Freitag, 11. September 2009

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"Möglicherweise hat sich Berlusconi bei seiner publizistischen und juristischen Herbstoffensive (die mitte-linken Tageszeitungen "l'Unità" und "la Repubblica" wurden von seinen Anwälten vor wenigen Tagen wegen des Stellens kritischer Fragen auf Zahlung von einer Million Euro Schadensersatz verklagt) allerdings verspekuliert. Das ohnehin belastete Verhältnis zur einflussreichen katholischen Kirche ist vollends im Eimer. Ein lange geplantes Schlichtungsgespräch mit dem Staatssekretär des Vatikans, Kardinal Tarcisio Bertone, wurde prompt abgesagt. Die Stellungnahmen des Klerus und der Laienverbände nehmen täglich an Schärfe zu. Aber auch Presse und Zivilgesellschaft sind in ihrer Verurteilung von Berlusconis Vorgehen einhellig. Am vorsichtigsten äußerte sich noch die Zeitung des Turiner FIAT-Konzerns "La Stampa", die am 4.9.2009 in einem Leitartikel von "einer Niederlage für alle" sprach. Sie schloss mit den Worten: "Die Demonstrationen von Stärke sind kein Zeichen von Sicherheit, wenn sie sich gegen Opfer richten, die im Vergleich sehr viel schwächer erscheinen, sondern verraten vielmehr, dass hier jemand in Schwierigkeiten steckt."






Die linksunabhängige Tageszeitung il manifesto sah am 29. August einen "kopflosen Cavaliere" wild um sich schlagen. Der ehemalige Sozialminister der Vorgängerregierung Prodi und Generalsekretär der Linkspartei Rifondazione Comunista, Paolo Ferrero, erinnerte daran, dass die aktuelle Offensive in fataler Weise der Strategie und den autoritären Zielvorstellungen der rechtsradikalen Geheimloge Propaganda Due-P2 gleiche (Liberazione vom 4.9.2009). Die Anfang der 80er Jahre aufgeflogene rechte Freimauererloge und ihr inhaftierter Großmeister Licio Gelli werden mit der so genannten "Strategie der Spannung" der 70er Jahre und dem verheerenden Bombenanschlag auf den Bahnhof von Bologna am 2.August 1980 in Verbindung gebracht wird. Das heute einfluss-reichste Mitglied der P2 heißt Silvio Berlusconi.






Der Vorsitzende der 980.000 Mitglieder zählenden christlichen Laienorganisation ACLI, Andrea Olivero, sieht denn auch "hinter dem Angriff auf den Avvenire "einen gezielten Willen zur Einschüchterung" ("il manifesto" 2.9.2009). Die französische Zeitung Le Monde sprach vom "Versuch, die Presse zu knebeln", und der keineswegs linke britische "Daily Telegraph" diagnostizierte eine "paranoide Pathologie Berlusconis, die über die nationalen Grenzen hinaus reicht.






Für den 19. September 2009 rufen nun die Einheitsgewerkschaft der italienischen Journalisten FNSI sowie die im Februar 2002 gegründete, linksliberale Vereinigung Articolo 21, die Autoren, Regisseure, Redakteure und Juristen vereint, zu einer landesweiten Demonstration in Rom auf. Neben dem Literaturnobelpreisträger Dario Fo und diversen linken Gruppen und Parteien hat sich auch der größte Gewerkschaftsbund CGIL (5,5 Millionen Mitglieder) der Initiative angeschlossen."








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