Samstag, 16. April 2011

.













Newsletter Auditorium Netzwerk
Verlag, Mediathek und Archiv für audio-visuelle Medien




Eugen Drewermann:
Sanftmut - eine vergessene Qualität
Gültig von Donnerstag, den 14. April 2011
bis Donnerstag, den 21. April 2011






"In der ausverkauften Christuskirche in Basel hielt Eugen Drewermann am Dienstag, dem 12. April, einen beeindruckenden Vortrag, in dessen Zentrum die SANFTMUT stand. Die deutsche Sprache hat ja eine Reihe von Wörtern, an die das Wort Mut angehängt wird: Gleichmut, Wehmut, Sanftmut, Anmut, Demut, Schwermut. Sie alle sagen uns, dass es für diese spezifischen, menschlichen Verhaltensweisen des Mutes bedarf. Mut zum Weh, Mut zum sanft Sein, Mut Schweres anzugehen, Mut anzuerkennen und zu akzeptieren, dass es etwas für den Menschen Unerreichbares, Höheres gibt (Demut).
Es gibt, so Drewermann, zwei Weisen einem Menschen Liebe zu geben. Bei der ersten wird Zuwendung und Zuneigung nur gegeben, wenn jemand fügsam ist. Nach Erich Fromm nennt er diese die patriarchale Zuwendung. Sie wird von der traditionellen christlichen Kirche gelehrt und ist so alt, wie die Bibel selbst, denn sie findet sich bereits im Schöpfungsmythos: Adam und Eva werden aus dem Paradies vertrieben, weil sie eben nicht fügsam und folgsam sind. Sie essen vom Baum der Erkenntnis, obwohl es ihnen verboten ist, und werden vom zornigen Gott vertrieben. Am Eingang zum Paradies stehen fortan zornige Racheengel. Die Botschaft ist: Nur wenn Du so bist, wie ich es will (ertragen kann), gebe ich Dir, was Du brauchst. Und wenn du nicht so bist, wie ich es will, entziehe ich dir meine Liebe. Liebesentzug als Strafe mit oftmals lebenslangen Ängsten, die eigene Art (Eigenart) auszudrücken. Wer von uns hat das nicht in der Kindheit immer wieder erfahren, und verzweifelt mitunter heute immer mal wieder an den eigenen Ängsten Eigenart zu zeigen.






Die andere Form der Zuneigung folgt dem Säuglingsprinzip, nach Fromm ist sie matriarchal. Hier ist die Zuwendung und Zuneigung bedingungslos, und die Botschaft ist: Ich liebe dich so, wie du bist, egal, wie du bist. Zuwendung wird hier bedingungslos gegeben…also frei von Voraussetzungen. Dem entsprechend wird der Mensch geliebt, eben weil er so ist, wie er in seiner Eigenart ist. Die Frage, die sich also stellt, ist: Wie kann ich jemandem helfen und beistehen, dass er zu sich selbst heranwächst und so wird, wie nur er werden kann; und das jenseits meiner Vorstellungen. Eugen Drewermann hat hierzu eine Fülle von Geschichten, Bildern und Ideen, die er unter anderem aus den Lehren von Jesus Christus und der modernen Psychotherapie bezieht, und die er in diesem Vortrag auf eine für unsere Zeit nachvollziehbare und anwendbare Weise für uns aufbereitet hat. In seiner Arbeit bezieht sich Drewermann u. a. auf Psychoanalytiker wie Sigmund Freud, Carl Gustav Jung und Heinz Kohut, Melanie Klein, Erich Fromm und Daniel Stern. So gesehen, ist er ein moderner Psychotherapeut, der sich auch dem Numinosen öffnet (hier als göttlich oder metaphysisch verstanden). Viele Probleme, die Menschen haben, sind u. a. auf ein verdrehtes Gottesbild und eine verkehrte Sichtweise von Spiritualität zurückzuführen. Seinen Ansatz ist eine Synthese von modernen psychotherapeutischen Verfahren und den Traditionen der christlichen Mystik.
Der Kurienkardinal und Präfekt der Glaubenskongregation (das ist die Nachfolge-Institution der Inquisition) Joseph Ratzinger (unser heutiger Papst Benedikt) drückte in einem 1986 verfassten Schreiben an den Paderborner Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt „große Besorgnis“ über Drewermanns öffentliche Äußerungen aus, und wies den Erzbischof an, Maßnahmen gegen Drewermann einzuleiten. Als Drewermann 1991 in einem Interview mit dem Spiegel die Jungfrauengeburt als biologische Tatsache anzweifelte, kam es zum Entzug der Lehr- und Predigtbefugnis.
Ich war selbst am Dienstagabend in der Christuskirche in Basel und dachte bei mir, als ich Drewermann so auf der Kanzel sah; wenn ich so einen als Pfarrer gehabt hätte, und auf mehr dieser christlichen Priester getroffen wäre, wäre es mir schwerer gefallen, das Christentum hinter mir zu lassen. Aber leider werden die guten, denen zeitgemäße spirituelle Entwicklung wichtig ist, aus der Kirche rausgeworfen: Hans Küng, Willigis Jäger, Eugen Drewermann. Der Vortrag ist sehr gut. Ich kann ihn sehr empfehlen. Da es in der gotischen Kirche zu dunkel war, haben wir nur auf CD aufgenommen."
















.