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Samstag, 23. Mai 2009

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"Arne Hoffmann heißt der Beifallspender, der noch eine andere Passion pflegt, die auf den ersten Blick so gar nichts mit seiner Leidenschaft für die „Israelkritik“ und den Islam zu tun hat: das Verfassen von Büchern mit markerschütternden Titeln wie „Sex für Fortgeschrittene“, „Onanieren für Profis“ und „Männerbeben“ nämlich. Vor allem die zuletzt genannte Schrift wird in Rezensionen schon mal als „Standardwerk“ angepriesen, „nicht nur für die Männerrechtsbewegung, sondern für Männer überhaupt“. Keine Frage: Hoffmann ist ein echter Bescheidwisser.



Dabei haben seine Verteidigung von ausgewiesenen Antisemiten, sein Israelbashing, sein Flirt mit dem Islam, seine Nachhilfe für Onanisten und sein Jammern über die angebliche Unterjochung der Herren der Schöpfung durch allgegenwärtige Radikalfeministinnen mehr miteinander gemein, als es bei flüchtigem Hinsehen der Fall zu sein scheint."







Sehnsucht nach Unterwerfung


"Auf der Suche nach geistigem Halt hat die deutsche Männerrechtsbewegung den Islam für sich entdeckt.





... Die verständnisinnige Hinwendung der männerbewegten Gemeinde zum Islam ist längst mehr als ein obskures Hobby: Hier wird auf breiter Front und - entgegen dem weinerlich masochistischen Selbstbild der Männerbewegung - mit tatkräftiger juristischer Rückendeckung dafür gestritten, grundlegende zivilisatorische Standards der westlichen Gesellschaften im Namen von "Männerrechten", "Vaterrechten" und "kulturellen Differenzen" zu suspendieren. Seiner naturwüchsigen Rechte als Hordenführer beraubt, stilisiert der deutsche Maskulist den von Bürokratie, Jurisprudenz und Sozialstaat um seine autochthone Herrschaft gebrachten arabischen Familienvater in pathischer Projektion zum Stammesgenossen.





Daß die Frage nach der Vereinbarkeit von Islam und Demokratie bei alldem aus maskulistischer Perspektive im Grunde unwichtig ist, zeigen die zahllosen Referenzen auf die NS-Vergangenheit, mit denen die in arabischen Dingen eher unbeleckte Männerbewegung sich nolens volens als Zerfallsprodukt gesamtdeutscher Psychopathogenese erweist. Wer Männer, denen in der Diskussion mit Frauen auch anderes als ein Schimpfwort einfällt, als "umerzogen" tituliert und für die Fackelzüge der NS-Olympiade schwärmt, der gibt zu erkennen, daß er für die Akzeptanz gegenüber Schwulen, Emanzen und anderem Gesocks in letzter Konsequenz die alliierte Besatzungsmacht verantwortlich macht, in deren Demokratisierungsprogramm "Umerziehung" eines der wichtigsten Schlagworte war. Tuntenhaft, weibisch und dekadent ist Deutschland demnach vor allem geworden, seit es zur Kolonie der westlichen Demokratien, insbesondere der USA, degradiert worden sei."









Chiffre: Morgaine in BlogLand


(Track 1 - 5 einzeln abspielbar)





Der Freitagskommentar




Diese Woche stand ganz im Zeichen des Kräftemessens und Größenvergleichs, das Niveau lag stellenweise kaum über dem der zutiefst subtilen Bemerkungen an den feindlichen Gegner meiner Kindertage. "Ätsch. Meine ist aber doch besser als Deiner!"




Dieses hier ist ein Blog. Und wie wir in den vergangenen Tagen wieder einmal lesen lernen durften, sind alle Blogger Kapitalisten. Zumindest irgendwie rechts von den gedruckten Buchstaben des Wahren, Guten und Schönen. Wer nicht zur Kategorie der bloggenden Kapitalisten gehört, ist zumindest ein/e Esoterikerin, liebt Blumen, mag hin und wieder kuscheligen Blümchen-Sex und nennt als Frau ihre Vagina lieber Yoni. Diesem Vorurteil muß frau nun allerdings in der Tat zustimmen. SIE nimmt dafür auch gerne Provokateure in Kauf, die bei "Peace, Love and Harmony" nur noch an spirituelles Instant Food mit Waldorf-Soße und versteinerten Pilzen denken. Denn SIE glaubt: Lieber eine Blume an der Vagina als den Gewehrlauf in der Vagina.





SIE hat sich in dieser Woche mit wachsender Begeisterung durch kapitalistische und antikapitalistische Seiten geklickt, hat geduldig vernommen, dass Blogs wie Elektra Log oder ihr eigener Freitagskommentar selbstverständlich zu betrachten sind im Rahmen subversiver kapitalistischer Vermarktungsstrategien, denn "jedes neue Medium verkauft sich schließlich zunächst mit dem Argument, sozial gefahrlose sexuelle Bilder aus den legalen, halblegalen und illegalen Netzen zu ziehen." Schon längst hat auch bei ihr das Viagra-Spamming im Postfach das latent vorhandene Bedürfnis nach Werbe-Einnahmen und mehr Meer geweckt, die unendliche Regressions-schleife findet ihren Ausweg wieder einmal statt in der Liebe im Warten auf den Maybach mit Viagra-Sex, Untergang und kleinem Tod.





SIE wird an dieser Stelle allerdings den Eindruck nicht los, dass neue Allianzen entstanden, zumindest aber die Sexualität zum Spielball einer reaktionären Retro-Kultur wurde zu einem Zeitpunkt, da die sexuelle Freiheit gerade bis in das letzte bürgerliche Schlafzimmer vorgedrungen zu sein schien. Doch der Wind pfiff schon seit längerem aus der Gegenrichtung. Bereits Anfang der Neunziger diagnostizierte Susan Faludi einen Backlash, der heute seinen künstlerischen Ausdruck findet zum Beispiel in Video-Clips wie "Father and Son" von Ronan Keating und Yusuf Islam, der unter großer medialer Begleitung zum Islam konvertierte Cat Stevens. War dieses Lied einst Teil einer männlichen Aufbruchskultur hin zu mehr Empfindsamkeit und Achtung der eigenen Gefühle im Vater-Sohn-Dialog, so muß heute das mit plakativ ausgestatteten Vater-Sohn-Bildern bestückte Video in diesem Kontext als Zustimmung zu einer rassistischen, weil auf Ungleichheit der Geschlechter beruhenden Ideologie gesehen werden. Die "sexuelle Konterrevolution" sucht ihre Bündnispartner. Und findet sie in ihren einstigen Feinden.





Westliche Kapitalismuskritik im Verbund mit der islamischen Ideologie der Ungleichheit, beide vereint in der Kritik an den Tendenzen der Pornographisierung immer weiterer Lebensbereiche, die Faschisierung der Körperbilder mit Reduzierung der entsprechenden Objekte zu reinen Werbeträgern, das Objekt degradiert zur sexuellen Ich-AG, die sich nach dem Prinzip von Investition und Verkauf orientiert.





Den Medien, Blogs inbegriffen, wird die Rolle der Verführer zugewiesen, die fit machen sollen für den Wettstreit um Gewinner und Verlierer im neoliberalen Ratten-Rennen. Wer verliert, darf sich wenigstens durch Bilder inspiriert den Kick zum Wichsen als Couch Potato holen oder sich den Verlierer-Status der Büro-Sklavin auf der Damentoilette für einen Moment lang schön masturbieren.





Was aber sieht der Gegenentwurf zu diesem fantasierten Szenario aus? Die Burka für den Bildschirm, getrennte Betten und irgendwann auch wieder getrennte Parkbänke? Oder aber ein neuer Diskurs über das Aufbrechen von patriarchaler und kapitalistischer Lust-gewinnung, über die Aufhebung des Widerspruchs zwischen den Bildern, medialen Geboten und persönlichen Gestaltungs-möglichkeiten? Vermitelt das Bild ein "Gefällt es dir und kann ich dich damit befriedigen?" Oder spiegelt es die Lust an der Lust, die Lust an der Lust des Voyeurs, ist es der Blick auf die Lust eines erotischen Subjekts ?





Welche Sprache sprechen die Körper? Wer ist aktiv oder passiv auf diesem Bild, wer dient wem? Ist das Bild das Fragment eines angestrengten Gesichtes und einer Körperöffnung, oder das Bild eines Ganzen, das stark, schön, lustvoll ergeben oder dominant dem Betrachter einen Augen-Blick gewährt, sich dem fremden und eigenen Lustgewinn tastend nähert und nicht beherrscht wird vom Gedanken der Frage nach vermarktungsfähiger Lust für den Anderen? Wie sieht die Rangordnung von Betrachter und Betrachtetem aus? Wird die Machtfrage gestellt, spiegelt sich in beiden das ausbeuterische Verhältnis von Ranghöherem und Untergebenem einer ausser Kontrolle geratenen Marktwirtschaft wieder? Oder sind diese Machtverhältnisse in der Betrachtung des Bildes außer Kraft gesetzt? Selbst sexuelle Spielarten wie der Sadomasochismus unterliegen dann der gegenseitigen Kontrolle von Genuß und Schmerz, und sind nicht mehr das Abbild sklavischer Abhängigkeitsverhältnisse, in denen nur noch einer von beiden die Kontrolle über das Spiel behält.







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Dienstag, 24. Juni 2008

Das 11. Gebot:

Thou shalt not blog!

Dieses dringende Gebot für alle nicht-eingeweihten Wort-WählerInnen wurde mit "Generation Blogger" natürlich unmissverständlich gebrochen. Erst vor einigen Wochen gab man(n) aus Köln-Ehrenfeld mir wieder einmal den heissen Tipp, mich fernzuhalten, ich ansonsten 'den Zoo' nämlich nicht verlassen könnte. Man tat so, als ob man nicht in Kontakt sei mit dem Profi-Lover und auf einer ganz anderen Bühne spiele. Der Profi hatte allerdings vorher mir gegenüber ganz kurz erwähnt, dass eine Aufgabe in der Truppe für den um mein Seelenleben ach so besorgten Meister in nächster Zeit möglich sei. Braucht jemand übrigens noch einen Tipp für ein gut behütetes Seminarhaus mit exklusivem Esoterik-Angebot? Oder möchte sich mit frisch angeheuerten Ladies über das Wetter und andere Dinge zum Wohlfühlen unterhalten?

Mein Kommentar vom 10.6. zu einem sehr inspirierenden Text, aus dem das genannte 11. Gebot stammt:

Das ist allerschönstes Theater. Dankeschön! :-))))
Besonders dieses 'Junger Mann im (mit)lesenden Publikum, nehmen Sie die Ohrstöpsel raus, wenn Sie von älteren angesprochen werden.'

Und hier ist der Zoo-Text noch einmal:



Freitag, 21. Januar 2005
Der Freitagskommentar


Es ist Freitag abend, und Sie haben keine Lust, zwei Stunden mit der Bahn zum nächsten Date zu fahren? Kein Problem. Gehen Sie einfach auf die Deutschlandkarte von BlogPlan, klicken Ihre Stadt an, die Blogger dort sind nach Haltestellen gelistet, lesen sich die vielversprechendsten Blogs kurz durch und hoffen, dass im Blog Ihrer Wahl die Kommentarfunktion geöffnet ist. Schon dürfte der Weg zum nächsten Date nicht mehr allzu schwierig sein. Sollten Sie es für notwendig halten, erstellen Sie vorher noch kurz ein Datenprofil zwecks besserer Vorbereitung, mit ein wenig Glück finden Sie im Blog ein Foto, einen Hinweis auf die bevorzugte Rotweinmarke, das Alter sowie weitere soziodemographischen Daten, die Namen der Ex-Freunde, politische Einstellungen und mit etwas Glück sogar sexuelle Vorlieben. Das alles sortiert nach Postleitzahl und Haltestelle. Es dürfte das am besten vorbereitete Date Ihres Lebens werden! Und damit Sie das Geld für den Rosenstrauß wieder reinholen, machen Sie Ihrem neuen Kunden am Montag in der Agentur den Vorschlag, ein individuelles direct mailing mit den von Ihnen gesammelten Selektionsmerksmalen der Blogs aus dem Blogrolling Ihres Dates zu verschicken. Ich wette, Ihr Kunde freut sich dieses Mal sehr über die Rücklaufquote. Sie wollen gar kein Date? Sind einfach nur neugierig oder arbeiten im beobachtenden Gewerbe? Noch besser. Gehen Sie Golf spielen. Sie haben ab jetzt Zeit. Der Zoo verwaltet sich in Zukunft selber. Oder suchen Sie die Kollegen aus der Branche im Internet. Dazu geben Sie bei Google einfach das Stichwort "BlogPlan" ein und klicken die Links an, bei denen jemand vorschlägt, BlogPlan auch in seiner Stadt ins Leben zu rufen. Vielleicht finden Sie dort auch einen Hinweis aus unserem Buch, in dem ich im November 2003 unseren Leserinnen mit größtem Enthusiasmus von den Möglichkeiten dieser Vernetzung vorschwärmte.

Sie sammeln Blogs und selektieren nach Vorlieben und Abneigungen? Ich persönlich mag zum Beispiel, wenn auf der Verpackung eines Blogs mit der Kombination von Sex und Anarchie geworben wird. Eher weniger mag ich, wenn der Blogger dann aber auch noch mit Dominanz und Unterwerfung wirbt, das Ganze garniert mit ein bisschen Liebe. Andere Blogger sehen das gelassener und die Zahl der AnhängerInnen dieser virtuellen Spielart scheint größer zu werden, wie ich im letzten Freitagskommentar schrieb.

Bei mittlerweile mehr als 2,5 Millionen Bloggern weltweit dürfte es für Sie kein Problem sein, etwas zu finden, was ganz Ihrem Geschmack entspricht. Vielleicht gefällt Ihnen Collar Purple. "TheBoss and Invidia" haben eine feste Rollenverteilung in ihrer Ehe gefunden und demonstrieren per Blog, dass die Verbindung von Hiebe und Liebe bisweilen recht ausgefallene Formen des Zusammenlebens annehmen kann. Passend zu ihrer Aufgabenteilung ist die Sorge von Invidia um das in den Medien ihrer Ansicht nach verbreitete Männerbild:

"Specifically I speak of the incompetent and stupid stereotype that is being propagated in commercials, sitcoms, and kids' cartoons. You know the stereotype of which I speak - the man who is a complete bumbling dunderhead and constantly needs his wife to help him out of bad situations, or at least to explain things to him."

Damit dieses Männerbild nicht weiter Schule macht, zeigt der Boss von Invidia auf den Fotos im Blog, dass er keine Hilfe benötigt, um ihren Hintern mit deutlich sichtbaren Streifen zu verzieren. Ob die beiden mit ihrer Seite auch Geld verdienen? Ich könnte mir für sie gut die entsprechenden Werbepartner aus dem Bereich Recruitment vorstellen. Die Potenzialanalyse zur Ermittlung berufsrelevanter Eigenschaften dürfte eine gewisse Schnittmenge zu Berufen ergeben, die auf Zucht und
(Unter-)Ordnung großen Wert legen. Hundestaffel-Führer zum Beispiel. Oder Franchisenehmer eines Boot Camps für nicht willige Teenager.

Die deutsche Blogger-Szene ist gerade dabei, das bunte Spielfeld des Sadomasochismus ebenfalls zu besetzen. Ich hätte daher an dieser Stelle gerne auf die nette kleine Geschichte eines Bloggers verlinkt, der seiner geneigten Leserschaft über das Treffen mit der "charmanten E-mail-Adresse" berichtete. Leider wurde dieser Beitrag jedoch wieder gelöscht, was ich nun gar nicht verstehen kann, hatte er sich doch wirklich zusammengerissen, "kein Scheißkerl zu sein. Nur ein bisschen Scheißkerl, gerade so, dass es nicht weh tut". Ganz gelungen scheint ihm das leider nicht zu sein, denn er lächelte, "während sie weiter meinen Schwanz in ihrem Rachen verschwinden und wieder auftauchen ließ. Sanft drückte ich ihren Kopf gegen mich, bis sie würgte. Gutes Mädchen. Kannst du auch kochen?"

Da diese kleine Episode mittlerweile aus dem Google-Cache verschwunden ist, nehme ich an, dass der Schreiber keinen gesteigerten Wert auf Verlinkung legt. Diese Geschichte ist insofern auch bedeutsam, als sie uns auf die Chancen und Risiken eines Online-Dates in Blogland aufmerksam macht. Vielleicht sollten Sie mit Ihrem Blog-Date eine schriftliche Vereinbarung treffen. Etwas im Stil von "Solltest du mich in deinem Blog-Kommentar als charmante E-Mail-Adresse bezeichnen, schreibe ich in meinem Blog über den Inhalt deines Bücherschranks. Denn das ist es, was mich wirklich an dir interessiert." Vielleicht sollten Sie sich aber auch vorher über den Beruf Ihres Blog-Dates informieren. Bleiben Sie hartnäckig. Sie finden seine Blog-Geschichten verdammt professionell geschrieben? Im ICQ hat er Ihnen erzählt, seit kurzem sei er selbstständig in der Security-Branche? Nun: Entweder ist der Mann wirklich vielfältig begabt. Das soll es ja tatsächlich geben. Oder Ihr Blogger aus der Security-Branche braucht noch etwas Inspiration für seinen nächsten Artikel, den Sie später mit etwas Glück in einem der bekannten Online-Magazine lesen können. Sie finden das ganz prima? Dann mailen Sie mich einfach an. Ich schicke Ihnen gerne die URL des entsprechenden Blogs.
Es macht Ihnen dann sicher auch nichts aus, wenn Ihr Blogger zwecks Tilgung seiner Schulden nebenbei ein Erotik-Portal betreibt und Sie heimlich mit der Digitalkamera fotografiert. Das ist schließlich immer noch besser, als wenn Ihr Sohn samstagnachmittags diese Postkarte aus dem Briefkasten holt und sie auf die Kaffeetafel legt: "Mami, du hattest doch gesagt, wir kaufen keine Lutscher, weil da soviel Zucker drin ist".

Nicht immer bleibt Ihr zweites Leben unentdeckt und es ist sicher angebracht, einige Regeln zu beherzigen. Lassen Sie sich Zeit, und lesen Sie aufmerksam die Texte im Blog Ihres Vertrauens. Wieviel gibt er von sich preis und warum tut er das? Manchmal ist der dezente Hinweis auf die wahre Identität ja wirklich gut plaziert und der Arbeitskollege erfährt endlich, es ist die Kollegin vom Schreibtisch gegenüber, in deren Blog er zwischen Weihnachten und Neujahr dieses leckere Bratenrezept fand. Die Maus wird in Zukunft ihre Kommentar-Funktion offen lassen. Und ihr Kollege ein eigenes Blog eröffnen.

Leider ist jedoch auch Blogland nicht frei von Menschen mit psychischen Problemen. Menschen mit gespaltener Persönlichkeit zum Beispiel. Da bloggt zum Beispiel jemand über Monate hinweg den ganz normalen Single-Alltag in alle Welt hinaus, die Geschichten werden immer sentimentaler, die entsprechenden Kommentare auch. Acht Jahre lang Single? Es kommt Ihnen alles so bekannt vor, irgendwie scheint er in Ihrem Leben wie ein offenes Buch zu lesen, wehmütige Erinnerungen an gemeinsames Kuscheln vor dem Einschlafen, unzählige Nächte in Kneipen mit schalem Bier und faden Gesprächen, Silvester mit Sekt und Kater ohne Katze. Wie bekannt kommt Ihnen das alles vor. Sollen Sie es also tun? Sollen Sie wirklich versuchen, mit ihm per Blog in Kontakt zu kommen? Sie zögern. Was nun? Sich im Blog einfach anmelden und Ihren ganz persönlichen Kommentar hinterlassen? Warum eigentlich nicht. Und während Sie noch überlegen, schreibt er über seinen Geburtstag. Und lichtet sowohl das Diner als auch die Frau mit dem Ehering ab. Doch. Das wollten Sie jetzt unbedingt sehen. Leider ist auch das hier Blogland. Sie werden es erfahren. Und dann an vier Möglichkeiten denken: Erstens. Der Arme ist schizophren. Zweitens. Der Typ ist pervers. Drittens. Das Blog braucht Traffic und er daher möglichst viele BesucherInnen auf seiner Seite. Viertens. Der Mann ist Gründer und Guru einer virtuellen Sekte für suchende sadomasochistische Seelen.

Alle vier Punkte sollten für Sie jedoch nur den einen Schluß zulassen: Streichen Sie das Blog sofort aus Ihrer Leselektüre, dem Blogrolling oder Ihren Bookmarks. Und besuchen stattdessen eines der zahlreichen anderen Blogs, in denen ein netter Mensch eine Menge Interessantes zu erzählen weiß. Lesen Sie seine Geschichten. Genießen sie es. Und überlegen sich vielleicht irgendwann einmal, einen netten Kommentar in seinem Blog zu hinterlassen.


Aus:
Chiffre: Morgaine in BlogLand

Sonntag, 30. März 2008

Submission

Zitat: "Wilders macht auch nicht den Fehler, den Theo van Gogh gemacht hatte, indem er Sexualität mit dem Koran in Verbindung bringt". Das ist wahr. Denn die Burka ist lediglich gedacht als ein bunter Schutz gegen Sonnenbrand!
Es ist doch immer wieder interessant, die Interessen und Allianzen zu beobachten. Die Kombination von patriarchal geprägter Sexualität und Steinigung hat offenbar eine potenzsteigernde Wirkung auf wenig selbstbewusste Seelen. Und ist außerdem gut gegen allzu viel Pflicht zum politischen Denken.



Update:

Hinter dem Link "Allianzen" steht ein Text aus dem von mir nicht mehr aktualisierten Blog "Morgaine And The Machine" bei twoday.net. Wie ich gerade feststelle, ist dieser Text nach der Verlinkung teilweise nicht erreichbar. Daher hier der Abdruck:



Freitag, 25. Februar 2005
Der Freitagskommentar


Diese Woche stand ganz im Zeichen des Kräftemessens und Größenvergleichs, das Niveau lag stellenweise kaum über dem der zutiefst subtilen Bemerkungen an den feindlichen Gegner meiner Kindertage. "Ätsch. Meine ist aber doch besser als Deiner!"

Dieses hier ist ein Blog. Und wie wir in den vergangenen Tagen wieder einmal lesen lernen durften, sind alle Blogger Kapitalisten. Zumindest irgendwie rechts von den gedruckten Buchstaben des Wahren, Guten und Schönen. Wer nicht zur Kategorie der bloggenden Kapitalisten gehört, ist zumindest ein/e Esoterikerin, liebt Blumen, mag hin und wieder kuscheligen Blümchen-Sex und nennt als Frau ihre Vagina lieber Yoni. Diesem Vorurteil muß frau nun allerdings in der Tat zustimmen. SIE nimmt dafür auch gerne Provokateure in Kauf, die bei "Peace, Love and Harmony" nur noch an spirituelles Instant Food mit Waldorf-Soße und versteinerten Pilzen denken. Denn SIE glaubt: Lieber eine Blume an der Vagina als den Gewehrlauf in der Vagina.

SIE hat sich in dieser Woche mit wachsender Begeisterung durch kapitalistische und antikapitalistische Seiten geklickt, hat geduldig vernommen, dass Blogs wie Elektra Log oder ihr eigener Freitagskommentar selbstverständlich zu betrachten sind im Rahmen subversiver kapitalistischer Vermarktungsstrategien, denn "jedes neue Medium verkauft sich schließlich zunächst mit dem Argument, sozial gefahrlose sexuelle Bilder aus den legalen, halblegalen und illegalen Netzen zu ziehen." Schon längst hat auch bei ihr das Viagra-Spamming im Postfach das latent vorhandene Bedürfnis nach Werbe-Einnahmen und mehr Meer geweckt, die unendliche Regressionsschleife findet ihren Ausweg wieder einmal statt in der Liebe im Warten auf den Maybach mit Viagra-Sex, Untergang und kleinem Tod.

SIE wird an dieser Stelle allerdings den Eindruck nicht los, dass neue Allianzen entstanden, zumindest aber die Sexualität zum Spielball einer reaktionären Retro-Kultur wurde zu einem Zeitpunkt, da die sexuelle Freiheit gerade bis in das letzte bürgerliche Schlafzimmer vorgedrungen zu sein schien. Doch der Wind pfiff schon seit längerem aus der Gegenrichtung. Bereits Anfang der Neunziger diagnostizierte Susan Faludi einen Backlash, der heute seinen künstlerischen Ausdruck findet zum Beispiel in Video-Clips wie "Father and Son" von Ronan Keating und Yusuf Islam, der unter großer medialer Begleitung zum Islam konvertierte Cat Stevens. War dieses Lied einst Teil einer männlichen Aufbruchskultur hin zu mehr Empfindsamkeit und Achtung der eigenen Gefühle im Vater-Sohn-Dialog, so muß heute das mit plakativ ausgestatteten Vater-Sohn-Bildern bestückte Video in diesem Kontext als Zustimmung zu einer rassistischen, weil auf Ungleichheit der Geschlechter beruhenden Ideologie gesehen werden. Die "sexuelle Konterrevolution" sucht ihre Bündnispartner. Und findet sie in ihren einstigen Feinden.

Westliche Kapitalismuskritik im Verbund mit der islamischen Ideologie der Ungleichheit, beide vereint in der Kritik an den Tendenzen der Pornographisierung immer weiterer Lebensbereiche, die Faschisierung der Körperbilder mit Reduzierung der entsprechenden Objekte zu reinen Werbeträgern, das Objekt degradiert zur sexuellen Ich-AG, die sich nach dem Prinzip von Investition und Verkauf orientiert.

Den Medien, Blogs inbegriffen, wird die Rolle der Verführer zugewiesen, die fit machen sollen für den Wettstreit um Gewinner und Verlierer im neoliberalen Ratten-Rennen. Wer verliert, darf sich wenigstens durch Bilder inspiriert den Kick zum Wichsen als Couch Potato holen oder sich den Verlierer-Status der Büro-Sklavin auf der Damentoilette für einen Moment lang schön masturbieren.

Was aber sieht der Gegenentwurf zu diesem fantasierten Szenario aus? Die Burka für den Bildschirm, getrennte Betten und irgendwann auch wieder getrennte Parkbänke? Oder aber ein neuer Diskurs über das Aufbrechen von patriarchaler und kapitalistischer Lustgewinnung, über die Aufhebung des Widerspruchs zwischen den Bildern, medialen Geboten und persönlichen Gestaltungsmöglichkeiten. Vermitelt das Bild ein "Gefällt es dir und kann ich dich damit befriedigen?" Oder spiegelt es die Lust an der Lust, die Lust an der Lust des Voyeurs, ist es der Blick auf die Lust eines erotischen Subjekts ?

Welche Sprache sprechen die Körper? Wer ist aktiv oder passiv auf diesem Bild, wer dient wem? Ist das Bild das Fragment eines angestrengten Gesichtes und einer Körperöffnung, oder das Bild eines Ganzen, das stark, schön, lustvoll ergeben oder dominant dem Betrachter einen Augen-Blick gewährt, sich dem fremden und eigenen Lustgewinn tastend nähert und nicht beherrscht wird vom Gedanken der Frage nach vermarktungsfähiger Lust für den Anderen. Wie sieht die Rangordnung von Betrachter und Betrachtetem aus? Wird die Machtfrage gestellt, spiegelt sich in beiden das ausbeuterische Verhältnis von Ranghöherem und Untergebenem einer ausser Kontrolle geratenen Marktwirtschaft wieder? Oder sind diese Machtverhältnisse in der Betrachtung des Bildes außer Kraft gesetzt? Selbst sexuelle Spielarten wie der Sadomasochismus unterliegen dann der gegenseitigen Kontrolle von Genuß und Schmerz, und sind nicht mehr das Abbild sklavischer Abhängigkeitsverhältnisse, in denen nur noch einer von beiden die Kontrolle über das Spiel behält.

Freitag, 11. Januar 2008

Dort

Nachdem "Generation Blogger" erschien und wir in den Strudel der schönen neuen Blogwelt gerieten, wurden die Einträge immer kürzer, gerieten meine Kommentare in anderen Blogs viel zu oft zum Hahnen- und Hähnchenkampf auf offener Bühne. Ich sprang über jedes Stöckchen. Hoch. Noch höher. Am höchsten. Doch schließlich blieb nichts mehr von meiner jahrelangen Lust an der Wahl der Worte. Es gab keinen Freitagskommentar mehr. Nichts schien mich mehr bewegen zu können, meine eigenen Worte zu wählen. Oder doch: Hin und wieder schaffte es noch der eine oder andere Provokateur. Schaffte es die Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft. Nein, das ist natürlich Blödsinn! Schaffte es die Wut in meinem Bauch, wieder neue, wohl klingende Waffen zu finden. Doch irgendwann wollte ich auch das nicht mehr. Und schwieg. Zitierte lieber andere. Fotografierte manchmal willige Objekte, wohl wissend, dass nach den Phasen der Traurigkeit, der Depression, die Manie nur kurze kreative Phasen verschafft.
Und nun? Ich vermute, dass ich wohl nie in den heiteren Himmel der Gelassenheit aufgenommen werde, so sehr ich mir diesen Zustand auch wünsche. Manchmal. Immer öfter. Doch damit kann ich gut leben. Meistens. Damit leben, dass es dort, wo ich stehe, nicht jeden Tag so schön bunt und hell ist. Dass auf meiner Stirn nicht das Wort "Kochen", "Kunst" oder "Kultur" geschrieben steht. Und dass meine Muse mich nicht immer dann küsst, wenn ich sie so dringend brauche.

Samstag, 4. Juli 2009

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Aus "Dachsenhausen", also aus der Stadt, die meinen Spitznamen trägt, kommt per Feed unter den Stichwörtern "Dienstmädchen demütig Unterordnung" der Hinweis auf die Juni-2008-Beiträge im Archiv. Gut, bei so viel Wunsch nach Sadomasochismus verlinke ich dann auch noch mal auf diesen Freitagskommentar. Fast wie ein Lehrstück aus dem wahren Leben.
































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Montag, 21. Januar 2008

Unsouverän

Da geilt sich mancher Blogger und Journalist ein bisschen an der Verarbeitung erspitzelter Informationen auf und geniesst die Teilhabe an der Team-Arbeit durch's Schlüsselloch. Wünscht man nun aber viel Spaß beim Wählen der Worte zum Wichsen, dann spielt das eine oder andere Exemplar gleich beleidigtes Würstchen, was deutlich den Therapiebedarf dieser Tarnkappen zeigt und eventuell den Einsatz von mehr körperorientiertem Tanz-Training erfordert
(Danke! Die Jungs waren sehr souverän! *g*). Der Trojaner jedenfalls kam nicht weiter als bis zum Müllkorb, ganz im Gegensatz zu manchem Buch von Claudia Varrin. Nur entscheide alleine ich, welches. Siehe dazu auch meinen Freitagskommentar!