Sonntag, 14. November 2010

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"Doch plötzlich tauchten zivil gekleidete Polizisten auf, junge Männer mit schwarzen Wollmützen und schwarzen Hosen, als Beamte zu erkennen an einer gelben Weste mit der Aufschrift „Polizei“. Diese fünfköpfigen Einsatzteams, immer begleitet von einem ebenfalls zivil gekleideten Kameramann, marschierten zu einzelnen Bäumen und bildeten einen Kreis um den Stamm. Die Jugendlichen umringten sie, sprachen auf sie ein; sie vermuteten, diese Bäume sollten gefällt werden. Plötzlich, ohne Vorwarnung, schlug einer dieser Polizisten einem Schüler mit voller Wucht ins Gesicht. Sein Kollege filmte den Vorgang. Zwei Kids brachten ihren verletzten Mitschüler fort. Ich fotografierte den Schläger mit der Handykamera. Es dauerte eine Weile, bis ich begriff, was ich sah: Das waren Eskalationstrupps. Sie wollten Schlägereien provozieren. Sie wollten Bilder gewalttätiger Demonstranten.
Sie bekamen die Bilder nicht. Wenn es ein Wunder an diesem schwarzen Donnerstag gab, dann nicht nur, dass es nicht mehr Schwerverletzte – oder sogar Tote – gegeben hat, sondern auch, dass die Demonstranten die Aggressionen, die von der Polizei ausgingen, nicht mit gleicher Münze zurückgezahlt haben. Sie antworteten stets mit dem Sprechchor: „Wir sind friedlich, was seid ihr?“






Als die Wasserwerfer kamen, bildete eine große Gruppe Schüler, unterstützt von den in den Park geeilten Erwachsenen, eine Sitzblockade. Bis in den Abend zog sich die einseitige Schlacht. Ich sah ältere Damen, die der harte Strahl der Wasserwerfer hochhob und wegschleuderte. Ich sah ein etwa siebzehnjähriges Mädchen, mit grüner Strähne im Haar, schreiend vor Schmerzen, sich die Arme vor die von Pfefferspray getroffenen, brennenden Augen haltend. Ich sah einen ehemaligen Richter, der fassungslos auf das Geschehen starrte und sagte: „Bin ich froh, dass ich für diesen Staat kein Recht mehr sprechen muss.“ Ich sah einen Mann, der den Notruf wählte und ins Telefon brüllte: „Sie lassen keine Sanitäter durch! Sie haben mir eben gesagt, dass die Polizei keine Sanitäter in den Park lässt.“ Ich sah, wie Frauen und Männer ein notdürftiges Lazarett improvi-sierten, um den Dutzenden, die durch das Pfefferspray verletzt worden waren, die Augen auszuwaschen und ersten Trost zu spenden.
Irgendwann zog die Polizeikette auf der rechten Seite vor, und ich stand plötzlich unmittelbar vor einer Reihe robocopartiger Polizisten. Aus der zweiten Reihe hob sich eine Hand mit der Sprühdose und zielte genau auf mein Gesicht. So schnell ich konnte, drehte ich mich um, und diese Gelegenheit nutzte ein anderer dieser Helden in Uniform, um mir von hinten fest auf den Kopf zu schlagen. Ich hatte noch Tage später Schmerzen.
Die Schüler hielten unter einer Plane immer noch den Wasserwerfern stand. Bis heute schäme ich mich, dass ich nicht den Mut hatte, mich zu ihnen zu setzen."






Ein neues Buch. Wolfgang Schorlau. "Stuttgart 21 - Die Argumente"










Update:





Kommentator: "Ich weigere mich weiter mit Leuten über die Geschehnisse und deren Hintergründe zu diskutieren, die am 30. Septmeber nicht im Schlossgarten persönlich dabei waren. Im Anbetracht meiner eigenen Erlebnisse und der vielen traumatischen Bilder in meinem Kopf, die ich mein Leben lang nicht vergessen werde, empfinde ich jede rechtfertigende Äußerung als Demütigung! Ich selbst war einer der letzten, der um neun Uhr morgens den Park in seinem ursrünglichen Zustand in der friedlichen Morgensonne erlebt hat. Ich war anschließend auf der Schülerdemo und bin mit den Schülern zum Park zurück.





Ich kann jedes Wort des Autors Schorlau bestätigen. Es ist der erste Augenzeugenbericht, der sich KOMPLETT mit meinen persönlichen Erlebnissen deckt.
Ich habe noch ganz andere Szenen gesehen, die mir nicht mehr aus dem Kopf wollen. Berittene Polizei bspw., die eine Gruppe 14jährige Mädchen vor einem Baum einkesselt und "schwarze Cops", die die Mädchen dann einzeln an einem Arm aus der Gruppe ziehen.
Und das mehrere hundert Meter vom Ort entfernt, der eingezäunt werden soll. Wofür?
Es gibt Beweise dafür. Und viele, viele Zeugen.





Ich glaube, das die Wahrheit das ist, was ich mit meinen eigenen Augen gesehen habe.
Und ich werde nicht müde, davon zu erzählen. Nichts wird vergessen werden."





Marcus Vetter, 40
Tonmeister
Stuttgart


















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