Donnerstag, 12. April 2012

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Suzhou - Die Stadt der Gärten:
"Souzhou ist heute vor allem, neben der Industrie, auch für die Gartenbaukunst bekannt. Die Stadt ist sehr geprägt von den verschiedenen Dynastien und jede hat hier ihre Spuren hinterlassen, welche man an Straßen und auch Häusern sehen kann. Viele der bekanntesten Gärten kann man hier besuchen. Oftmals liegt die Schönheit im Detail der Gärten und Parks."
Suzhou war im 14. Jahrhundert die "Seidenhauptstadt" des damaligen Kaiserreichs. "Wie wurde die chinesische Seidenraupenzucht nach Westen verbreitet?"



















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Google hat ein permanentes Problem mit dem Blog Thealogie.

















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"Troops then moved in to the nations's palaces, painted murals of missiles raining down on the walls - and subsequently held Christian Baptism ceremonies in the swimming pools, having brought in an "Alpha" Christian indoctrination course, enthusiastically run and embraced by the self- appointed "Vicar of Baghdad," Canon Andrew White (iii,iv) who also came in with the tanks.
White's party piece for visiting journalists is to present them with a copy of one of his books and comment that he is signing it with the pen he lent Prime Minister Maliki to put his signature to Saddam Hussein's death warrant. History does not relate how a man of the cloth became involved in this ghastly act.
Dismiss any doubts about it not really being a "Crusade" and being another George W. Bush "miss-speak."
By 1st May, to declare, mission accomplished," George W. Bush landed on the USS Abraham Lincoln in a little flying suit, his manhood apparently encased in lead. Seldom "in the field of human conflict," has a Commander in Chief looked such a prat. (Apologies to Winston Churchill.)
The episode, did, however, perhaps encapsulate the gargantuan, tragic, fantasy-land concept of the whole illegal, ill-conceived Iraq invasion, the venture of a very "New World," into the "Cradle of Civilization" and, as Petra, it's archeologically ancient cities: "half as old as time."





















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Mittwoch, 11. April 2012


















All die Jahre über, Bruder, habe ich nicht von dir träumen können. Jetzt sind, mit den Erinnerungen, auch meine Träume erwacht. Nacht für Nacht schäumt die See noch einmal hoch auf, Nacht für Nacht verschlingt sie noch einmal deine Gebeine. Nacht für Nacht vergieße ich endlich die Tränen, die ich dir damals schuldig blieb. Und Nacht für Nacht ertasten meine Fingerspitzen die feinen Knöchelchen, die ich in jener Höhle unter dem Palast fand, den schmalen Schädel, das kindliche Schulterblatt, die zerbrechliche Wirbelsäule. Iphinoe. Sie ist mehr deine Schwester, als ich es je sein konnte. Wenn ich in Tränen erwache, weiß ich nicht, habe ich um dich geweint, Bruder, oder um sie.








Ich weiß, die Argonauten versuchten Jason zu bereden, mich dem Vater auszuliefern. Ich hatte ihnen durch meine unüberlegte Flucht die kolchische Flotte auf den Hals gehetzt. Es war dicht davor, daß sie mich über Bord warfen, damit die Verfolger, meine Kolcher, mich auffischten. Jason hielt sich wacker. Ich stünde unter seinem Schutz. Es war mir neu, unter dem Schutz eines Mannes zu stehen. Er war verwirrt und unsicher. Seine Leute fingen an, von Entsühnung zu reden. Es wäre hilfreich, wenn wir etwas täten, um die Götter über Absyrtos zu beruhigen, und wenn wir meine Flucht aus Kolchis und Jasons Mithilfe dabei in diese Entsühnung mit einbezögen. Ich wehrte mich gegen dieses Ansinnen, das ein Eingeständnis von Schuld in sich barg, aber ich sah, wie dringend Jason dieser Entsühnung bedurfte. Wir waren gerade in der Nähe der Insel, auf der Kirke, meiner Mutter Schwester, seit vielen Jahren lebte. Lyssa erinnerte mich daran, plötzlich erinnerte auch ich mich an einen wilden roten Haarbusch, warum eigentlich nicht, dachte ich, warum nicht diese Verwandte einmal wiedersehen, deren Ruf als Zauberin weit über die Insel hinausgedrungen war.
Auch die Argonauten hatten von ihr gehört und weigerten sich, mit Jason und mir zu gehen, es hieß, Kirke verzaubere Männer in Schweine. Sie steuerten eine verborgene Bucht an und setzten uns aus.









Wir trafen die Frau am Ufer, sie wusch ihr flammend rotes Haar und ihr weißes Gewand im Meer, wir sahen in ihr zerklüftetes, furchterregendes Gesicht, sie schien zu wissen, wer da kam, sie hatte uns erwartet, sie sagte, während wir zu der Ansammlung von Holzhäusern im Innern der Insel gingen, in der sie mit einer Schar von Frauen wohnte, sie habe diese Nacht von Strömen von Blut geträumt, die auch über sie gekommen seien, und sie habe sich im Meer von diesem Blut reinigen müssen.
Wir schwiegen, wie es diejenigen tun sollen, die zur Entsühnung kommen, wir hockten uns an ihren Herd und bestrichen unsere Gesichter mit Asche, dir zum Gedenken, Bruder. Kirke legte sich das weiße Priesterinnenband um die Stirn und nahm den Stab in die Hand, dann wollte sie wissen, welche Bluttat wir zu sühnen hätten, ich sagte, den Tod des Bruders. Absyrtos, sagte Kirke mit tonloser Stimme. Ich nickte. Unglückliche, sagte sie. Mich befiel eine unlöschbare Trauer, die jetzt wieder erwacht, wie auch mein Gedächtnis aufgerissen wird und all diese Erinnerungsbrocken auf einmal freiliegen, so wie jedes Jahr neue Steine auf dem Acker nach oben getrieben werden.










Kirke bespritzte uns mit dem Blut eines frisch geschlachteten Ferkels und murmelte dazu den Spruch, Blut soll von Blutschuld reinigen. Sie ließ uns aus verschiedenen Bechern trinken. Darauf schlief Jason ein, ich wurde hellwach. Wir hatten zwei Stunden. Die Zeit kam mir endlos vor, Kirke sagte mir so vieles, nachdem ich ihr erzählt hatte, warum ich Kolchis verlassen mußte, sie gab mir das Gefühl, daß sie meine Vorläuferin, ich ihre Nachfolgerin war, denn auch sie war vertrieben worden, als sie mit ihren Frauen ernsthaft gegen den König und seinen Hofstaat auftrat, sie hetzten die Leute gegen Kirke auf, lasteten ihr Verbrechen an, die sie selbst begangen hatten, und brachten es fertig, ihr den Ruf einer bösen Zauberin anzuhängen, ihr alles Vertrauen zu entziehen, so daß sie nichts, gar nichts mehr tun konnte. Ihre letzte Heilung, das hatte auch ich nicht gewußt, Bruder, vollbrachte sie an der Mutter und dir, du wärst unter der Geburt beinahe erstickt, weil die Mutter nicht mehr die Kraft hatte, dich aus sich herauszupressen. Da hat Kirke mit ihren schmalen kräftigen Händen in sie hineingegriffen, hat dich gedreht, so daß dein Kopf zuerst austreten konnte, und hat dich geholt, und dann hat sie eine Nacht lang mit allen Mitteln, die sie kannte und die sie mir weitersagte, versucht, Idyas Blut zu stillen. Der Mutter Lebenswille sei fast erloschen gewesen, da habe sie, Kirke, ihr dich auf die Brust gelegt, ein winziges Bündel, und sie angeschrien, dieses Kind werde sterben, wenn sie, die Mutter verblute. Nach kurzer Zeit hörte die Blutung auf. Dein Tod, Bruder, ging ihr nahe. Kolchis hatte sie aufgegeben.









Sie kannte mehr von der Welt als wir. Sie mußte sich von ihrer Insel nicht wegrühren, man kam zu ihr, die Schiffe vieler Herren Länder befuhren diesen Teil des Mittelmeeres, in den Hafenkneipen an allen Küsten erzählten sie sich von Kirke. Weißt du, was sie suchen, Medea? fragte sie mich. Sie suchen eine Frau, die ihnen sagt, daß sie an nichts schuld sind: daß die Götter, die sie zufällig anbeten, sie in ihre Unternehmungen hineintreiben. Daß die Spur von Blut, die sie hinter sich herziehen, zu ihrem von den Göttern bestimmten Mannsein gehört. Große schreckliche Kinder, Medea. Das nimmt zu, glaub mir. Das greift um sich. Auch dein Junge da, an den du dich gehängt hast, bald wird er sich an dich klammern. Das Übel sitzt schon in ihm. Aber Verzweiflung ertragen sie alle nicht, zum Verzweifeln haben sie uns abgerichtet, einer muß ja trauern, oder eine. Wenn sie nur noch von Schlachtenlärm und Geheul und dem Wimmern der Niedergeschlagenen erfüllt sein würde, dann bliebe sie einfach stehen, die Erde, meinst du nicht.









Wie habe ich das alles so lange vergessen können. Erst jetzt fällt mir wieder ein, ich bat Kirke darum, bei ihr bleiben zu dürfen, bei ihr und den Frauen. Einen Lidschlag lang lebte ich ein Leben an ihrer Seite, auf dieser Insel, unter diesem göttlichen Licht. Die Schiffe kamen und gingen, Männer kamen und gingen, getröstet, geheilt oder auch nicht. Kirke dachte das gleiche im gleichen Augenblick. Dann sagte sie, ich dürfe nicht bleiben. Ich sei eine von denen, die inmitten dieser Leute leben, die erfahren müßten, woran wir wirklich mit ihnen sind, und die versuchen müßten, ihnen die Angst vor sich selber zu nehmen, die sie so wild und gefährlich mache. Und sei es nur bei diesem einen da, dem Jason.
Wie habe ich das alles vergessen können. Ja, sagte Kirke auf meine Frage und lachte dazu, es sei schon vorgekommen, daß sie eine Horde Männer als Schweine von der Insel gejagt habe, das, habe sie gedacht, könnte ihnen vielleicht zu einem Funken Selbsterkenntnis verhelfen. Weißt du was, Medea, sagte Kirke zu mir, weißt du, was ich glaube? Ich werde mit der Zeit wirklich böse werden. Nach und nach werde ich böse werden und nur noch fluchend am Ufer stehen und keinen mehr auf die Insel lassen, es läuft ja die ganze Bosheit und Gemeinheit und Niedertracht, die sie über mich ausschütten, nicht einfach wie Wasser an mir ab.









Wie konnte ich das vergessen. Wie konnte ich vergessen, daß auch ich mir gewünscht habe, ich möge im rechten Moment böse werden, wirklich böse. Und jetzt, Absyrtos, wäre dieser rechte Moment.
Leider bin ich nur fassungslos. Weil alles so durchsichtig ist, so leicht durchschaubar. Weil ihnen das gar nichts ausmacht. Weil sie mir mit eiserner Stirn ins Gesicht sehen können, während sie lügen, lügen, lügen. Nicht lügen können ist eine schwere Behinderung. Mir fällt unser Kinderspiel ein, Bruder, wir wollten lügen lernen. Wer von uns der Mutter oder dem Vater eine bestimmte Lüge treuherzig auftischen konnte, daß sie sie glaubten, hatte gewonnen. Meistens wurden wir lachend weggeschickt, wir waren beide nicht besonders gut in diesem Spiel. Die hier, Absyrtos, sind Meister im Lügen, auch im Sich-selbst-Belügen. Von Anfang an habe ich mich gewundert über die Verhärtungen an ihren Körpern. Daß ich nichts spürte, wenn ich meine Hand auf ihren Nacken, ihren Arm, ihren Bauch legte, kein Fließen, Strömen. Nichts als Härte. Wie lange ich brauchte, diese Härte aufzutauen, wie unwillig sie waren, wie sie sich wehrten. Wie sie sich gegen Mitgefühl wehrten. Wie sie sich dann manchmal in Tränen auflösten, gestandene Männer. Wie sie oft nicht wiederkamen, mich nicht zu sich ließen, weil sie sich schämten. Ich mußte das erst begreifen. Jason half mir dabei.










Aus:
Christa Wolf, Medea Stimmen, dtv




















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Die StiefelträgerInnen sind wieder am Werk. Die Abteilung Propaganda und Kunst versucht sich dieses Mal in Frankfurt mit "Medea". Böse Mutter. Ganz böse. Zu viel (heilkundliche) Macht. Sagten ja schon die Griechen. Was Halbgebildete aller Länder und unsere Pascha-Paradiesler sicher sehr gerne hören. Die sollten dann jetzt auch besser nicht die heutigen Beiträge lesen.



















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Die Amme von Iphinoe ist mit ihr gegangen. Das Kind müsse doch wenigstens ein vertrautes Gesicht sehen, wenn es sterbe, soll die Frau gesagt haben. Sie soll die ganze Zeit über mit dem Mädchen geredet und ihr die alten Schlaflieder vorgesungen haben. Sie soll sie an der Hand gehalten und hinter den Priestern, die für den Vollzug des Opfers ausgewählt waren, und vor den königlichen Beamten, die diesen Vollzug zu bezeugen hatten, den durch Fackeln beleuchteten Gang entlanggeführt haben. Wohin gehen wir, soll Iphinoe einmal gefragt haben, die Amme habe beruhigend ihre Hand getätschelt, was tun die, habe Iphinoe ganz am Schluß gefragt, als jemand ihren Nacken packte und den Kopf auf den Altar hinunterbeugte, was hat mich Unseligen dazu bewogen, einen der jungen Beamten nach diesen Einzelheiten auszufragen, er war froh, sie loszuwerden, mir hat er sie aufgeladen. Die Amme habe ihre Hand nicht losgelassen, die zuckte, als das Messer tief in ihren Hals fuhr. Nicht einmal die Ältesten in Korinth haben sich an Menschenopfer erinnern können, wohl wahr, sagte der oberste Priester, und zu rechtfertigen sei es nur, weil es uns andere, schlimmere Menschenopfer erspare.







Die Amme ist natürlich geisteskrank geworden, mit wirrem Haar und irrem Blick lief sie tagelang durch die Straßen von Korinth, von Wächtern umgeben, die es nicht zuließen, daß jemand sie ansprach. Sie mied die Königin, eines Tages fand man ihren zerschmetterten Körper unterhalb der Klippen. Sie habe den Verlust ihres Brustkindes nicht verwinden können, wurde vom Palast ausgestreut, die Wahrheit also, nur daß sie, wie so viele Wahrheiten, auf falschen Voraussetzungen beruhte. Denn Korinth war ja mit der Nachricht versorgt worden, die junge Iphinoe sei entführt worden, man stehe in Verhandlungen mit dem Königshaus, in das sie einheiraten solle, es gebe keinen Grund zur Beunruhigung.








Ich lernte viel an diesem Fall. Ich lernte, daß keine Lüge zu plump ist, als daß Leute sie nicht glauben würden, wenn sie ihrem geheimen Wunsch, sie zu glauben, entgegenkommt. Ich war überzeugt, um das Verschwinden der kleinen Iphinoe, die allein durch die Straßen von Korinth gehen konnte, umgeben und getragen und bewacht von der Liebe des Volkes, von der Rührung der Menschen über soviel Zartheit und Verletztheit - um Iphinoes Verschwinden würden Unruhen ausbrechen, da doch die Täuschung, mit der man das Volk abgespeist hatte, derart plump war. Nichts dergleichen. Ja, wenn die Korinther geglaubt hätten, das Mädchen befinde sich noch in der Stadt, dann hätten sie jedes Gebäude gestürmt, in dem sie es vermutet hätten, auch den Palast.








Der Selbstmord der Amme hat uns unschätzbare Dienste geleistet: Jedermann glaubte, daß Iphinoe weg war. Für ein Phantom setzen normale Leute ihr Leben nicht ein. Lieber stellen sie sich das Kind glücklich verheiratet vor, in einem blühenden Land, bei einem jungen König, als tot und verwesend in einem finsteren Gang ihrer eigenen Stadt. Das ist menschlich. Der Mensch schont sich, wenn er es irgend einrichten kann, so haben die Götter ihn gemacht. Sonst gäbe es ihn nicht mehr auf dieser Erde. Lieder kamen auf, in denen sie Iphinoe besingen, als schöne junge Braut. Sie erleichtern den Korinthern das Herz, sie schmelzen ihren bösen Verdacht und ihre Trauer um in eine süße Sehnsucht. Man kann nicht genug staunen, die Weisheit der Götter nicht genug bewundern, die es so und nicht anders eingerichtet haben. Es kann zu einem Zwang werden, das immer und immer wieder zu beobachten, wenn man einmal durchschaut hat, wie es geht.








Aus:
Christa Wolf, Medea Stimmen, dtv




















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Der Garten der Medea

Medea ist das Urbild der abendländischen Hexe. Sie ist schön, sinnlich und verführerisch. Sie kann sich mit geheimnisvollen Salben alt und hässlich machen oder andere verzaubern. Sie hat die Sehergabe, kennt die Kräfte der Gifte und Wirkungen der Kräuter, sie ist die Barbarin aus einem fremden Land. Sie ist bewandert in der geheimen Kunst, sie kennt den Lauf der Gestirne und wird als Priesterin der Artemis tätig. Sie steht unter dem Schutz der Titanin und Erdgöttin Themis und Artemis, die von ihr als ‚Erhabene’ angerufen werden. Themis war nach ihrer Mutter Gaia die zweite Orakelgöttin von Delphi, bevor das Heiligtum von Apollon annektiert wurde. (Ovid, Metamorphosen I, 320 f). Themis, „die die Eide wahrt“, war als Tochter der Erdgöttin entweder mit Python, die ebenfalls von Gaia geboren worden war, identisch, oder eine Schwester des Drachens mit „giftigem Bauche“ (ebd. 459). Als Helferin und Schutzgöttin hat sich Medea die Göttin Hekate/Trivia erkoren, die in ihres „Herdes Grund“ wohnt (Euripides, Medea 399; Seneca, Medea 785). Es heißt bei Seneca, dass Prometheus einer ihrer Lehrer gewesen ist (Medea 820 ff.). Medea kann auf einem Wagen mit Drachengespann durch die Lüfte fahren oder auf Schlangen durch den Äther reiten. Sie kann mit Räucherwerk beschwören, das Wunder der Verjüngung erwirken und Illusionen erschaffen. Sie kennt die Heilkunst genau wie den Schadenzauber. Was sie zum Urbild macht, ist vor allem ihr Kessel, in dem sie die Gebräue für ihre Zaubereien kocht. Seneca beschreibt in seinem Drama ‚Medea’ wie die Zauberin ihren Trunk bereitet. Eine Hauptingredienz sind Schlangen und ‚jegliches Gewürm’. Der Dichter nennt auch eine Reihe von – kaum identifizierbaren Zauberpflanzen aus Medeas Hexenbotanik: „Nachdem sie Schlangen beschworen jeder Art, wirft sie in eins, was an verwunschenen Kräutern sprießt, was auf den Kuppen, die der ewige Schnee bedeckt, feucht von Prometheus’ Blut der Kaukasus erzeugt [Ferula communis] , der reiche Araber an seine Pfeile streicht [Aconitum spp.], was flinke Parther, Meder, bogenkampferprobt was edle Suebenfrauen unterm kalten Pol an Säften lesen im herkynischen Wald, was auch im nestbaufreudigen Lenz die Erde schafft und was in tiefen Winters Kälte, wenn der Wald den Schmuck schon abwarf, alles starr in Schnee und Eis, an Kräutern, todesschwanger blühend, grünt [Helleborus niger], was in gewundner Wurzel grauenvoller Saft [Mandragora] an giftiger Wirkung zeugt, all dies nimmt sie zur Hand. Haemoniens Athos steuert jenes Giftkraut bei, der riesige Pindus dies, auf des Pangǽum Höhn ließ unter blutiger Sichel dies das zarte Blatt.“ (Seneca, Medea 705 – 722) Medea ist noch ganz die Schamanin, die sich gründlich in Botanik, Heilkunst und Magie (Zaubergesänge) auskennt. Sie ist noch nicht die ‚böse Hexe’ späterer Epochen. Sie setzt ihr Wissen und Können zum Schutz und Heil ihrer Freunde und Verbündeten, aber auch zum Schaden und Untergang ihrer Feinde ein. Wer sie fürchtet, der fürchtet sie zu Recht. Sie ist je nach Bedarf und Zweck Heilerin und Schadenszauberin zugleich. Sie hat – wenn sie will – den ‚bösen Blick’ (Apollonios IV, 1670 f.). Bei Euripides wird sie als ‚Löwin’ angesprochen (Medea 1316); möglicherweise ein Hinweis darauf, dass Medea sich als gute Schamanin in eine Katze verwandeln konnte. Bei ihren Beschwörungen entblößt sie die Brüste, flicht sie lebende Schlangen ins Haar und hält je eine Schlange in jeder Hand (Seneca, Medea). Sie gleicht also ganz der minoischen Schlangengöttin von Kreta. Später wurde sie unsterblich und regierte als Hexenkönigin und Braut des Achilles die elysischen Gefilde (Robert von Ranke-Graves, Griechische Mythologie. Quellen und Deutung. Rowohlt Reinbek 1984, S. 577) Mit ihrer Schönheit – Hesiod nannte sie die ‚schönfüßige Medea’ oder ‚Schönäugige’ -, Erotik und Zauberkunst hat sie schon die alten Dichter fasziniert, aber auch mit Angst und Schrecken erregt. Euripides hat ihr eine ganze Tragödie gewidmet. Auch Ovid, der üppig einige von Medeas Taten in den Metamorphosen beschreibt, hat ebenfalls eine Tragödie namens Medea verfasst, von der allerdings nur ein Vers erhalten geblieben ist (Christine Binroth-Bank, Medea in den Metamorphosen Ovids, Peter Lang (Europäische Hochschulschriften, Bd. 62), Frankfurt/M. 1994 und Theodor Heinze (Hg.), P. Ovidius Naso – Der XXI. Heroidenbrief. Medea an Jason, Mit einer Beilage: Die Fragmente der Tragödoie Medea, Brill Leiden 1997). Euripides’ Dichtung wurde zur Vorlage für zahlreiche Medea-Bearbeitungen in der Weltliteratur. Im 18. und 19. Jahrhundert entstanden mehrere Opern, die sich der kolchischen Zauberin annahmen. Die Anziehungskraft der Medea strahlt bis heute. So ist sie etwa in der modernen Frauenliteratur zu einem Sujet geworden. Nicht ohne Grund fordert Ursula Haas einen Freispruch für Medea (1991), den Rolf Liebermann jüngst als Oper vertont hat (1995). Medea, die blonde ‚Kolchierin’ mit ‚göttergleichem’ Haupt, stammt aus Kolchis, einem Land, das von ‚schwarzgesichtigen’ Barbaren bevölkert war. (Apollonios III, 828ff.). Ihr Großvater war Helios , der große Demiurg, der das orphische Welten-Ei ausbrütet (vgl. Robert von Ranke-Graves, Die Weiße Göttin: Sprache des Mythos, Rowohlt, Reinbek 1985); diese Abstammung wird bereits von Hesiod berichtet! Medea, Kirke und Hekate gehören zum Stamm des Helios/Sol : das heißt die Hexen sind Kinder der Sonne! Medea gebar nach Hesiod aus der Verbindung mit Jason, dem Argonauten, einen Sohn namens Medeios, „den in den Bergen Cheiron aufzog“ (Theogonie, 1001). Das heißt, der Nachfahre der zauberkundigen Mutter wurde von Geburt an von dem schamanischen Kentauren Cheiron, der auch den Herakles erzogen hatte, in der Heilkunst ausgebildet. „Nacht, Vertrauteste du der heimlichen Dinge; Ihr Sterne, die ihr der tragenden Glut nachfolgt mit der goldenen Luna; Du, Hekate mit dreifachem Kopf, du weißt, was jetzt anhebt: komm doch und hilf mir mit murmelndem Spruch und kunstvollem Zauber. Und du, Erde, du gibst den Hexen die mächtigen Kräuter. Lüftchen und Winde und Berge, ihr Flüsse all und ihr Teiche, Göttin der Haine, herbei! O helft mir , ihr Götter der Nächte.“ (Ovid, Metamorphosen VII, 192) Aus: Claudia Müller-Ebeling/Christian Rätsch, Wolf-Dieter Storl, Hexenmedizin. Die Wiederentdeckung einer verbotenen Heilkunst – schamanische Traditionen in Europa. AT-Verlag Aarau/Schweiz, 1998 .