Montag, 7. Juli 2014



















Hund und Katze sollen sich manchmal wirklich ganz prima verstehen. So sagt man. Beide tragen allerdings eher ungerne Kopftücher. Oder kaltes Plastik. So sagen es nicht nur die Hexen. Welche das ehrwürdige Symbol des Dreiecks zusammen mit dem wunderbaren Symbol der Katze, welches für die Göttin aus dem Alten Orient steht, nun wirklich nicht auf Tüten getupft haben wollen. Vor allem nicht getupft haben wollen auf Tüten aller Art, wenn der Träger so aussieht, als könne er das Wort Knast nicht vom Wort Kopftuch unterscheiden.




Heute schon an Dreiecke aller Art gedacht? Hier dazu noch ein wenig Inspiration aus dem Lexikon des geheimen Wissens der Frauen, was selbstverständlich auch geschrieben wurde für Männer. Mit und ohne viele Plastik-Karten. Ähhh, Tüten:




Das altbekannte Emblem der zwei ineinandergehakten Dreiecke repräsentierte angeblich seit den Tagen Davids oder Salomos den jüdischen Glauben. Aus diesem Grund ist das Hexagramm als Magen Davids (Schild des David), Davidstern oder Siegel Salomos bekannt. In Wirklichkeit hatte das Hexagramm jedoch weder mit David noch mit Salomo zu tun. Es wurde im 12. Jahrhundert zum erstenmal in der jüdischen Literatur erwähnt und erst im 17. Jahrhundert als jüdisches Emblem übernommen.
Der wirkliche Ursprung des Hexagramms liegt im tantrischen Hinduismus, bei dem es für die Vereinigung der Geschlechter stand. ((Anmerkung: Das Symbol des Dreiecks ist noch älter, siehe dazu beispielsweise Marija Gimbutas) Das nach unten weisende Dreieck symbolisierte das schon vor der Erschaffung des Universums existierende weibliche Urbild oder Yoni Yantra. Im Laufe der unendlichen Zeit empfing die Göttin in ihrem Dreieck einen Lebensfunken, den hindu, der schließlich geboren wurde und sich zu einem Mann entwickelte. Sein Symbol war das aufwärts zeigende Dreieck. Er vereinigte sich mit seiner Mutter (Anmerkung: Im symbolischen Sinn gemeint als Schöpferin allen Lebens) zu dem Ur-Androgyn. Das Zeichen dieser Vereinigung war ein Hexagramm, das sogenannte Shri Yantra oder Große Yantra ...
Aus dem tantrischen Hexagramm der beiden Geschlechter entstand eine jüdische Glaubensrichtung, in der die Sexualität verehrt wurde. Diese Strömung war sowohl mit der mittelalterlichen Kabbala verknüpft als auch mit jener rabbinischen Überlieferung, nach der "in der Bundeslade nebst den Gesetzestafeln ein Bild gelegen sein (soll), das einen Mann und ein Weib in inniger Umarmung, in Hexagrammform zeigte."





Die Juden des maurischen Spanien entwickelten die Kabbala in der Zeit nach den Kreuzzügen, durch die sie die Verehrung der Großen Göttin in den östlichen Kulturen kennengelernt hatten. Für die Kabbalisten hatte das Hexagramm die gleiche Bedeutung wie für die tantrischen Yogis. Es repräsentierte die Vereinigung Gottes mit seiner weiblichen Kraft Schechina, der jüdischen Version der Shakti-Kali. So wie Shakti die Seelensubstanz jedes hinduistischen Gottes bildete, war Schechina die Seelensubstanz des kabbalistischen Gottes. Wie alle Religionen, bei denen die Heilige Hochzeit im Mittelpunkt stand, sah auch das kabbalistische Judentum Mann und Frau als irdische Ebenbilder des Gottes und der Göttin an. Die geschlechtliche Vereinigung der Sterblichen ermunterte die Gottheiten, in ihrem überirdischen Reich das gleiche zu tun. (Anmerkung: Interessante Reihenfolge!)
Deshalb galt der Geschlechtsverkehr als "ein sakramentaler Akt zur Huldigung eines Gottes und seiner Gemahlin (oder vielleicht andersherum: einer Göttin und ihres Gemahls). Fußnote
Das Buch Zohar setzte Schechina mit Thora, dem "Gesetz" gleich. Ebenso entsprach die älteste gnostische Große Göttin ihrer eigenen jungfräulichen Verkörperung Maat, dem "Gesetz" oder der "Wahrheit". Ein Mann, der nach mystischer Weisheit strebte, mußte "Bräutigam der Thora" werden, weil das Gesetz in einer Jungfrau verkörpert war. Ihr ähnelte die erleuchtete Geliebte der zeitgenössischen Minnelyrik, deren Verehrung ebenfalls von der Großen Göttin des Ostens inspiriert war ...





Das Hexagramm stand für die vollständige Vereinigung des Erleuchteten mit Schechina-Thora. Daß das Hexagramm als "Siegel Salomos" mit Salomo in Verbindung gebracht wurde, entsprang wahrscheinlich der verbreiteten Vorstellung von dem durch eine Heilige Hochzeit erleuchteten Salomo, worauf die erotische Dichtung des Hohelieds Salomo in der Bibel hinweist.







In: Das geheime Wissen der Frauen. Ein Lexikon von Barbara G. Walker, Deutscher Taschenbuch Verlag