruhigend ihre Hand getätschelt, was tun die, habe Iphinoe ganz am Schluß gefragt, als jemand ihren Nacken packte und den Kopf auf den Altar hinunterbeugte, was hat mich Unseligen dazu bewogen, einen der jungen Beamten nach diesen Einzelheiten auszufragen, er war froh, sie loszuwerden, mir hat er sie aufgeladen. Die Amme habe ihre Hand nicht losgelassen, die zuckte, als das Messer tief in ihren Hals fuhr. Nicht einmal die Ältesten in Korinth haben sich an Menschenopfer erinnern können, wohl wahr, sagte der oberste Priester, und zu rechtfertigen sei es nur, weil es uns andere, schlimmere Menschenopfer erspare.







Die Amme ist natürlich geisteskrank geworden, mit wirrem Haar und irrem Blick lief sie tagelang durch die Straßen von Korinth, von Wächtern umgeben, die es nicht zuließen, daß jemand sie ansprach. Sie mied die Königin, eines Tages fand man ihren zerschmetterten Körper unterhalb der Klippen. Sie habe den Verlust ihres Brustkindes nicht verwinden können, wurde vom Palast ausgestreut, die Wahrheit also, nur daß sie, wie so viele Wahrheiten, auf falschen Voraussetzungen beruhte. Denn Korinth war ja mit der Nachricht versorgt worden, die junge Iphinoe sei entführt worden, man stehe in Verhandlungen mit dem Königshaus, in das sie einheiraten solle, es gebe keinen Grund zur Beunruhigung.








Ich lernte viel an diesem Fall. Ich lernte, daß keine Lüge zu plump ist, als daß Leute sie nicht glauben würden, wenn sie ihrem geheimen Wunsch, sie zu glauben, entgegenkommt. Ich war überzeugt, um das Verschwinden der kleinen Iphinoe, die allein durch die Straßen von Korinth gehen konnte, umgeben und getragen und bewacht von der Liebe des Volkes, von der Rührung der Menschen über soviel Zartheit und Verletztheit - um Iphinoes Verschwinden würden Unruhen ausbrechen, da doch die Täuschung, mit der man das Volk abgespeist hatte, derart plump war. Nichts dergleichen. Ja, wenn die Korinther geglaubt hätten, das Mädchen befinde sich noch in der Stadt, dann hätten sie jedes Gebäude gestürmt, in dem sie es vermutet hätten, auch den Palast.








Der Selbstmord der Amme hat uns unschätzbare Dienste geleistet: Jedermann glaubte, daß Iphinoe weg war. Für ein Phantom setzen normale Leute ihr Leben nicht ein. Lieber stellen sie sich das Kind glücklich verheiratet vor, in einem blühenden Land, bei einem jungen König, als tot und verwesend in einem finsteren Gang ihrer eigenen Stadt. Das ist menschlich. Der Mensch schont sich, wenn er es irgend einrichten kann, so haben die Götter ihn gemacht. Sonst gäbe es ihn nicht mehr auf dieser Erde. Lieder kamen auf, in denen sie Iphinoe besingen, als schöne junge Braut. Sie erleichtern den Korinthern das Herz, sie schmelzen ihren bösen Verdacht und ihre Trauer um in eine süße Sehnsucht. Man kann nicht genug staunen, die Weisheit der Götter nicht genug bewundern, die es so und nicht anders eingerichtet haben. Es kann zu einem Zwang werden, das immer und immer wieder zu beobachten, wenn man einmal durchschaut hat, wie es geht.








Aus:
Christa Wolf, Medea Stimmen, dtv





















Sonntag, 9. August 2015





























Julia Jusik
Die Bräute Allahs
Selbstmord-Attentäterinnen aus Tschetschenien



Leute, dran bleiben! Auf noch ein Glas Orangensaft, gemixt mit Jim Beam!
Literatur-Hinweis jetzt auch in der Pinterest-Rubrik "Her Story"





















Freitag, 29. Mai 2015

Kurkuma als heilsames Wirk-Mittel

"Kurkuma verdankt seine Fähigkeiten zur Vorbeugung und Heilung von Krankheiten seinem wirksamen Pflanzenstoff Kurkumin, einer Substanz, die so außergewöhnlich ist und solche enormen antioxidativen und entzündungshemmenden Wirkungen besitzt, dass sie erwiesenermaßen die Gesundheit von buchstäblich jedem Organ in unserem Körper schützen und verbessern kann





... Vor kurzem verglichen meine Kollegen und ich am M.D. Anderson-Krebszentrum der University of Texas Kurkumin mit entzündungshemmenden und schmerzstillenden Medikamenten und mit Krebsmedikamenten. Zu diesem Zweck testeten wir diese Wirkstoffe zur Linderung von Entzündungen und zum Aufhalten der Ausbreitung von Krebszellen. Es stellte sich heraus, daß Kurkumin wirksamer zur Entzündungshemmung war als die frei verkäuflichen Medikamente Acetylsalicylsäure (u.a. Aspirin) und Ibuprofen sowie genauso wirksam wie das stärkere rezeptpflichtige Medikament Celecoxib (Celebrex). Auch mit dem Medikament Tamoxifen, das oft eingesetzt wird, um die Ausbreitung oder das erneute Auftreten von Brustkrebs zu verhindern, konnte Kurkumin gut mithalten und zeigte dieselbe Wirkung im Kampf gegen Brustkrebszellen. Diese Ergebnisse sind - man kann es nicht anders sagen - unfassbar ...




Lorbeer - Verschiedene Studien mit Krebszellen belegen, daß Parthenolid - ein Inhaltsstoff des Lorbeer - gleich in mehrfacher Weise gegen Krebs wirkt. Bei einer Studie in Russland konnte durch das Injizieren von Lorbeerextrakt das Auftreten und Wachstum von Brusttumoren bei Mäusen, bei denen künstlich Brustkrebs erzeugt worden war, verlangsamt werden. Weitere experimentelle Studien zeigen die Wirkung von Lorbeer gegen Leukämie und Gebärmutterhalskrebs.





... Bakterielle Infektion. Lorbeer ist ein wahres Schutzschild gegen Bakterien. Marokkanische Forscher infizierten Versuchstiere mit 16 unterschiedlichen Stämmen eines infektiösen Organismus, doch Lorbeer half, die Keime unter Kontrolle zu halten. So wurde eine "stark hemmende Wirkung" gegen E.coli, Salomonellen und Listeria festgestellt, die alle eine Lebensmittelvergiftung verursachen. Forscher in Pakistan erkannten, daß Lorbeer 176 unterschiedliche Bakterienstämme unter Kontrolle halten kann."








Dr. Bharat B. Aggarwal mit Deborah Yost: Heilende Gewürze: Wie 50 heimische und exotische Gewürze Gesundheit erhalten und Krankheiten heilen können






Sonntag, 3. Mai 2015













Den Titel darf man nicht so ernst nehmen, und das Zusammenspiel mit vielen anderen Faktoren wird auch nicht berücksichtigt, aber es ist eine Lektüre, die Anregungen bietet. Vor allem kommt es meiner Auffassung zur Vielfalt und vieler kleiner Portionen auf dem Tisch sehr entgegen. Der Körper hat dann mehr Chancen, sich zu holen, was er wirklich braucht. Der intuitive Griff wirkt Wunder, wenn genug Auswahl zur Verfügung steht: James A. Duke, Heilende Nahrungsmittel. Wie Sie Erkrankungen mit Gemüse, Kräutern und Samen weg-essen.















Dienstag, 10. März 2015
















„Wirtschaft ist Care oder: Die Wiederentdeckung des Selbstverständlichen“ heißt die 88seitige Broschüre, die bei der Heinrich-Böll-Stiftung gegen Erstattung der Portogebühren bestellt werden kann.



Darin zeichnet Praetorius mit einem „Gang durch die Geschichte“ nach, wie es zu der über Jahrhunderte eingeübten Zweiteilung von Kultur und Natur kam, wobei zur Kultur das zählt, was traditionell Männer tun, was wichtig ist und womit Geld verdient wird, während die Frauen der Natur zugeordnet werden. Aufgrund ihrer Natur erledigen sie die Pflege- und Sorgearbeiten gerne, gut und ohne Bezahlung. Gerade, weil dieses Denken schon so lange eingeübt und so tief verankert ist, ist es auch so mühsam, sich davon zu befreien und „Wirtschaft“ anders zu denken.




Auch als kostenloses PDF-Dokument abrufbar (Herzlich willkommen ...!). Mit zahlreichen Zitaten von Philosophen des Pascha-Paradieses wie beispielsweise Kant zur Natur der Frau und außereuropäischen Kulturen.

















Montag, 2. März 2015
















"Da kam auf einmal den Hedgefonds und Banken eine Erleuchtung. Warum sollten sie nicht einen Teil der Staatsgelder, die sie erhalten hatten, dafür verwenden, darauf zu wetten, dass früher oder später der Druck auf die öffentlichen Finanzen (einerseits durch die Rezession, die die Steuereinnahmen belastete, und andererseits durch den starken Anstieg der öffentlichen Verschuldung, für die die Banken mit verantwortlich waren) so groß werden würde, dass einer oder mehrere Staaten der Eurozone insolvent würden?
Je länger sie darüber nachdachten, desto fröhlicher wurden sie. Die Tatsache, dass die Mitgliedschaft in der Eurozone die am höchsten verschuldeten Länder (Griechenland und andere) daran hinderte, ihre Währungen abzuwerten (was bedeutete, dass sie die Hauptlast der Kombination von Schulden und Rezession tragen mussten), veranlasste die Banker ihre Augen auf diese Länder zu richten. Und so begannen sie zu wetten, erst mit kleinen Summen, dass das schwächste Glied in der Kette, Griechenland, Insolvenz anmelden würde. Weil die berühmten Buchmacher in London mit Wetten über mehrere Milliarden Pfund überfordert waren, wandten sich die Banken und Hedgefonds den vertrauten CDSs zu, den Versicherungspolicen, bei denen man Geld bekommt, wenn ein andererer bankrott geht (siehe die Beschreibung des Mechanismus im Kapital 6)."






Mehr davon? Siehe Yanis Varoufakis, Der Globale Minotaurus. Amerika und die Zukunft der Weltwirtschaft. Ja, Yanis Varoufakis ist nicht nur Professor für Wirtschaftswissenschaften und ökonomische Theorie, zudem ist er der neue Finanzminister von Griechenland. Ich bedanke mich für den Link bei Facebook auf dieses denkwürdige deutsche Video: V for Varoufakis - NEO MAGAZIN ROYALE. Damit wären dann wirklich alle Vorurteile erfüllt. Wie geht es dem Porsche?



















Donnerstag, 15. Januar 2015


















Die Macht der Bilder. Und der Weg der Symbolik. Man kann eine Frau, die den Stab der Seherin trägt, und manchmal auf dem Boden nach Beeren, Kräutern und Wurzeln sucht, auf verschiedene Art und Weise darstellen. Man kann ihr zum Beispiel einen hässlichen Buckel andichten, was eine boshafte Karikatur des runden Rückens ist, den die weise Frau beim Blick auf den Boden hat. Man kann ihr auch eine hässliche große krumme Nase andichten. Denn der feine Geruch wird gebraucht. Man kann die weise Frau aber auch entgegen den boshaften und zweckgerichteten Verzerrungen ganz anders darstellen. Mit Dank für diesen Hinweis an Heide Göttner-Abendroth, Matriarchale Landschaftsmythologie. Von der Ostsee bis Süddeutschland, Erschienen 10/2014.






















Mittwoch, 14. Januar 2015

















Orakel - Luisa Francia, Dunkle Spiegel. Orakel als Weg in andere Wirklichkeitsebenen, Verlag Frauenoffensive 2007