Freitag, 15. November 2024
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Sonntag, 31. März 2024
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Montag, 26. Februar 2024
"Who is the Wandering Jew"
Dienstag, 17. Mai 2022
Die Frau im Fenster
"Versetzen wir das Bild von der 'Frau im Fenster' um ein paar Jahrtausende zurück in eine Zeit, die den abgespaltenen Begriff 'Sexualität' noch nicht gekannt hat: Die 'Frau im Fenster' war einst eine Hohepriesterin, die kultische Königin, die den Geliebten zur Heiligen Hochzeit aufforderte. Der Jüngling, mit dem die Priesterin schlief, empfing durch die Heilige Hochzeit göttliche Weihen. Er empfing sie stellvertretend für die ganze Natur, die er verkörperte: Liebe war das schöpferische Agens, die Kraftquelle, die im Wachsen der Pflanzen, der Fruchtbarkeit der Tiere und dem Ansteigen der Wasser in den Flußläufen wirkte. Die Liebe knüpfte das menschliche Dasein in die kosmische Ordnung ein und gewährleistete die Erhaltung des Lebens, den Sieg der geistigen, seelischen und physischen schöpferischen Kräfte über Untergang, Tod und Verwesung. Weit entfernt davon, 'nur' Fruchtbarkeitskult zu sein, traf der schöpferische Impuls alle Bereiche der menschlichen Existenz. Die ganzheitliche Erfahrung einer Liebe, der das abgespaltene Erlebnis von Sexualität unbekannt war, schuf einst die Voraussetzung für menschliche Integrität, für die seelische Gesundheit von Frauen und Männern.
Die 'Frau im Fenster' ist zur Verführerin des Mannes' geworden. Die Priesterin ist zur Dirne, zur Prostituierten verkommen. Zwischen Heiliger Hochzeit und Prostitution liegt die Geschichte eines Symbolwandels, die den dramatischen Verfall menschlicher Seelenkraft im Umgang mit Liebe und Tod beschreibt.
Elfenbeinschnitzereien, die eine 'Königin im Fenster' darstellen, waren im vorderen Orient und im östlichen Mittelmeerraum weit verbreitet. Bei den archäologischen Fundstücken handelt es sich meist um Bruchstücke, Teile jener Elfenbeinbetten, kultischer Möbelstücke, die zur Feier der Heiligen Hochzeit besonders kostbar ausgestattet waren. Die Priesterinnen der Aphrodite zeigten sich ebenso im Fenster, um nach dem Geliebten zu rufen (Hurwitz 1980, 42) wie die orientalischen Königinnen, die sich als Inkarnation der Großen Göttin auf dem Thron verstanden. In London befindet sich ein Relief aus dem Palast des Assurbanipol (669 - 627 v.u.Z) in Ninive, das den König auf dem geschmückten Prunkbett zeigt, neben ihm die Königin, umgeben von Dienern und Musikanten. Das Gemach für die Feier der Heiligen Hochzeit befand sich im Turm am Eingang der Tempelstadt oder im Tempel selbst (Thimme 1973, 22).
"Im Tempel des Gottes Nabu wurden Elfenbeinschnitzereien gefunden, die die Frau im Fenster darstellen, Schnitzereien, die offenbar zur Ausschmückung der kultischen Betten bevorzugt worden sind." (Thimme 1973, 23)
Der rituelle 'Lauf um die Mauer', der aus dem alten Ägypten überliefert ist (Sethe 1905, 133 f.), endete mit dem triumphalen Einzug des Königs durch das Stadttor, wo ihm die Königin, gehüllt in ihre priesterliche Kleidung und angetan mit kostbarem Kultschmuck, entgegensah. Ihr freundliches Entgegenkommen, ihr Gruß aus dem Fenster setzte ein Zeichen, hatte symbolischen Charakter. Die Wahl des Nachfolgers lag in der Hand der Königin, und mit ihrem Erscheinen im Fenster zur Begrüßung des Königs bestätigte sie ihre Entscheidung. Das Erscheinen der 'Königin im Fenster' gehörte zum matriarchalen Erwählungsritual. Es war eine Kultgebärde, die seit archaischen Zeiten vom Mann als Aufforderung zur Heiligen Hochzeit verstanden werden sollte."
Aus: Gerda Weiler, Der enteignete Mythos, Eine feministische Revision der Archetypenlehre C.G. Jungs und Erich Neumanns
Sonntag, 24. April 2022
Die Substanz eines Sakraments
"Es ist mir unmöglich, *das, was man irrigerweise die körperliche Liebe nennt, zu verachten; sie ist die Substanz eines Sakraments, und ich zolle ihr Ehrfurcht, die ich auch dem ungeweihten Brot als der Substanz eines Sakraments zolle; die Spaltung der Liebe in die sogenannte körperliche und die andere ist angreifbar, vielleicht unzulässig; es gibt nie rein die körperliche, nie rein die andere; beide brauchen immer eine Beimischung der anderen, sei es auch nur eine winzige. Wir sind weder reine Geister noch reine Körper, und das ständig wechselnde Mischungsverhältnis von beidem - vielleicht beneiden uns die Engel darum.*"
Vorwort Heinrich Böll, Brief an einen jungen Katholiken, 1958, in: Zürcher Bibelkommentare, Othmar Keel, Das Hohelied, 2. Auflage 1993, Seite 7 - Verlinkt auf Shamans - Rites
Torte? Mehr Süsses?
Wollten Sie auch mal mitspielen? Gut! Was? Sie wollten sich jetzt schon mal auf der Teststation im Aufbau umsehen? Die Baustelle betrachten? Na gut. Gerne doch! Auch noch eine Führung im Garten? Gerne doch. Miro? Habt Ihr wieder Zeit? Weitere Besucher möchten auch mal! "Hallo" wer bitte? Och! Ich habe das Update doch noch gar nicht veröffentlicht! Wen haben wir denn da wieder? Doch! Wir freuen uns wirklich auch über dieses Interesse am Aufbau der Lernumgebung des Zug der Zeit. Und auch die Klause im Aufbau als begleitendes Projekt erfreut sich steigender Beliebtheit und Aufmerksamkeit. Manche allerdings sind nicht so sehr erfreut. Das stimmt schon. Ja. Humanistische Bildung und die Suche auch nach spirituellen Gemeinsamkeiten erfreut nicht alle. Zu sehr sind doch die Verlockungen der Landnahme mit Feindbildern.
Donnerstag, 29. November 2018
Die Himmelskönigin - Aversive Reaktionen - Rezept Kyphi
| ohn MacArthur Studienbibel: | 44, 17: Himmelskönigin. S. Anm. zu 7, 18. In einer Vermischung von Christentum und Heidentum schreibt die römisch-katholische Kirche diesen Titel fälschlicherweise Maria zu, der Mutter Jesu. Das verdrehte jüdische Denken führte Judas Wohlstand vor der Gefangenschaft auf den Götzen zurück und spottete zudem der Güte Gottes.Jeremia 44, 17Das Buch des Propheten JeremiaKapitel: 44, Vers: 17https://info2.sermon-online.com/german/bible/Hexapla/24044017.html Rezept Kyphi - Recherche Heidentum Christentum Judentum - Traditionen |
Gegen den Widerstand strenggläubiger Juden ist in Palästina eine rege Ausgrabungstätigkeit im Gang. Man müsse dem heiligen Boden die gebührende Ruhe lassen, argumentieren die Rabbiner. Sie, die ihre Bibel am besten kennen, werden sehr wohl wissen, was die heilige Erde birgt: Den Beweis der matriarchalen Traditionen des jüdischen Volkes. Wenn Steine zu sprechen beginnen, könnte tief Verdrängtes in der jüdischen Seele wieder ins Bewußtsein gehoben werden. Das geht nicht nur Juden an, sondern die gesamte abendländische Kultur, die in einer gewaltigen Transplantation der biblischen Überlieferung aufgepropft worden ist.
Yigal Schilohs jüngste Ausgrabungen unterhalb des Salomonischen Tempels in Jerusalem haben Statuetten der Anat und Aserat zutage gefördert. Aber wir wissen bereits aus der Bibel, daß die Himmelskönigin noch zur Zeit des babylonischen Großreiches Nebukadnezar in Jerusalem verehrt worden ist. Als Jeremia, der Prophet Jahwes, das jüdische Volk zur Anbetung seines Gottes zwingen will ...
"Da antworteten dem Jeremia alle Männer, die da wohl wußten, daß ihre Weiber anderen Götter räucherten, und alle Weiber, die in großen Haufen dastanden, samt allem Volk, die in Ägyptenland wohnten und in Pathros, und sprachen:
Nach dem Wort, das du im Namen des Herrn uns sagtest,
wollen wir dir nicht gehorchen;
sondern wollen tun nach allem dem Wort,
das aus unserem Mund geht,
und wollen der Himmelskönigin räuchern
und ihr Trankopfer darbringen
wie unsere Väter und Fürsten getan haben in den Städten Judas
und auf den Gassen zu Jerusalem.
Da hatten wir auch Brot genug; es ging uns wohl,
und wir sahen kein Unglück.
Seit der Zeit aber,
daß wir haben abgelassen,
der Himmelskönigin zu räuchern und ihr Trankopfer zu opfern,
haben wir allen Mangel gelitten
und sind durch Schwert und Hunger umgekommen.
Die Jahwe-Priester bekämpfen den Kult der Anat, verbrennen die Bilder der Aserat, fordern die abstrakte, die unanschauliche Gottesverehrung.
"Du sollst dir kein Bildnis
noch irgendein Gleichnis machen,
weder des, das oben im Himmel,
noch des, das unten auf Erden,
oder des, das im Wasser unter der Erde ist.
Bete sie nicht an
und diene ihnen nicht!
Warum bekämpft der Vatergott die farbige Sinnenwelt anschaulicher Bilder? Einst war das Symbol Fundament des Glaubens. In den Bildern der Natur erfuhren die Menschen den Sinn des Daseins. Die Anschaulichkeit des Symbols gab dem Göttlichen seine Bestätigung und seine Würde. Der Mensch war noch ganz ge-Bild-et. Er lebte in Übereinstimmung mit seinen Symbolen. Die patriarchalen Schöpfungsvorstellungen kranken an der Parodoxie des Symbols. Der Vater kann den Sohn nicht gebären. "Er kommt aus des Vaters Schoß!" läßt sich predigen, singen und sagen. Bildlich darstellen läßt es sich nicht. Deshalb zieht sich der patriarchale Schöpfungsbericht auf das Wort zurück: Am Anfang war das Wort! Sind Worte nicht - von Anfang an - der Aufstand gegen das Bild gewesen? Die Revolution des Abstraktum gegen das anschauliche Symbol? Wie mit einer Beschwörungsformel wird die Verlesung jeden Bibeltextes von der Kanzel mit den Worten eingeleitet: "Es steht geschrieben!". Als könne keine Gewalt der Erde das Wort umstoßen, das Beweiskraft habe, weil es geschrieben steht. Selbst das Unglaubliche läßt sich in Worte fassen: Adam gebiert aus der Rippe. Die Mutter alles Lebendigen, die Seele des Alls, wird zum Geschöpf. Die Herrin des Himmels wird zur Gehilfin des Mannes.
Aus: Gerda Weiler
Ich verwerfe im Lande die Kriege.
Das verborgene Matriarchat im Alten Testament
"Es wird nicht möglich sein herauszufinden, unter welchem Namen die Himmelskönigin in den Städten von Judäa und in den Gassen Jerusalems angebetet worden ist; daß aber Frauen und Männer - und auch viele Fürsten und Könige - bis in die antike Spätzeit hinein neben der Religion, die sich später als der offizielle Kult durchgesetzt hat, die Göttinnenverehrung bewahrt haben, belegt der Jeremia-Text eindeutig.
In jüngster Zeit bestätigen auch archäologische Befunde, daß Anat in biblischer Zeit in Jerusalem verehrt worden ist. Yigal Schilohs Ausgrabungen unterhalb des Salomonischen Tempels in Jerusalem haben Statuen der Anat und der Aserat zutage gefördert. (Allgemeine Pressemitteilungen über AP/AFP vom 17.8.1983) aber es ist seit 1983, soviel ich weiß, über diese Ausgrabungen nichts Näheres bekanntgeworden".
Zitat aus: Gerda Weiler, Das Matriarchat im Alten Israel, Kohlhammer 1989, S. 73f
"In Part II of this interview which will appear in the May/June BAR (“BAR Interview: Yigal Shiloh—Last Thoughts, Part II,” BAR 14:03), Yigal Shiloh describes his confrontations with ultra-Orthodox extremists who claimed that the City of David archaeologists were defiling a cemetery and tried to close down the dig."
Published: November 19, 1987: Yigal Shiloh, an Israeli archeologist who led the excavation of the City of David, died of cancer Saturday in Jerusalem, where he lived and worked as a professor at the Hebrew University Institute of Archeology. He was 50 years old."
Montag, 7. Juli 2014
Die Vereinigung der Geschlechter im Tantrismus und Judentum
Der wirkliche Ursprung des Hexagramms liegt im tantrischen Hinduismus, bei dem es für die Vereinigung der Geschlechter stand. ((Anmerkung: Das Symbol des Dreiecks ist noch älter, siehe dazu beispielsweise Marija Gimbutas)
Aus dem tantrischen Hexagramm der beiden Geschlechter entstand eine jüdische Glaubensrichtung, in der die Sexualität verehrt wurde. Diese Strömung war sowohl mit der mittelalterlichen Kabbala verknüpft als auch mit jener rabbinischen Überlieferung, nach der "in der Bundeslade nebst den Gesetzestafeln ein Bild gelegen sein (soll), das einen Mann und ein Weib in inniger Umarmung, in Hexagrammform zeigte."
Die Juden des maurischen Spanien entwickelten die Kabbala in der Zeit nach den Kreuzzügen, durch die sie die Verehrung der Großen Göttin in den östlichen Kulturen kennengelernt hatten. Für die Kabbalisten hatte das Hexagramm die gleiche Bedeutung wie für die tantrischen Yogis. Es repräsentierte die Vereinigung Gottes mit seiner weiblichen Kraft Schechina, der jüdischen Version der Shakti-Kali. So wie Shakti die Seelensubstanz jedes hinduistischen Gottes bildete, war Schechina die Seelensubstanz des kabbalistischen Gottes. Wie alle Religionen, bei denen die Heilige Hochzeit im Mittelpunkt stand, sah auch das kabbalistische Judentum Mann und Frau als irdische Ebenbilder des Gottes und der Göttin an.
Deshalb galt der Geschlechtsverkehr als "ein sakramentaler Akt zur Huldigung eines Gottes und seiner Gemahlin (oder vielleicht andersherum: einer Göttin und ihres Gemahls). Fußnote
Das Buch Zohar setzte Schechina mit Thora, dem "Gesetz" gleich. Ebenso entsprach die älteste gnostische Große Göttin ihrer eigenen jungfräulichen Verkörperung Maat, dem "Gesetz" oder der "Wahrheit". Ein Mann, der nach mystischer Weisheit strebte, mußte "Bräutigam der Thora" werden, weil das Gesetz in einer Jungfrau verkörpert war. Ihr ähnelte die erleuchtete Geliebte der zeitgenössischen Minnelyrik, deren Verehrung ebenfalls von der Großen Göttin des Ostens inspiriert war ...
Das Hexagramm stand für die vollständige Vereinigung des Erleuchteten mit Schechina-Thora. Daß das Hexagramm als "Siegel Salomos" mit Salomo in Verbindung gebracht wurde, entsprang wahrscheinlich der verbreiteten Vorstellung von dem durch eine Heilige Hochzeit erleuchteten Salomo, worauf die erotische Dichtung des Hohelieds Salomo in der Bibel hinweist.
In: Das geheime Wissen der Frauen. Ein Lexikon von Barbara G. Walker, Deutscher Taschenbuch Verlag
Sonntag, 20. November 2011
Die Welt auf neue Art zu sehen wagen
Ein wichtiger Ausdruck solcher auf Europa und Nordamerika liegenden, in gewissen Beziehungen sich sogar noch immer verdichtenden Stimmungen ist z. B. die Malerei des ”psychedelischen” Künstlers H. R. Giger von Zürich, dessen Poster in fast unglaublichen Ausmaßen den Weg an die Wände von Kommunen der Schweiz und Deutschlands fanden: Der Fußboden einer Durchschnittswohnung kann sich auf den Bildern Gigers in einen blutigen Schleim verwandeln, den Fleischteppiche aus frühgeborenen Kindern bilden. Hier befinden wir uns in einer noch schauerlicheren Weiterentwicklung jener Zeichnungen des Künstlers, auf denen Embryonen aus Roboter-Gebärmüttern in eine unwirkliche, tote Welt treten - schon mit Mordwaffen in den Händen:
Doch in der erstickenden Dunkelheit solcher Verzweiflung entstanden Kreise, stießen schon bereits ”Keller-Poeten” zu jener Mitte vor, von der aus man wieder die Neuschöpfung der Welt zu beginnen vermag. Der Wiener H. C. Artmann entwickelte z. B. schon um 1951-1953 in Berner Künstlerkreisen Gedanken, von denen auf einen riesigen deutschsprachigen Umkreis Auswirkungen ausgehen sollten: ”In jeder Pinte an der Landstraße kannst du sämtliche Philosophien des Universums finden, und wenn du aus ihnen die richtigen Schlußfolgerungen machst, dann kann der hinterste Winkel, da dies geschieht, auf einmal zur Pilgerstätte für die ganze Welt werden. Paris, London, früher vielleicht Rom, Athen und Jerusalem, waren am Anfang sicher verlauste Dörfer. Sie wurden zu Mythen von jenem Augenblick an, als dort ein paar erwachte Menschen, die zuerst vielleicht für jedermann lächerliche Außenseiter waren, groß zu lieben und dann die Welt auf neue Art zu sehen wagten.”Sergius Golowin
Das Zeitlose in der Industrie-Gesellschaft
Samstag, 13. Februar 2010
Die Verwandlung der Welt
Als Vorzug des echten Edelmannes pries man noch im 15. Jahrhundert, so lange sich die Kultur der provenzalisch-burgundischen Minnesänger auswirken konnte, die Fähigkeit, wie Adam im Paradiese das Göttliche in dem ihm von Gott geschenkten Mitmenschen, also im Weibe, wiederzuerkennen: König Salomo mit seinem Hohelied war da Vorbild und Gewahrsmann.(8)
Und auch hier blieben die Rosenkreuzer nach 1600, zumindest nach den Zeugnissen ihres Gegners Libavius, die treuen Nachkommen jener Ritter, wenn sie versuchen wollten, ”alles zum ersten Stande des Adams oder Salomonis” zu bringen.(1)
Wiederum lernen wir hier zweierlei: Einmal, daß der ursprüngliche glückliche Zustand (erster Stand), wie ihn Gott für den Menschen erschaffen haben soll, nach den Rosen-Rittern gar nicht eine ferne, verlorene Urzeit darstellte, sondern daß sie überzeugt waren, daß dieses ”verlorene Paradies” in späteren Jahrtausenden, z. B. durch einen Weisen wie Salomo, zuruckgewonnen werden könnte und damit sicher in ihren Zeiten wiedergefunden werden könne.
Zweitens: Daß dieser ”Zustand” dem Einzelnen gar nicht von außen, von oben, also z.B. durch irgendwelche idealistische Revolutionäre, als Geschenk zuzufallen vermag: Durch Wissen und Güte muß ihn der Mensch selber ”erwerben”, wofür eben den Rittern des ausgehenden Mittelalters, genau wie den späteren Rosenkreuzern und Freimaurern, König Salomo ein Sinnbild blieb. Für die orientalischen Mythen, die hundertfach während der Kreuzzüge auch nach Europa drangen und die die Erzählungen von Bibel und Koran noch unendlich ausschmückten, war er ein unermüdlich Liebender, Naturerforscher und Gottsucher auf dem Königsthron.
Unter ihrer ”Universal-Reformation” verstanden damit die Rosenkreuzer - und eigentlich alle die späteren, von ihnen ausgehenden Gemeinschaften bis in unsere unmittelbare Gegenwart - tatsächlich eine ”Verwandlung der Welt”, aber nicht durch die Gewalt von äußeren politischen Umwälzungen, sondern durch die ”Königliche Kunst der ”Umwandlung” von sich selber, durch Liebe und Wissen, durch die wiedererworbene Fähigkeit, die Welt als ein schöpferisches Spiel göttlicher Kräfte zu sehen."
Sergius Golowin
Die Propheten der Harmonie und die Verwandlung der Welt
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