Samstag, 22. Oktober 2011

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"Der französische Sammler der zigeunerischen Überlieferungen Derlon (Paris) begeisterte sich an der Tarot-Wahrsagekunst, wie sie 1968 - 1973 im Alpengebiet gesammelt wurde und die in ihrem Kern "aus einer der größten Sippen der fahrenden Wahrsager (d'une des plus grandes familles de chiromancien de voyage) stammt". Er fand überall "den Atem der großen Häuptlinge", also die Gedanken der weisen Führer der Stämme in der sagenhaften Vergangenheit. (47) Besonders wichtig war auch ihm, wie sehr auf diesen ursprünglichen Bildern auf jeder Karte die Sinnbilder des Rades, des Wagens erscheinen: Symbole der gemeinsamen Wanderung der eng verbundenen Gemeinschaft, der Sippe durch alle Stürme ihrer Umwelt. (Und dem wiederkehrenden Gang durch das Jahr, Anm. C.M.) Bei der neuen Beschäftigung der Jugend der Hippie-Kultur mit den Karten der "zigeunerisch-alchemistischen Tarot-Magier" (the gypsy-alchimist Tarot magician) gilt besonders die Karte "Die Mäßigkeit" als die der "tantrischen Verbindung", der Entstehung des religiösen Lebensstils der neuen Kulturen (48); der Gemeinschaften, deren Menschen zusammen die Lust am Dasein wiederentdecken. Die entsprechende Karte zeigt eine Fee (einen Engel, eine Göttin), die einen Becher ewig in den anderen schüttet, das Sinnbild der männlichen und weiblichen Kräfte, die zum gemeinsamen Ziel wieder die vollkommene Einheit bilden. Sie hat zwei Flügel auf dem Rücken, Symbol des geistigen Höhenfluges, der aktiven Tätigkeit, des raschen Handelns, das von dieser Verschmelzung ausgeht. Auf der Stirne trägt diese Gestalt einen Stern - oder ursprünglich die Sonne (49): Nach den Wahrsagern das Bild der Morgenröte, also auch der großen Überlieferung, die für uns mit den Völkerwanderungen immer aus dem Orient, dem Osten, dem "Morgen-Land" kommt.'






Aus: Sergius Golowin, Der ewige Zigeuner im Abendland
















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