Donnerstag, 23. Oktober 2008

Es ist auch ein Lehrstück über den Abgrund menschlicher Beziehungen. Darüber, wie sie sein können. Aber nicht sein müssen. Eine Geschichte über das Vertrauen und das Fallenlassen. Über wiederholte und doch hoffnungslose Hingabe im Vertrauen. Über Liebe und Pflichtgefühl. Ich erzähle ihr in Andeutungen, erzähle in kleinen Dosen und mit clownesker Untermalung in der Hoffnung, dass sie sich nicht abwendet, sich nicht wie immer kurz entsetzen wird über die Schlechtigkeit der Welt. Sich dann in selbstentlastender Manier reinigt mit der Rede, das sei eben so. Sie hört mir zu, und wieder einmal klingelt das Telefon im passenden Moment. Erst der eine. Ein paar Minuten später der andere. Jeder sitzt im Glashaus. Wie mir der eine bereits vor langer Zeit sagte. Eben nur in verschiedenen Ligen. Und jeder betont das hin und wieder durch gezielt gesetzte Trigger.
Manchmal habe ich mir vor lauter Wut dieses Mittel auch gewünscht. Viele mystische Buchseiten später diesen Wunsch wieder aufgegeben. Verwandle die Energien. Verwandle sie! Schreibe! Suche die richtigen Bücher. Die Buchstaben fallen dir dann in die Finger. Ja. Sie fallen. Oft wortwörtlich. Und nicht immer habe ich diese Stellen schon vorher gelesen. Ein Lernprozess, das Ganze? Ein alchemistischer Schmelztiegel der Erfahrungen? Dankeschön! Ganz so genau wollte ich es eigentlich nicht wissen! Oder vielleicht doch? Die Transformation läuft auf vollen Touren. Hin und wieder läuft sie allerdings heiß. Und was soll ich daraus dann lernen? Vielleicht: Nichts ist immer hellsichtig und klar?
Ich höre den gespielten Belanglosigkeiten am Telefon nur kurz zu, lege auf und lache über dieses Spiel. Lache, um ihr zu helfen, hoffe, dass sie sich nicht abwendet. Von mir abwendet. "Siehst, so geht das. Was für ein lustiges Theaterspiel, nicht wahr?" Sie sieht mich an, zögert einen Moment. Nur einen ganz kurzen Moment. Doch das auf dem Nährboden wilhelminischer Kriegs- und Nachkriegserziehung errichtete deutsche Pflichtgefühl reicht nicht für solche Situationen. Deutlich, zu deutlich höre ich ihre Worte: "Damit habe ich nichts zu tun." Und macht mir noch einen Kaffee und ein Brötchen mit Salami.

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