Montag, 24. Oktober 2011

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"Doch die Hilfsbereitschaft hat auch eine Dimension, die in den Fernsehbeiträgen nicht deutlich wird. Zur selben Zeit, als die Damen in Ümraniye für die Erdbebenopfer sammeln, hat sich im gleichen Stadtteil, unweit der Sammelstelle für Decken und warme Kleider, ein nationalistischer Mob zusammengerottet und bedroht das Parteigebäude der kurdischen BDP. Fast 2000 Menschen marschieren im Anschluss an eine Anti-PKK-Demonstration zum Parteibüro der BDP in Ümraniye und versuchen, das Gebäude in Brand zu setzen - zum Glück vergeblich. Die Wut der Leute richtet sich gegen die PKK, die vor knapp einer Woche bei einem Angriff auf Armeeposten im Südosten des Landes 24 Soldaten tötete. Aber bei vielen richtet sich die Wut längst gegen die Kurden an sich. Während die Türkei eine bislang beispiellose Welle der Hilfsbereitschaft erlebt, werden gleichzeitig im Internet Stimmen laut, die das Erdbeben als gerechte Strafe Gottes für die Kurden bezeichnen ... Bei den vom Erdbeben Betroffenen handelt es sich vor allem um Angehörige der kurdischen Minderheit. Van und Ercis, die beiden am schlimmsten zerstörten Orte, genauso wie die Dörfer im Hochland zwischen dem Van-See und der iranischen Grenze, sind sozusagen kurdisches Kernland."















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