Dienstag, 7. Mai 2013





















"Menschenrechtsaktivistin Mina Ahadi über die Trennung von Staat und Religion und die Rolle der islamischen Verbände - Die Deutsche Islamkonferenz ist ein Werkzeug, mit dem die muslimischen Verbände die Scharia allmählich auf dem Boden der Bundesrepublik einführen wollen – das sagt Mina Ahadi, die dem Islam abschwor, und dafür im Iran zum Tode verurteilt wurde.



... Sie unterscheiden nicht zwischen dem Islam und dem Islamismus. Warum nicht? Gemäßigte Muslime sind doch überwiegend friedlich …




Mina Ahadi: Seit der Revolution im Iran und die Machtübernahme durch die Mullahs vor 30 Jahren haben wir es mit einem politischen Islam zu tun, der versucht Macht in verschiedenen Ländern zu bekommen, auch in Deutschland. Am Anfang waren in der Deutschen Islamkonferenz sogar reaktionäre muslimische Organisationen vertreten, zum Beispiel Milli Görüs, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Doch gemäßigten und radikalen Muslimen ist eins gemeinsam: Sie sind für die Scharia, wollen Islamunterricht und die Ausbildung von Imamen. Auf den Seiten der Deutschen Islamkonferenz gibt es Beiträge über Einführung der Scharia, zum Beispiel in familiären Angelegenheiten. Auch auf diesem Weg versuchen die Vertreter der muslimischen Organisationen die Scharia allmählich hoffähig zu machen.




Am 3. Mai 2013 hat der Zentralrat der Ex-Muslime in Köln eine Resolution verabschiedet. Sie richtet sich gegen staatliche Gelder für den Bau von Moscheen aussprechen oder islamische Zentren, gegen die Einführung von Islamunterricht und gegen islamische Kopfbedeckung in Schulen und Universitäten. Sie vertreten damit Positionen, wie man sie von der rechtsradikalen Pro NRW kennt.




Mina Ahadi: Zunächst sind Rechte wie Pro NRW auch gegen Muslime. Rechtsextreme gehen davon aus, dass ihre Religion oder Weltanschauung anderen Glaubensbekenntnissen überlegen ist. Und sie versuchen, ein Klima des Hasses und der Ausländerfeindlichkeit zu erzeugen. Das wollen wir nicht. Wir kämpfen für die Rechte von Millionen von Menschen unabhängig ihrer Religionsangehörigkeit, gegen islamische Frauenfeindlichkeit, menschenfeindliche Organisationen und gegen Rechtsextremisten, die mit Ausländer-raus-Parolen Hetze betreiben. Wir wenden uns dagegen, dass Scharia und Steinigungen als Kultur wahrgenommen werden und wollen Zwangsheiraten und das Tragen von Kopftüchern nicht verharmlosen. Wenn man nichts gegen die Unterdrückung in muslimischen Familien unternimmt oder gegen Ehrenmorde oder die Abschottung der Muslime, dann rutscht die ganze Gesellschaft immer weiter nach rechts. Wir legen nur den Finger in die Wunde – und versuchen einen Ausweg zu finden.




Von welcher Wunde sprechen Sie?




Mina Ahadi: Von Unterdrückung in muslimischen Familien, von immer mehr kleinen Mädchen mit Kopftüchern und von Jugendlichen, die sich zunehmend radikalisieren, von reaktionären muslimischen Organisationen, die politisch sehr aktiv sind und von der Errichtung von immer mehr Moscheen – selbst in meinen Bekanntenkreis in Köln hat sich kürzlich ein 19-Jähriger radikalisiert, der in Deutschland geboren wurde, dessen Eltern Kommunisten sind. Der innere Druck auf die Muslime wächst. In London sollen schon Sittenwächter abends herumlaufen, die Frauen erniedrigen, wenn sie kein Kopftuch tragen."