Donnerstag, 7. August 2008

Was geschnitten wird, bestimmen wir!

Wenn hier nicht lauter Männer über Dinge diskutieren würden, von denen sie keine Ahnung haben, d.h. nicht im geringsten nachvollziehen können, was es bedeutet, wenn Schamlippen (manchmal ohne Narkose) und Klitoris abgeschnitten werden, vielleicht würde sich dann ja etwas ändern? Oder sollen wir etwa unterstellen, dass sie durchaus genügend Fantasie besitzen und sich gerade deswegen gegen die Thematisierung dieser Gewalttat so vehement wenden?



Der britische Historiker David Littman kam nicht weit, als er Mitte Juni vor dem UN-Menschenrechtsrat (UNHRC) Genitalver-stümmelungen sowie Steinigungen und Zwangsverheiratungen in Ländern unter dem islamischen Gesetz der Sharia thematisieren wollte. Noch bevor er überhaupt den ersten Satz seiner Erklärung für die NGO »Association for World Education« und »International Humanist and Ethical Union« (IHEU) vortragen konnte, wurde er durch Ordnungsrufe zuerst des pakistanischen und dann des ägyp­tischen Delegierten unterbrochen. Beide verbaten sich vehement jede Diskussion der Sharia vor dem UN-Gremium. Als Littman nach einigem Hin und Her sein Statement fortsetzen konnte, wiederholten sich die Störmanöver praktisch nach jedem seiner Sätze. »Mein Punkt ist, dass der Islam in diesem Rat nicht gekreuzigt werden wird!« rief der ägyptische Delegierte auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzung aus. Der rumänische Ratspräsident Doru Costea forderte schließlich den NGO-Sprecher auf, von jeglicher »Beurteilung oder Bewertung einer bestimmten Religion« Abstand zu nehmen, und schloss damit jede weitere Thematisierung der Sharia vor dem Menschenrechtsrat aus. (via)