Samstag, 3. Mai 2008

Dolchstoß

vom Pazifismus und den Frauen
Hätten die Nazis gestürzt werden können?
Einige revolutionstheoretische Überlegungen zum Aufstand der Rosenstraße-Frauen 1943


"Es kann gar nicht deutlich genug darauf hingewiesen werden, daß diese Machtheorie aus Hitlers Erfahrung der Niederlage im Ersten Weltkrieg stammte. Seiner Wahrnehmung nach wurde der "Dolchstoß" damals von zwei Strömungen geführt: dem Pazifismus und den Frauen. Und in der Tat waren ja die großen Friedensdemonstrationen des Jahres 1918 mehrheitlich Frauendemonstrationen. Hitler nahm also wahr, daß öffentliche Unzufriedenheit von Frauen im eigenen Hinterland die Kriegsanstrengungen an der Front und damit eine vermeintlich unantastbare Macht vollständig zerstören konnten. Es war für ihn eine Lehre: sowas sollte sich nie wiederholen ...


"Als sich in jenem Februar erstmals ein für Deutschland katastrophaler Kriegsausgang abzeichnete, begehrte der weibliche Teil der Bevölkerung auf und zeigte sich nicht gewillt, weiter die Härten und Entbehrungen hinzunehmen, die der Krieg mit sich brachte. Es erinnerte alles sehr stark an 1918, und eine Auflehnung, wie sie es damals gegeben hatte, war für die Nazis seit eh und je ein Schreckgespenst gewesen. Nur sehr wenige Frauen weigerten sich ganz direkt - sozusagen in einem bewußten Akt bürgerlichen Ungehorsams -, den Befehlen des 'Führers' Folge zu leisten, doch Geheimagenten des SD berichteten, daß es in der weiblichen Bevölkerung immer mehr Anzeichen für Defätismus und Kriegsmüdigkeit gebe. Frankfurter Bürgerinnen hätten angeblich gesagt, daß dieser Wahnsinn bald vorbei wäre, wenn sich alle Frauen zusammentäten. Hunderttausende von Frauen aus dem gesamten Reichsgebiet meldeten sich krank: Sie könnten leider die ihnen zugewiesenen Aufgaben nicht übernehmen. Rasendes Kopfweh, plötzliche Nebenhöhlenentzündungen, chronische Rückenschmerzen, hartnäckige Erkältungen, Infektionen der verschiedensten Art oder auch Knochenbrüche hinderten sie bedauerlicherweise daran. Die Gestapo von Karlsruhe konstatierte: Es gibt gar nicht so viele Krankheiten, wie hier beim Arbeitsamt in Traglasten von Gesundheitsattesten genannt worden sind. Viele Frauen behaupteten auch, daß sie sich dringend auf eine Reise begeben müßten, schwiegen sich aber darüber aus, wohin diese sie führen würde oder wann sie wieder daheim sein würden. (...) Weil sich so viele Frauen auf diese Weise ihrer Zwangsverpflichtung entzogen, berichtete Speers Ministerium für Rüstung und Kriegsproduktion Anfang 1944, daß es 'die Mobilisierung der deutschen Frauen für die Kriegsanstrengungen als völlig gescheitert' ansehen müsse." (S. 274) Wäre auf die Rosenstraße-Frauen geschossen worden oder ihren Forderungen nicht nach wenigen Tagen entsprochen worden, wäre dieses massenhafte Potential womöglich "explodiert" und hätte den Protest auf die Straße getragen."

Weiterleitung

Ohne meinen Kommentar

Zurück aus der Nacht

Materialien für die Jean-Améry-Renaissance: 30 Jahre nach seinem Freitod im Jahr 1978 ist die Werkausgabe des großen Publizisten mit dem neunten und letzten Band abgeschlossen
(via)

Freitag, 2. Mai 2008

Unsere lieben Vierhufer sind...

...zu Nichts zu gebrauchen (Kommentar einer Freundin)
...hässlich (Kommentar eines Freundes)

Geht mit offenen Augen durch die Welt.

Im Jahr nach der Eroberung

Langsam lichten sich die Nebel und mancher spürt nun, woher der Wind weht. Von wem die Insel bewohnt wird. Wer dort das (Herd-)feuer hütet. Nein, niemand wird auf dieser Insel in ein Schwein verzaubert. Oder in ein waidwundes Tier. Nur die Windrichtung hat sich geändert.

Gewechselt

Man sieht es den Männern im Gesicht an, wenn sie keine Frauen mögen. Es macht sie hart, bitter. Und hässlich. Deswegen sind schwule Gesichter übrigens oft so weich. Und so schön. Und ja: Ich weiss, wovon ich rede. Ich wohne schließlich in Köln.