Freitag, 20. April 2012

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"Die psychologistische Mythen- und Märcheninterpretation, die seit ihrem Anfang bis heute epidemisch grassiert, deutet Märchenmotive aus alten Kulturen mit abstrakten psychologischen Begriffen des 19. Jahrhunderts. Dabei geht nicht nur die Symbolstruktur der Motive verloren, sondern auch ihr kulturhistorisches Umfeld. Beispielsweise wird der Archetyp "Mutter", der je nach Bedarf drohend, glühend, eisig, vernichtend oder hilfreich ist, mit dem "Unbewussten" gekoppelt (wieso eigentlich?) und dadurch äußerst diffus. Der Spielraum der Interpretation wird hier beliebig und diese damit wertlos; zudem kommen bei solchen Deutungsversuchen die vorurteilsbehafteten patriarchalen Weiblichkeitsbegriffe der diversen psychologischen Theorien ins Spiel."











Aus:
Heide Göttner-Abendroth
HAGIA - Internationale Akademie für moderne Matriarchatsforschung:
Die Göttin und ihr Heros
Die matriarchalen Religionen in Mythen, Märchen, Dichtung
Kohlhammer; Auflage: Erweiterte Neuausgabe (5. Mai 2011)




















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