Freitag, 13. Mai 2011

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Gut, dass die so jüdisch aussehende Lea Rosh als Frontfrau für ein Betondenkmal des Holocaust in Berlin gesorgt hat. Da kann man dann so schön der Erinnerungskultur bis zum Abwinken und Auskotzen frönen, nur leider hat man dennoch überhaupt keine Ahnung - als ehemalige Seminarleiterin mit viel Erfahrung kann ich davon ein lautes Lied singen. Weil man so ein riesiges Betondenkmal gebaut hat, kann man Juden dann beispielsweise sagen, dass ihre Eltern nicht im Holocaust gestorben sind, sie daher die Schnauze zu halten haben und dank dieses großartigen Denkmals in schönster Täter-Opfer-Umkehr bei so viel Erinnerungskommerz, ähh, -kultur den lebenden Juden und Israelis mit reinem und gut geordnetem Gewissen außerdem erzählen, dass sie genauso schlimm geworden sind wie die Nazis damals. Was dann auch noch die Begründung für eine ordentlich organisierte Sonderbehandlung der Nachfahren durch international vernetzte Arier liefert.






"Zwar sind Antisemiten bekanntlich völlig faktenresistent, aber ein Blick in die palästinensische Bevölkerungsstatistik überführt diese 47,7% aller Deutschinnen und Deutschen darüber hinaus auch noch der Lüge: 1948 gab es eine Million Palästinenser, heute sind es knapp 8 Millionen – von wessen Vernichtung wird da also geredet?
Außerdem sind 48,9% der deutschen Bevölkerung der Meinung: „Die Juden nutzen es für ihre Zwecke aus, dass sie in der Nazi-Zeit Opfer gewesen sind."
Das klingt nach klassischer Täter-Opfer-Umkehr, und das ist es auch; ein interessantes Selbstzeugnis, dass diese 48,9% aller Deutschinnen und Deutschen sich da ausgestellt haben. Es ist darüber hinaus davon auszugehen, dass diese beiden Meinungen hochgradig korrelieren, um nicht zu sagen: personell deckungsgleich sind; wer der ersten Aussage zustimmt, ist auch von der zweiten Meinung überzeugt, und vice versa. Was nun in der Tat ziemlich offensichtlich der Absicht geschuldet sein mag, die eigene Geschichte dadurch erträglich zu machen, dass das Opfer zum Täter und die Juden – Israelis, Zionisten – zu Nazis gemacht werden, so dass die Nachkommen der historischen Täter sich im selben Maß als Opfer fühlen können, in dem sie sich mit aktuellen „ Opfern" (Palästinensern) identifizieren; ein Phänomen, dessen Verbreitung selbst die Autoren der Studie überrascht hat.







In Großbritanien und den Niederlanden ist die Zustimmung zum letztgenannten Statement – also die klassische Täter-Opfer-Umkehr, die aus den historischen Opfern („Die Juden")" die aktuellen Täter („Die Israelis"/"Die Zionisten") zu machen versucht – nicht einmal halb so groß. 21,8% bzw. 17,2% der Briten bzw. Niederländer sind der Meinung, dass Vernichtung und Verfolgung ausgerechnet von den Objekten des Hasses „für ihre Zwecke ausgenutzt" werden; in Frankreich sind immerhin 32,3% der Bevölkerung dieser Ansicht und in Italien sogar 40%.
Tatsächlich am höchsten ist die Zustimmung zu diesem Statement in Portugal (52,2%), Ungarn (68,1%) und Polen (72,2%).
Dabei mag es sich um eine Bewusstseinsform handeln, in der die Untätigkeit („Ohnmacht") während des deutschen Vernichtungskrieges symptomatisch falsch verarbeitet wird: Indem die Opfer zu Schuldigen gemacht werden, ist das eigene schlechte Gewissen weniger schwer; den Rest hat wohl die rundum antiisraelische, dem Namen nach „ antizionistische" Propaganda des Staatssozialismus besorgt. Zumindest Ungarn und Polen hatten vor dem Vernichtungskrieg, den die Deutschen von 1939 bis 45 über Europa brachten, große jüdische Gemeinden. Während des Zweiten Weltkriegs wurden über 3 Millionen polnische Jüdinnen und Juden von den Deutschen ermordet, aus Ungarn über eine halbe Million, und in diesem Umfang konnte Vernichtung kaum ganz ohne Kenntnis der einheimischen Bevölkerung geschehen.
Der Umfang des deutschen Antisemitismus überraschte selbst das Team der Studie „ Die Abwertung der Anderen", die seitens der hiesigen Journaille bislang erfolgreich todgeschwiegen wird. Dr. Beate Küpper findet es „ bemerkenswert", dass trotz „weitverbreiter Erinnerungs- und Gedenkveranstaltungen" die Hälfte der deutschen Bevölkerung manifest antisemtisch ist.






Da muss wohl irgendwas an der deutschen „ Erinnerungs- und Gedenkkultur" schief gelaufen sein, auf die man sich hierzulande so viel, vor allem so viel „moralisch" Staatstragendes, einbildet*; den Rest besorgen Staat, Medien und Gesellschaft sich wohl selbst. Ferner betonte Frau Dr. Küpper gegenüber der Jerusalem Post, die Studie zeige für Deutschland eine deutliche Neigung zu "Antisemitismus, der sich auf Israel bezieht und sich in einer Art von Israel-Kritik versteckt, die nicht wertneutral ist". Welche Funktion die deutschen Medien hierbei haben, war nicht Gegenstand ihrer Studie, aber eine flüchtige Lektüre deutscher Presse- und Rundfunkerzeugnisse bestätigt auf den ersten Blick die Annahme, dass „Israel-Kritik" geradezu die conditio sine qua non der in Deutschland veröffentlichten Meinung ist.
Eine verbreitete Annahme mit dem Phänomen befasster Wissenschaftler ist es, dass „ Die Palästinenser" für die deutsche Psyche die Funktion des gewünschten Eigenen übernehmen, also jene Rolle, die Joschka Fischer in seiner Formulierung von den „ Opfern der Opfer" so überaus treffend auf den Punkt gebracht hat.
Diese projektive Identifikation mit der Sache „ Der Palästinenser" soll die eigene, deutsche Geschichte – und möglicherweise mit ihr verbundene Empfindungen von Schuld und Scham – der Theorie nach zumindest erträglicher machen, indem die Opfer von einst zu Tätern von heute gemacht werden.







Dass diese Art von „ Palästinasolidarität" tatsächlich gesellschaftlicher Mainstream im Deutschland zwei Generationen nach der Shoah ist, hat Dr. Beate Küppers und ihr Team in ihrer Studie mithin bewiesen. Der plumpe Antisemitismus älterer Machart steht insbesondere in den ehemals staatssozialistischen Ländern hoch im Kurs: In Polen sind 49,9%, in Ungaren sogar 69,2% der Bevölkerung der Meinung „ Die Juden haben zu viel Einfluss" in ihrem Land. In Deutschland teilen immerhin knapp 20% diese klassisch-antisemtische Vor- und Einstellung, deren Wahnhaftigkeit angesichts nicht einmal 200.000 deutschen Jüdinnen und Juden geradezu lächerlich erschiene, wenn es nicht einen seit Jahrzehnten stabilen Trend zur Schändung jüdischer Friedhöfe und Synagogen gäbe."








Täter-Opfer-Umkehr? "In der bundesrepublikanischen Linken ist der Nahostkonflikt nur vordergründig von Interesse. Der Hintergrund, der diesem Thema seine Brisanz verleiht, ist die nationalsozialistische Judenvernichtung. Die Erinnerung an die Shoah, und nicht die Analyse des Nahostkonflikts, prägt die Positionen. Das gilt für die antisemitischen KritikerInnen Israels ebenso wie für die philozionistischen VerteidigerInnen dieses Staates. Während jene rückwirkend das Verhältnis von Tätern und Opfern umkehren wollen, versuchen diese unbeholfen, sich diesem Bedürfnis entgegenzustellen.
Es ist falsch, den Kampf gegen den Antisemitismus mit einer blinden Solidarität mit Israel zu verwechseln. Dieser Irrglaube grassiert in der radikalen Linken. Sie glaubt, nach den Jahrzehnten der Ignoranz – oder schlimmer noch: des linksradikalen, antisemitischen Antizionismus – nun endlich ihre Lektion gelernt zu haben. Tatsächlich presst sie komplizierte Zusammenhänge in ein primitives Denkmodell. Die Schwierigkeit besteht darin, dass der Nahostkonflikt weder unabhängig von der Shoah noch allein aufgrund der Shoah beurteilt werden kann."

















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