Samstag, 24. Dezember 2016


























Die wilde Jagd - The Wild Hunt - Die zwölf Raunächte






Die Venus-Sage vom Hörselberg hat noch eine weitere Bedeutung der tiefen Höhlen in den Kultbergen gezeigt. Sie waren nicht nur Orte von Tod, Unterwelt und Wiedergeburt, sondern auch Orte der Liebe. Der Weg in die Höhle war nicht nur Todesweg, sondern konnte auch Liebesweg sein. Diese Liebe galt der Erdmutter in Gestalt der Frau Holda, die durch die Holda-Priesterinnen in der Höhle verkörpert wurden.
Gleichzeitig war der Hörselberg jedoch auch ein Seelenberg, worauf andere Sagenbruchstücke hinweisen. So galt er bereits Anfang des 16. Jahrhunderts als "Geisterberg", in dem man die Seelen lärmen hörte. Wie vom Weißner in Hessen gibt es auch vom Hörselberg Mythenfragmente von der Wilden Jagd: Sie komme als Seelenzug aus dem Berg hervor, angeführt von der Frau Holda, brause während der zwölf Raunächte durch die Lüfte und verschwinde am Dreikönigstag mit einem harten Klang wieder im Berg.
Gemeint ist damit der Zug der Totengeister und Ahnenseelen, die im Wintersturm daherfahren und am 6. Januar (sogenannter "Dreikönigstag"), wenn sich die Tore zur Unterwelt schließen, wieder heimkehren. Doch umfasst dieser Geisterzug nicht nur die menschlichen Seelen, die Ahnen und ungeborenen Kinder, sondern auch die Seelen aller Pflanzen und Tiere, die im Herbst sterben und im Frühling wiedergeboren werden. Daher sieht man die Fußspuren von Tieren vor dem Hörselberg, nachdem der Zug wieder heimgekehrt ist. Der Seelenzug brachte nicht nur Schrecken für die Menschen, sondern ebenfalls Segen - ein sehr altes Motiv, das gültig war, bevor der germanische Wodan die Wilde Jagd übernahm und als "Wildes Heer" zu etwas Furchterregendem machte. Dieses Motiv wird viel zu selten beachtet. So heißt es, dass Felder, Obstgärten und Wiesen, über die die Wilde Jagd dahinfuhr, im kommenden Jahr besonders prächtig gediehen. Das Segnen des Landes, wann immer sie umhergeht oder umherfährt, ist typisch für die Göttin Holle/Holda.








Heide Göttner-Abendroth, Matriarchale Landschaftsmythologie. Von der Ostsee bis Süddeutschland, Kohlhammer 10/2014

















































Der Schleier ist nun besonders dünn, und wer sich in die Stille begibt, wird vielleicht in diesen Momenten den eigenen inneren Weg finden, wird vielleicht auch wandern zwischen den Welten. Manche lassen sich in dieser Zeit von Räucherungen inspirieren. Es ist die Zeit der Rauhnächte, die bis zum 6. Januar dauern. Das Wilde Heer tobt durch die Luft und Frau Holle geht um. Diese Göttin hat viele Namen: Holda, im Alpenraum Percht, Berchta, Berta, im nordeuropäischen Sprachraum Hulda. Perchten, die "Leuchtenden" gehören zum Heidentum. Der Perchtenlauf ist ein bis heute ausgeübter Brauch aus vorchristlicher Zeit in Südbayern und in den angrenzenden Gebieten Kärnten, Steiermark, Salzburg, Tirol, Ober- und Niederösterreich. Ruprecht ist übrigens auch nur eine Percht. Warum die Perchten mit Peitschen aus Tierschwänzen manchmal auf Hüften und Schenkel der Umstehenden schlagen?
Es sind schrecklich wild aussehende Gestalten, doch das Wort Percht leitet sich von mittelhochdeutsch perahtun, die "Lichtbringerin"" ab. Die so grausig erscheinende Gestalt ist eine lichtbringende Göttin. Sie bringt Licht ins Dunkel.





Im Mondseer Glossar um 1000 n.Chr. heißt der Dreikönigstag "zi der Perahtun naht" oder "giperatha naht", die "Nacht der Leuchtenden" (Fußnote). Die Percht als Personifikation der Perahtun bzw. "Perchtennacht".
"Die Nacht auf Dreikönige (heute 6. Januar) wird schon um das Jahr 1000 als perabtun naht, die leuchtende Nacht beschrieben. Das Wort geht zurück auf das althochdeutsche perahta, leuchtend. Daraus entwickelte sich die Perchtennacht, das heisst die Nacht der Frau Percht". (Fußnote)








Teilweise zitiert aus:
Wolfgang Bauer, Sergius Golowin, Christian Rätsch, Clemens Zerling,
Das Lexikon des Dunklen. Mythen - Kunst - Musik.
Von der Antike über die Romantik bis zur Gothic-Kultur




























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Moon Melody