Mittwoch, 17. September 2008

Einen herzlichen Gruss





von dieser Stelle aus an den neuen türkischen Lateinlehrer, der seinen Schülern solche einfachen wirksamen Wahrheiten vermittelt wie: "Wenn du eine schlechte Note schreibst, dann heißt das nicht, dass ich dich nicht mag."
Sie mag es, wie er gerade diejenigen anspricht, denen das immer wieder gesagt werden muß. Sie akzeptiert ihn als Vorbild und findet Latein ganz leicht.
Ich bin stolz auf meine Tochter, deren Leben nicht ganz frei von Auswirkungen meines Lebens ist, oft zu ihrem Vorteil, manchmal zu ihrem Nachteil.
Sie hat das letzte Schuljahr wiederholt. Und es war trotz allem eine der besten Erfahrungen ihres und meines Lebens. Natürlich war es auch Mobbing. Nicht nur nach Aussage ihrer neuen Klassenlehrerin. Viele haben dabei Fehler gemacht. Sie selbst hat es. Ich habe Fehler gemacht, habe zum Beispiel keinen Anwalt hinzugezogen. Ich habe nicht intensiv genug nachgefragt, warum Noten fallen, wenn Lehrer wechseln. Warum der Besuch eines Reitstalls plötzlich eine elitäre Freizeitveranstaltung ist, die in der Schule die soziale Kompetenz einschränkt. Ob das freiwillige Ausmisten von Pferdeställen, die Freundschaften und die zahlreichen Anfragen von Pferdebesitzern an sie nicht doch auch etwas über ihre Teamkompetenz und Empathiefähigkeit aussagt. Ich habe nicht deutlich genug nachgefragt, ob Kinder unter allen Umständen Kontakt mit aggressiven und verhaltensgestörten Mitschülern halten müssen und nicht deutlich genug darauf hingewiesen, dass ihr die Rollenspiele des Schulpolizisten gut gefielen und er das Verhalten in diesen deeskalierenden Übungen von ihr und ihren Freundinnen als vorbildlich lobte.
Begabung zeigt sich in vielen Formen. Und es gibt Lehrer und Lehrerinnen, die diese sehen, fordern und fördern. Die sie respektieren unabhängig von jeder Ideologie, Religion, politischen Einstellung oder (An)Weisung.
Sie selber hat ebenfalls Fehler gemacht und weiss nun erst recht, dass Schule lediglich ein Spiegel der Gesellschaft ist. Sie hat gelernt, dass Leistung nicht Entertainment heisst. Aufmerksamkeit, Anwesenheit und Noten schwanken nicht mehr zwischen "Oh, super spannend, ich hör mal zu", "Lernen ist was für Langsame" und "Weck mich, wenn der Weihnachtsmann kommt".

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