'Vor 70 Jahren begann die deutsch-faschistische Belagerung von Leningrad':
"Die täglichen Lebensmittelrationen für die Bewohner werden streng begrenzt und in der Folge immer weiter gekürzt. Im November bestehen sie nur noch aus einer Scheibe Ersatzbrot pro Kopf und Tag – aus Sägemehl, verrotetem Korn, das vom Hafengrund heraufgebaggert wird. Bereits im Oktober sind die ersten Hungertoten zu verzeichnen. Die Polizei findet sie auf den Straßen. Die Todeszahlen vervierfachten sich im Dezember. Der Winter 1941/42 ist sogar nach russischen Maßstäben unerhört kalt. Die Temperaturen fielen auf minus 30 Grad Celsius oder noch tiefer. Im Januar und Februar 1942, erreicht das Sterben seinen Höhepunkt: Fast 100 000 Menschen fallen pro Monat Hunger und Kälte zum Opfer. Die elfjährige Tanja Sawitschewa hält das Sterben exemplarisch für Hunderttausende andere Leningrader in ihrem Tagebuch fest:
»28. Dezember 1941, Schenja (die Schwester) ist heute kurz nach Mitternacht gestorben.
Oma ist am Nachmittag gegen drei Uhr gestorben, wir haben den 25. Januar 1942.
Ljoka um fünf Uhr morgens gestorben, am 17. März 1942.
Onkel Wassja um zwei Uhr nachmittags am 13. April 1942 verstorben.
Onkel Ljoscha haben wir heute um vier Uhr nachmittags für immer verloren. 10. Mai 1942.
13. Mai 1942, Mutti gegen acht Uhr früh gestorben. Jetzt sind fast alle tot. Nur ich bin übrig geblieben. Was soll nun werden?«
Tanja Sawitschewa ist die Tochter eines Bäckers und einer Schneiderin, das Nesthäkchen der Familie. Als die Rote Armee Ende Januar 1944 den Belagerungsring durchbricht, wird Tanja von einigen Sanitätern entdeckt und zusammen mit 140 anderen halbverhungerten Kindern in die Gegend um Gorki evakuiert. Trotz der Bemühungen von Ärzten stirbt sie am 1. Juli 1944 an Entkräftung. Ihr Tagebuch gehört während des Nürnberger Prozesses zu den Beweismitteln der Anklage im Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher."
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