Dienstag, 14. Juli 2015

















Hier ein paar Stilblüten aus der psychologischen Trickkiste, gefunden in diesem Thread. Vorrangig ist immer der Angriff ad personam. Es wird also nicht auf Inhalte eingegangen, siehe dazu auch das kurze englische Zitat aus dem Interview im unteren Beitrag, sondern die Person wird kritisiert, diffamiert. Argumente werden als Laberei abgetan, als weltfremd oder naiv, nicht praxisbezogen hingestellt, der akademische Ruf bezweifelt. Jeder Handlung wird ein egoistischer Eigennutz unterstellt.
Es fehlt noch eine Verhöhnung der Opfer beispielsweise mit den Mitteln der Verallgemeinerung wie "Die Griechen". Opfer werden beleidigt mit Sätzen wie "selbst schuld" entweder von Aussenstehenden oder sogar im Sinne einer Täter-Opfer-Umkehr vom Täter selber.
Es fehlen noch Sätze wie, dass das irre Gelaber nicht interessiert, man aber gerne einen guten Fick mit ihm machen möchte ... Na, wer traut sich? Ich vermisse - im Moment - zudem noch die Anzweiflung der geistigen Gesundheit, der Wahrnehmungsfähigkeit. Es kann dann schon mal vorkommen, dass man allen Ernstes vom eigenen Nachwuchs in Ausbildung zu hören bekommt, ob man sicher sei, dass es draußen vor kurzem wirklich gewittert habe.






Und nun noch ein Wort zu dem Satz, dass es schade sei, dass das "Psychopathen-Arschloch" damals bei dem Attentat nicht ums Leben gekommen sei, so dass jetzt "Tausende Griechen sterben müssen". Man kann Dinge ins Licht rücken, deutlich werden lassen, indem man den Vorhang des Schweigens bricht und diverse Interessen, Konzepte, Vorschläge offen ausspricht. Man kann diese Dinge auch noch ein wenig überspitzen, so daß jedem der Ernst der Situation wirklich klar wird. Dann fallen Sätze wie "Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen". Oder keine Erhöhung von Hartz-IV, denn damit steigt sowieso nur der Zigaretten-Konsum.







Zitate: "mir wird auf ewig das Bild in Erinnerung bleiben, auf dem Herr V nach seinem Rücktritt auf seinem Motorrad davon braust. Er mit Helm, die "über alles geliebte Frau" ohne Helm auf dem Rücksitz. Genau so ist er doch die letzten 4 Wochen mit seinem "über alles geliebten griechischem Volk" verfahren. Was für ein Spass und wenn das Teil an die Wand fährt, hab ich ja immer noch einen Helm auf. Und ach, die politische Diskussion gleicht also tatsächlich nicht dem akademischen Diskurs in einem seiner Proseminare? Herr V ist nun furchtbar deprimiert, dass die Akteure nicht zustimmend nickend an seinen Lippen gehangen haben, wie er es von seinen Studenten gewohnt ist."




"Drama Baby, Drama - alle sind Schuld nur ich nicht, aber ich hatte zumindest einen geilen Auftritt und einen grandiosen Abgang. Die Vorstellung ist zwar noch nicht zu Ende, aber ich gebe schon mal den Kritiker meines eigenen Spiels. Was für ein Schauspiel, was für eine Komödie, was für ein Darsteller - ich höre homerisches Gelächter."





Du hättest nur im Anschreiben deutlich machen müssen, dass bei der Realisierung dieser Aufgabe die Avantgarde der Avantgarde des Proletariats eine entscheidende Rolle spielt, und dass die Vorsehung diese Rolle YV zugesprochen hat. Und, der gewaltigen Bedeutung dieser Rolle zwar nicht angemessen, aber zumindest als ersten mageren Beitrag der Weltöffentlichkeit dazu, ihm das Tragen dieser Last zu erleichtern, stehen ihm folgende
Leistungen zu:

1) eine eigene Talkshow zur besten Sendezeit
2) ein Sitz im Weltsicherheitsrat
3) die Insel Kreta
4) der Wirtschaftsnobelpreis für dieses und alle folgenden Jahre.
Weiterhin wird er bei allen Wirtschaftsnobelpreisen der Vergangenheit
rückwirkend als Koautor genannt.
5) eigene Sonderziehungsrechte beim IWF
6) Vorzeichenumkehr bei seiner Steuererklärung

Ich glaube, damit kriegst Du den Job, oder wie V. sagen würde: das ist ja schon mal ein Anfang.








"war ist Yanis Varoufakis als Finanzminister zurückgetreten, sitzt nicht mehr an der griechischen Finanzschaltstelle, dafür kann er jetzt endlich zeigen, was die Politik an ihm verloren hat. Im Herbst kommt sein neues Buch heraus, gleichzeitig geht er in den USA und Europa auf Vortragsreise. Buchen kann man seine Vorträge bereits heute gegen $ 25.000 Honorar, zuzüglich Spesen.
Titel seines neuen Buches: Wie ruiniert man einen Krisenstaat in fünf Monaten?

Daraus die wichtigsten Thesen:
- Trete selbstsicher und ständig grinsend in der Öffentlichkeit auf,
dann giltst du als Siegertyp, dem man alles glaubt.
- Stelle gewagte Thesen auf, nach denen immer die Schuld bei den
anderen liegt;
- Behaupte nach kurzer Zeit das Gegenteil und begründe diese Unlogik
mit der Unlogik des herrschenden Systems;
- Verwirre die Öffentlichkeit mit überraschenden Ankündigungen wie
"wir wollen keine neuen Kredite" oder "zwei Tage nach dem Referendum
haben wir eine Übereinkunft mit den Gläubigern" oder "am Mittwoch
nach den Referendum öffnen die Banken".
- Treffen diese Vorhersagen nicht ein, schiebe die Schuld auf die
terroristische Politik der EU, auf die Erpressung der EZB oder
einfach auf den Mangel an Intelligenz bei den Verhandlungspartnern.
- Sei omnipräsent in den Medien, gib ständig Interviews und poste
auf Facebook und Twitter, mit wem du gerade wieder wichtige Gespräche
führst;
- Bleibe niemals länger als fünf Minuten im Finanzministerium.
Begrüße kurz die Belegschaft, unterschreibe ein paar Dokumente und
dann schnell wieder hinaus. Denn die schlechte Stimmung dort und die
negativen Finanzzahlen schaden nur deiner guten Laune;
- Und am wichtigsten - niemals, niemals konkret werden. Denn neue
Gesetzesinitiativen im Steuerbereich, das Aufräumen bei den
Finanzbehörden und das Eintreiben von Steuerschulden schaffen nur
Ärger, sind langwierig, mühsam und befördern negative Emotionen -
sind also sowas von uncool.
- Wenn sich die Situation zuspitzt, trete zurück und gib die Schuld
Schäuble, der internationalen Finanzmafia und ihren Vertretern.

Dann gib weiter wichtige Interviews, schreibe Bücher und halte Vorträge. So ist dein Land zwar ruiniert, dir geht es aber glänzend."





"pseudosoziale "lichtgestalten" seiner sorte sind mir im laufe meines lebens schon hundertfach persönlich begegnet. selbstverständlich könnte ich jetzt etliche namen aufzählen, aber das ist erstens nicht mein stil, zweitens agieren die möglichst unauffällig im hintergrund und drittens wagen sich diejenigen nur sehr selten ins rampenlicht.
sie sind oft überdurchschnittlich talentiert, meistens beruflich und privat erfolgreich und vor allem sind sie in der regel schon von geburt an auf der sonnenseite des lebens gewesen: völlig intaktes elternhaus, keine finanziellen sorgen, unbegrenzte karrieremöglichkeiten. normalerweise gönne ich diesen menschen ihren wohlstand. allerdings hört meine gunst sofort auf, wenn ich bei dieser sorte von menschen totale soziale impotenz oder absolute egomanie diagnostizieren kann! varoufakis ist meiner meinung nach so ein typisches beispiel. wieso ich das so sehe? ich will malversuchen, es anhand dieses interviews zu erklären:

> Traurig ist er nicht

nö, natürlich nicht: solche emotionen kennen solche menschen nicht, denn das lässt ihr ego gar nicht zu. sie empfinden sogar niederlagen als siege und das ganze leben ist für sie sowieso nur ein spiel. er hat zwar letztendlich den letzten rest an reputation griechenlands ins nirvana befördert, aber warum sollte er denn deswegen traurig sein? ihm gehts gut, er steht trotz rücktritt immer noch im rampenlicht, er muss keine verantwortung übernehmen und er ist aus dem schneider."