Montag, 9. Juni 2008
Wenn Licht den Schatten bricht
Aufgrund der Literaturempfehlung im verlinkten Beitrag "New-Age Goddess" habe ich mir soeben bestellt den Titel:
Monica Sjoo, Return of the Dark/Light Mother or New Age Armageddon? Towards a Feminist Vision of the Future.
Wer wundert sich von denen, die sich auskennen, nicht schon lange über die Invasion der Engel in der Esoterik-Szene? Wer, der sich auskennt, wird nicht wütend über die gefühlsamputierten Göttinnen in Kunst und Kultur? Die Figur der Maria im Christentum wurde genau wie viele andere Göttinnen auch ihrer ganzen Kraft beraubt, solange bis nur noch ein asexueller Torso ohne allzu viel Kraft übrig blieb. Lieblich lächelnde Frauenfiguren versuchen daher sich ihren Platz an der Seite allmächtig wirken wollender Patriarchen zu erobern und ahnen vielleicht doch, dass das Licht auch ihren Schatten bricht.
“Female spirit, the goddess in us, is not fragile or new; not an invention of privileged women or an escapist New Age elite. We are tough and ancient: tried by a million years of ice and fire. On enormous and minute wheels of pain and beauty we have turned … we return to tell and respell our story.”
(via)
Monica Sjoo, Return of the Dark/Light Mother or New Age Armageddon? Towards a Feminist Vision of the Future.
Wer wundert sich von denen, die sich auskennen, nicht schon lange über die Invasion der Engel in der Esoterik-Szene? Wer, der sich auskennt, wird nicht wütend über die gefühlsamputierten Göttinnen in Kunst und Kultur? Die Figur der Maria im Christentum wurde genau wie viele andere Göttinnen auch ihrer ganzen Kraft beraubt, solange bis nur noch ein asexueller Torso ohne allzu viel Kraft übrig blieb. Lieblich lächelnde Frauenfiguren versuchen daher sich ihren Platz an der Seite allmächtig wirken wollender Patriarchen zu erobern und ahnen vielleicht doch, dass das Licht auch ihren Schatten bricht.
“Female spirit, the goddess in us, is not fragile or new; not an invention of privileged women or an escapist New Age elite. We are tough and ancient: tried by a million years of ice and fire. On enormous and minute wheels of pain and beauty we have turned … we return to tell and respell our story.”
(via)
Sieht
New-Age Goddess:
Slinky, Slanky & Sticky-SWEET
Mancher braucht die macht- und kraftlose unheilige Hure, an der man seinen männlichen Minderwertigskeitskomplex abreagieren kann, hält sich daher das eine oder andere devot demütige Dienstmädchen und wird im Ausgleich dazu in den heiligen Hallen der Familie von einfältigen Engeln und einer doppelgesichtigen Madonna an der langen Leine geführt.

(Foto)
Dumm nur, wenn eine der vermeintlich demütigen und dienstbaren Dienerinnen in Wirklichkeit auf der Insel lebt.
Mancher braucht die macht- und kraftlose unheilige Hure, an der man seinen männlichen Minderwertigskeitskomplex abreagieren kann, hält sich daher das eine oder andere devot demütige Dienstmädchen und wird im Ausgleich dazu in den heiligen Hallen der Familie von einfältigen Engeln und einer doppelgesichtigen Madonna an der langen Leine geführt.

(Foto)
Dumm nur, wenn eine der vermeintlich demütigen und dienstbaren Dienerinnen in Wirklichkeit auf der Insel lebt.
Samstag, 7. Juni 2008
Wir leben in wütenden Zeiten. Umso dankbarer bin ich Künstlerinnen wie Kate Bush, die in manchen ihrer Lieder so unendlich viel Verletztheit, Wut, Trauer, abgrundtiefe Trauer ausdrückt. Nichts hat mich in den vergangenen Tagen mehr berührt, nichts hat mir mehr geholfen als diese Lieder. Und es war da ein Blick. Ein Blick, der so viel sagt denen, die verstehen.
Ich lese gerade noch einmal Fritz Perls, Wiedergefundenes aus seiner Mülltonne, wie er es liebevoll nannte. Ich lese und höre, wie Menschen den Mut gefunden haben, öffentlich ihre Gefühle zu zeigen, sie zur Verfügung zu stellen im guten Sinne des Wortes.

Was aber geschieht, wenn Gefühle getötet werden, Hass sich in Masken und Rollen kleidet, sich hinter Mikrofonen versteckt, wenn Schweigen die Eintrittsbedingung wird für das große Gemeinsame?
Ich hatte dir vor einigen Monaten einen Traum erzählt und du hast deine Rolle wie immer gut gespielt. Hast mich öffentlich als verrückt und wahnhaft bezeichnet, während Ton und Bild lief.
Erinnerst du dich? Mein Traum, den ich dir erzählte? Vorsichtig, fast zaghaft fragte ich dich zuerst, seit wann du Probleme mit deinen Lungen hast. Ich zögerte. Wußte nicht, ob ich weiter sprechen sollte. Nicht fragen, nichts sagen. Das war fast so etwas wie ein stillschweigendes Übereinkommen zwischen uns geworden. Trotzdem wagte ich immer wieder den Versuch. Auch wenn ich wußte, dass es vergeblich war. Du reagiertest knapp und unwirsch.
"Warum?"
"Weil ich diese Nacht einen Traum hatte. Es war so deutlich. Ein großes Becken, randvoll gefüllt mit klarem Wasser. An der Seite stand eine schwarzhaarige Frau und blickte auf den Grund des Beckens. Ich sah dich in diesem Traum auf dem Boden des Beckens liegen. Du warst tot. Ertrunken. Und ich habe mich selbst gesehen. Ich lag neben dir, schwer atmend, kurz davor, zu sterben. Dann erwachte ich."
Erinnerst du dich an den Namen, den ich dir damals nannte? Den Namen Blue Bird? Erinnerst du dich? Wir saßen beim Chinesen am Tisch. Es war ein Freitag.
So, wie es deine Aufgabe war, mich als unheilige Hure zu behandeln, so hast du mich gedemütigt in diesem Moment mit den Worten, es sei jetzt endlich an der Zeit für mich, über eine Behandlung nachzudenken. Du hattest schon einmal versucht, mir Geld anzubieten. Als ich ablehnte, hast du versucht, meine Wahrnehmung als Ausdruck einer Verrückten zu deuten. Und sie gleichzeitig bestätigt. Als ich ging, hast du mich zurückgeholt. Wieder und wieder. Und auch ich habe dich nicht gehen lassen.
Du hast meine und deine Rolle verkauft. Verkauft an die, die zuhörten, verkauft an die, die vielleicht noch Hoffnung haben, dass alles ganz anders ist. Verkauft an die, die sich darüber im klaren sind, dass sie das große Zuneigungsspiel vor der Kamera spielen. Verkauft an andere Spieler, Schreiber, Kostümwechsler, Magier der Lüfte. Regenmacher.
Wie viele Verletzungen kann jemand ertragen, wie viel Wut und Hass unterdrücken, bis er reagiert? Wann schlägt jemand zu? Im Regen ertrinken die Gefühle der Kinder Gottes. Doch dann sind es nur noch tote Kinder.
Ich lese gerade noch einmal Fritz Perls, Wiedergefundenes aus seiner Mülltonne, wie er es liebevoll nannte. Ich lese und höre, wie Menschen den Mut gefunden haben, öffentlich ihre Gefühle zu zeigen, sie zur Verfügung zu stellen im guten Sinne des Wortes.

Was aber geschieht, wenn Gefühle getötet werden, Hass sich in Masken und Rollen kleidet, sich hinter Mikrofonen versteckt, wenn Schweigen die Eintrittsbedingung wird für das große Gemeinsame?
Ich hatte dir vor einigen Monaten einen Traum erzählt und du hast deine Rolle wie immer gut gespielt. Hast mich öffentlich als verrückt und wahnhaft bezeichnet, während Ton und Bild lief.
Erinnerst du dich? Mein Traum, den ich dir erzählte? Vorsichtig, fast zaghaft fragte ich dich zuerst, seit wann du Probleme mit deinen Lungen hast. Ich zögerte. Wußte nicht, ob ich weiter sprechen sollte. Nicht fragen, nichts sagen. Das war fast so etwas wie ein stillschweigendes Übereinkommen zwischen uns geworden. Trotzdem wagte ich immer wieder den Versuch. Auch wenn ich wußte, dass es vergeblich war. Du reagiertest knapp und unwirsch.
"Warum?"
"Weil ich diese Nacht einen Traum hatte. Es war so deutlich. Ein großes Becken, randvoll gefüllt mit klarem Wasser. An der Seite stand eine schwarzhaarige Frau und blickte auf den Grund des Beckens. Ich sah dich in diesem Traum auf dem Boden des Beckens liegen. Du warst tot. Ertrunken. Und ich habe mich selbst gesehen. Ich lag neben dir, schwer atmend, kurz davor, zu sterben. Dann erwachte ich."
Erinnerst du dich an den Namen, den ich dir damals nannte? Den Namen Blue Bird? Erinnerst du dich? Wir saßen beim Chinesen am Tisch. Es war ein Freitag.
So, wie es deine Aufgabe war, mich als unheilige Hure zu behandeln, so hast du mich gedemütigt in diesem Moment mit den Worten, es sei jetzt endlich an der Zeit für mich, über eine Behandlung nachzudenken. Du hattest schon einmal versucht, mir Geld anzubieten. Als ich ablehnte, hast du versucht, meine Wahrnehmung als Ausdruck einer Verrückten zu deuten. Und sie gleichzeitig bestätigt. Als ich ging, hast du mich zurückgeholt. Wieder und wieder. Und auch ich habe dich nicht gehen lassen.
Du hast meine und deine Rolle verkauft. Verkauft an die, die zuhörten, verkauft an die, die vielleicht noch Hoffnung haben, dass alles ganz anders ist. Verkauft an die, die sich darüber im klaren sind, dass sie das große Zuneigungsspiel vor der Kamera spielen. Verkauft an andere Spieler, Schreiber, Kostümwechsler, Magier der Lüfte. Regenmacher.
Wie viele Verletzungen kann jemand ertragen, wie viel Wut und Hass unterdrücken, bis er reagiert? Wann schlägt jemand zu? Im Regen ertrinken die Gefühle der Kinder Gottes. Doch dann sind es nur noch tote Kinder.
Wer
war eigentlich vor langer langer Zeit so kreativ komisch und reimte mir in meinem Autoradio in einer ganz individuellen Gesangseinlage ständig das Wort Coca auf BKA?
Freitag, 6. Juni 2008
Mittwoch, 4. Juni 2008
Die Geschichte von dem Einen und von den Allen
" ...
Und so sahen die allerersten Götter, dass zum Lernen, zum Arbeiten, zum Leben und zum Lieben ein jeder und eine jede notwendig ist. Aber sie sahen auch, dass einer oder eine allein nicht ausreicht. Sie sahen, dass alle gebraucht werden und dass nur alle zusammen ausreichend sind, um die Welt in Gang zu setzen. So wurden die ersten Götter zu Wissenden, jene, die die Welt erschufen. Sie verstanden es, zu reden und zuzuhören, diese Götter. Und Wissende waren sie geworden. Nicht weil sie viele Dinge kannten und auch nicht weil sie viel von der Sache wußten, sondern weil sie verstanden hatten, dass ein jeder und eine jede und alle zugleich notwendig und ausreichend sind."
Der Alte Antonio war gegangen. Ich blieb wartend zurück. Wartend, wie man auf das Meer und den Weizen wartet, wissend, dass beide kommen werden ... weil sie nie gegangen sind.
Alles Gute! Und vergesst Acteal nicht. Die Erinnerung ist die Wurzel der Weisheit.
Subcommandante Marcos
(Aus dem Kommunique an die nationale und internationale Zivilgesellschaft vom Dezember 1998)
Und so sahen die allerersten Götter, dass zum Lernen, zum Arbeiten, zum Leben und zum Lieben ein jeder und eine jede notwendig ist. Aber sie sahen auch, dass einer oder eine allein nicht ausreicht. Sie sahen, dass alle gebraucht werden und dass nur alle zusammen ausreichend sind, um die Welt in Gang zu setzen. So wurden die ersten Götter zu Wissenden, jene, die die Welt erschufen. Sie verstanden es, zu reden und zuzuhören, diese Götter. Und Wissende waren sie geworden. Nicht weil sie viele Dinge kannten und auch nicht weil sie viel von der Sache wußten, sondern weil sie verstanden hatten, dass ein jeder und eine jede und alle zugleich notwendig und ausreichend sind."
Der Alte Antonio war gegangen. Ich blieb wartend zurück. Wartend, wie man auf das Meer und den Weizen wartet, wissend, dass beide kommen werden ... weil sie nie gegangen sind.
Alles Gute! Und vergesst Acteal nicht. Die Erinnerung ist die Wurzel der Weisheit.
Subcommandante Marcos
(Aus dem Kommunique an die nationale und internationale Zivilgesellschaft vom Dezember 1998)
Dienstag, 3. Juni 2008
Sie
ist reaktionsschnell. Und hat einen Schutzengel. Zum ersten Mal wurde sie heute von einem Autofahrer beim Rechtsabbiegen so geschnitten, dass sie nur noch blitzschnell zur Seite ausweichen konnte, obwohl dort ein Pfahl stand. Zum Glück ist nun nur der Lenker schief. Ob der Mann sie vielleicht gar nicht gesehen hat, frage ich. "Wir standen beide an der Ampel. Und er hat mir vorher noch in die Augen gesehen."
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