Sonntag, 27. März 2016


























"Das Inkrafttreten des islamischen Rechtssystems in den bisher weitestgehend säkularen muslimischen Gesellschaften der früheren UdSSR diente Amerikas strategischen Interessen in dieser Region. Zuvor herrschte auch hier, wie in weiten Teilen der Republiken Zentralasiens und des Kaukasus, inklusive Tschetschenien und Dagestan (die Teile der Russischen Föderation sind), eine stark säkulare Tradition basierend auf der Ablehnung des islamischen Rechtssystems.

Der Tschetschenien-Krieg in den Jahren 1994 bis 1996, initiiert durch die großen Rebellionen gegen Moskau, führte zu einer Destabilisierung der säkularen staatlichen Einrichtungen. In zahlreichen Gegenden Tschetscheniens bildeten sich parallel zu den staatlichen Einrichtungen lokale Regierungsstrukturen, welche durch die islamische Miliz kontrolliert wurden. In einigen kleinen Städten und Dörfern wurden islamische Schariah-Gerichtshöfe eingerichtet und die Herrschaft des politischen Terrors begann.

Die finanzielle Unterstützung der Rebellengruppen durch Saudi-Arabien und die Golfstaaten wurde genutzt, um die Schariah-Gerichtshöfe zu errichten - trotz des massiven Widerstandes der Zivilbevölkerung. Der höchste Richter und Emir der Scharia-Gerichtshöfe in Tschetschenien war Sheikh Abu Umar, der „1995 nach Tschetschenien zu den Mudschaheddin kam, die damals von Ibn-ul-Khattab angeführt wurden. ... Er begann den tschetschenischen Mudschaheddin Unterricht über die Lehren des Islam der richtigen Aqeedah zu geben, da viele ungenaue und verzerrte Vorstellungen hierüber kursierten.“ (Global Muslim News: http://www.islam.org.au/articles/21/news.htm, December 1997)

Unterdessen zerfielen die staatlichen Institutionen der Russischen Föderation in Tschetschenien unter der Last der Sparmaßnahmen des IWF, welche während der Präsidentschaft Boris Jelzins auferlegt worden waren. Die Scharia-Gerichtshöfe hingegen, finanziert ausgestattet durch Saudi-Arabien, verdrängten allmählich die noch existierenden staatlichen Institutionen der Russischen Föderation in der autonomen Region Tschetschenien.

Die Wahhabiten aus Saudi-Arabien hatten nicht nur die Absicht, zivile staatliche Institutionen in Dagestan und Tschetschenien zu überrennen, man suchte auch nach einer Lösung, um die Führer der traditionellen muslimischen Sufis zu ersetzen. Tatsächlich bestand der Widerstand gegen die islamischen Rebellen in Dagestan hauptsächlich aus einer Allianz der (säkularen) regionalen Regierungen mit den Sufi-Scheichs:"