Montag, 10. Oktober 2011

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Treueschwüre für die Nazis
Kollaborateure in der Dritten Welt
iz3w-Themenheft Kollaboration (PDF-Dokument)
via http://www.3www2.de/
Informationen zu den Referentinnen





"Die hier veröffentlichten Texte über Palästina, Indien und Argentinien beruhen
auf einer dreiteiligen Sendereihe von Karl Rössel, die im November 2008
vom Radiosender SWR2 ausgestrahlt wurde. Nach der Sendung über »Deutsche Islamwissenschaftler und arabische Kriegsverbrecher« verlangte das von Rössel kritisierte Zentrum Moderner Orient (ZMO) eine Gegendarstellung sowie die Entfernung von Manuskript und Podcast von der Webseite des SWR. Das Justitiariat des Senders sah für eine Gegendarstellung keine Grundlage. Trotzdem kürzte der SWR Manuskript und Audiofassung dieser Sendung um sechs Minuten, um Konflikten mit dem ZMO aus dem Weg zu gehen. Es hätten sich »hinsichtlich einiger Behauptungen des Autors nachträglich Zweifel an deren Belegbarkeit« ergeben. Karl Rössel wurde nicht konsultiert. Er verlangte daraufhin vom SWR, die zensierte Fassung der Sendung aus dem Netz zu nehmen, und erstellte für das iz3w eine ungekürzte und mit
Quellenverweisen versehene Printfassung der Sendereihe. Die Diskussion über Nazikollaborateure ist nun mit der vorliegenden Artikelreihe eröffnet."






"Zweifellos haben auf allen Kontinenten mehr Menschen gegen die Faschisten
gekämpft als an ihrer Seite. Doch es gab auch massenhafte und bedingungslose
Kollaboration vieler Akteure aus der Dritten Welt. Die Befreiung vom
europäischen Faschismus und vom japanischen Großmachtwahn wurde dadurch
wesentlich erschwert ... Allein in Lateinamerika lebten in den 1930er Jahren etwa eine Million Deutschstämmige, von denen die große Mehrheit mit den Nazis sympathisierte. »Wanderredner der Nazipartei zogen durch Lateinamerika ... Die nazistischen Feiertage wurden auf südamerikanischem Boden nach entsprechenden, aus Berlin kommenden Richtlinien unter dem Hakenkreuzbanner gefeiert. Flottenbesuche, Filmveranstaltungen, Winterhilfssammlungen, Eintopfsonntage hinterließen ihre Spuren.«1 Vor allem in Chile, Argentinien, Uruguay, Paraguay und Brasilien bedienten sich die Nazis eines weit verzweigten Netzes deutscher Vereine, Einrichtungen, Schulen und Kirchengemeinden ... Die NSDAP-AO sorgte ab 1933 dafür, dass sämtliche
Institutionen der Auslandsdeutschen gleichgeschaltet wurden. In den deutschen Schulen wurde faschistisches Gedankengut gelehrt, jüdische Kinder wurden der Schule verwiesen, und wo Eltern, wie in Buenos Aires, dagegen protestierten, drohten die Nazibehörden in Berlin, die finanziellen Zuschüsse zu streichen. »Überall bildeten sich kleine Gruppen, die, als Stoßtrupps verkleidet, den Arm zum faschistischen Gruß erhoben «, schrieb Pablo Neruda über die Nazis in Chile. »Die alten Feudaloligarchien des Kontinents sympathisierten mit jeder Art von Antikommunismus. (...) In jenen Tagen der dröhnenden Hitlersiege musste ich mehr als einmal Straßen eines südchilenischen Dörfchens oder Städtchens zwischen wahren Wäldern von Hakenkreuzfahnen überqueren."



















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