Donnerstag, 19. April 2012

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Blog Gemeindewatch. Berlin: "Als Beter der Synagoge Pestalozzistraße, aber auch als Repräsentant der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, bin ich fassungslos über diesen Vorgang. Momentan trifft man in der Synagoge Pestalozzistraße völlig verunsicherte Beterinnen und Betern an. Viele können nicht glauben, dass ihr Ritus plötzlich vom Vorstand der Gemeinde in Frage gestellt wird. Auch die älteren Beter sind außer sich – darunter viele Holocaustüberlebende, die nach der Befreiung unsere Gemeinde aufgebaut haben!
Vielleicht muss man dem neuem Kultusdezernenten erst einmal erklären, was eine Einheitsgemeinde ist. Sein Verhalten macht deutlich, dass er von religiöser Vielfalt in der Einheitsgemeinde anscheinend keine Ahnung hat – und eigentlich für diesen höchst wichtigen Posten völlig ungeeignet ist.
Vielleicht muss man den neuen Kultusdezernenten auch einfach einmal darauf hinweisen, dass in der Vergangenheit regelmäßig an den Hohen Feiertagen die G`ttesdienste der Pestalozzistraße in der Fasanenstraße stattgefunden haben – ohne, dass jemals jemand auf die Idee gekommen wäre, den Betern einen anderen, orthodoxeren Ritus aufzuzwingen
Als liberaler Jude macht mich das Verhalten des Kultusdezernenten wütend und traurig zu gleich. Leider wird durch dieses Verhalten meine Befürchtung verstärkt, dass es Braun in erster Linie darum geht, den Einfluss von Chabad innerhalb der Gemeinde zu stärken. Wenn er das tatsächlich vorhat, sollte er bitte bei Chabad aktiv bleiben – und nicht als Kultusdezernent unserer Einheitsgemeinde!
Wir brauchen sicherlich keinen Nachhilfeunterricht von Chabad für unser jüdisches Leben in Berlin."
Und auch Köln wurde derartig übernommen. By the way: Sehr moderne Navigation im Blog. Permalink funktioniert bei mir leider nicht. Man kann aber links auf "Verunsicherung" klicken.








Ergänzend: "Die sogenannte Anstands-Revolution in Israel hat ihren Ursprung im Chassidismus, der wichtigsten ultraorthodoxen Strömung. Es sind zentrale chassidische Gruppierungen in Israel, wie Gur und Vishnitz, die den Frauen inzwischen den Führerschein verbieten. Auch Chabad Lubawitsch, eine in Deutschland sehr aktive orthodoxe Bewegung, gehört zum Chassidismus. Doch im Gegensatz zu anderen Ultratraorthodoxen ist Chabad den Frauen gegenüber aufgeschlossener und weniger auf Geschlechtertrennung fixiert. Züchtige Kleidung, lange Röcke für Mädchen, Strumpfhosen und lange T-Shirts auch im Sommer sind zwar auch für Chabad-Frauen vorgeschrieben. Doch der verstorbene Führer der Bewegung, Menachem Mendel Schneerson, räumte der Frau eine zentrale Rolle für die Arbeit der Bewegung ein. Sterna Wolff, die Frau des Chabad-Rabbiners Benjamin Wolff in Hannover:
"Die Aufgabe der Frau ist es vor allem, Hausfrau zu sein. Aber der Rebbe hat uns gelehrt, stolz darauf zu sein. Er hat ständig darüber gesprochen, wie wichtig die Frauen sind."








Anmerkung: Vorsicht mit dem Wort Hausfrau! Immer die Machtfrage stellen. Oder anders formuliert: Ist gemeint die machtlose Hausfrau des Patriarchats, die dienende Frau an seiner Seite, oder ist gemeint die machtvolle Hüterin des Hauses im Matriarchat, die das soziale und spirituelle Zentrum der Gemeinschaft leitet?




















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