Freitag, 6. April 2012

















"Über die Überführung des deutschen Gladio-Zweigs in neue Strukturen liegt ein recht aufschlussreicher Insiderbericht vor, der leider in der Medienöffentlichkeit nie unter diesem Gesichtspunkt ausgewertet worden ist, und zwar das Buch Bedingt dienstbereit des ehemaligen BND-Agenten Norbert Juretzko aus dem Jahr 2005. Juretzko stieß im Frühjahr 1987 zu Gladio, für ihn 'eine Mischung aus staatsgefährdendem Geheimdienst-, Militär und Neonazimauscheleien.' (Fußnote)
Juretzko weiter: 'Wir waren eine geheime, paramilitärisch organisierte Truppe, die sich im Falle eines Angriffs aus Richtung Osteuropa überrollen lassen sollte. Angeblich bestand die deutsche Sektion von Gladio ... aus 104 Mitarbeitern und 26 hauptamtlichen Führungspersonen beim BND. Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges sollen es bis zu 75 Hauptamtliche des Geheimdienstes und 500 Helfer gewesen sein.' (Fußnote)
Juretzko macht das deutsche Organisationsschema von Gladio transparent: Die Truppe unterstand der DDR-Aufklärung des BND und bildete in diesem Referat die Unterabteilung 12C. Ihr Sitz war in 'einer der geheimsten Außenstellen' des BND, dem 'Sattelhof' am Bonner Platz in München. Juretzkos Chef bei Dienstantritt war der Fallschirmjägeroffizier Ollhauer, der vorher eine Spezialtruppe der Bundeswehr mit dem sprechenden Namen 'Schwarze Hand' befehligt hatte. Juretzko weiß nicht oder will nicht preisgeben, was Aufgabe dieser Spezialtruppe war. Geschichtskundige erinnern sich, dass der Name 'Schwarze Hand' auf eine Abteilung des serbischen Geheimdienstes zurückgeht, die 1914 die Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand in Sarajevo organisierte.







Juretzko selbst blieb bis April 1991 bei Gladio, als die entsprechende BND-Abteilung 12C in Folge der italienischen Enthüllungen (siehe oben) aufgelöst wurde. Danach wechselte er zu der neu geschaffenen Abteilung 12YA über, in der es zu den Aufsehen erregenden Konflikten kam, die den Zündstoff seines Buches lieferten. Diese Dienststelle in Berlin wurde nämlich gemeinsam mit dem US-Nachrichtendienst DIA betrieben, und Juretzkos Vorgesetzter erklärte gleich zu Beginn, 'dass die Amerikaner ab sofort für unsere operativen Einsätze verantwortlich seien.' Hauptaufgabe war zunächst die Überwachung des Abzugs der Roten Armee aus den neuen Bundesländern, die Besorgung von sowjetischem Militär-High-Tech und die Gewinnung von Agenten unter den russischen Soldaten und Offizieren. Im Laufe der Zeit wurde dafür auch das alte Gladio-Netz reaktiviert. Anfang 1993 gab Juretzko die Devise aus: ' Wir mobilisieren alle unsere Stay-Behind-Quellen und machen daraus Beschaffungshelfer ... (Fußnote)







Die Schwierigkeiten für Juretzko begannen, als er einen Fall von Landesverrat innerhalb des BND aufdeckte - und zwar nicht zugunsten des früheren und möglichen Gegners in Moskau, sondern zugunsten der verbündeten Briten. 'Das Doppelspiel mit MI6' hatten drei BNDler mit dem Decknamen Gassing, Wulf und Ernst begonnen.' Sie verkauften zum eigenen pekuniären Vorteil Informationen an den Auslandsgeheimdienst des Vereinigten Königreiches. Oder arbeiteten sie im Auftrag ihres Vorgesetzten? Als die BND-Führung gegen das verdächtige Trio Ende 1995 Strafanzeige erstattete und die Bundesanwaltschaft mit Ermittlungen begann, geschah etwas Unerwartetes: Unterabteilungsleiter Wolbert Smidt, ein Protegè von BND-Sicherheitschef Volker Foertsch, bagatellisierte die Sache. Smidt forderte von Juretzko: 'Sie sollten Ihre Aussage beim Ermittlungsrichter in Karlsruhe so herunterfahren, dass wir von einer Anklage in Sachen Landesverrat wegkommen! (Fußnote)
In dieser Situation platzte Juretzko der Kragen und er beschwerte sich persönlich bei BND-Chef Konrad Porzner. Porzner ließ sich die Probleme, auch diejenigen 'in der Zusammenarbeit mit den Amerikanern' schildern und polterte schließlich: ' Wieso betreiben hier eigentlich einige Leute ihre private Dienstpolitik?'
Damit eskalierte ein Kampf zweier Linien innerhalb des BND, der sich bis in die Gegenwart fortsetzt."







Aus: Jürgen Elsässer, Terrorziel Europa. Das gefährliche Doppelspiel der Geheimdienste.
Der Autor hat sich offenbar entschlossen, wirksame Gegenmassnahmen zu ergreifen. Er betreibt einen eigenen Honigtopf auf seiner Seite.





















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