Dienstag, 1. März 2011

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"So viel Scheinheiligkeit war selten"? Nun, es ist zum Beispiel scheinheilig, DAS Internet als Verteidiger bürgerlicher Werte zu bezeichnen, statt zu schreiben, dass Frontgruppenführer - Hallo Anonymous! - wieder zum (schein-)heiligen Wahn-Kampf im Netz geblasen hatten.
ISLA-Eintrag am Dienstag, den 15. September 2009: Das kleine gebildete Scheisserchen gibt sich gerne dümmer als er ist. Interessant wird es immer dann, wenn dazu noch eine gewisse Unruhe auftaucht bei der Nennung bestimmter Namen. Ich sage, dass ich es interessant finde, wie die Helden von Anonymous unter der Maske des katholischen Parlamentsstürmers Guy Fawkes, "Hää? Weer?", weltweit gegen Scientology Stimmung machen. Noch nicht gelesen habe ich da die Einleitung von Jürgen Elsässer, Terrorziel Europa, Das gefährliche Doppelspiel der Geheim-dienste, aus der ich jetzt ein bisschen länger zitiere, weil ich sie für eine gelungene bildungsbürgerliche Anekdote halte. Ich sehe übrigens gerade, hoppala, heute das zweite Mal, dass da jemand über Winnenden etwas mehr sagen wird? Las ich nicht heute schon mal etwas bei einem anderen Autor vom begleitenden Killerkommando? Das war aber nicht der, der sich hin und wieder in meinem Feedreader als Prophet betätigte? Nee nee, das war jetzt wirklich nur Spaß. Tolles Theater! Nun, also, ich zitiere denn mal Elsässer zu dem Film "Elisabeth - Das goldene Königreich":





"Mit Hilfe katholischer Glaubensgenossen unter Führung von Anthony Babington und der katholischen Schutzmacht Spanien plante Maria Stuart ihren Ausbruch, ja sogar den Sturz von Elisabeth, und lief dabei in die Falle des englischen Polizeiministers Walsingham. Der nämlich schaffte es, Marias Verschwörertruppe mit seinen V-Leuten zu unterwandern und so den Ereignissen eine Wendung zu geben, welche schließlich mit der Hinrichtung Maria Stuarts endete - und dem Aufstieg Englands zur Kolonialmacht.
Fanatiker und Instrukteure. Im Elisabeth-Film wird die Geheimdienstoperation der Engländer unterschlagen, und es bleibt einzig übrig, was von schottischer Seite gegen Elisabeth geplant wurde: die Verschwörung von Marias Anhängern. Wer sich für die Tatsachen interessiert (und trotzdem gut unterhalten werden möchte), muss zu einem Buch von Stefan Zweig aus dem Jahre 1951 greifen. In seiner historischen Kolportage Maria Stuart zeichnet der Schriftsteller anhand zeitgenössischer Dokumente nach, wie Walsingham, "einer der fähigsten und skrupellosesten Polizei-minister aller Zeiten", in Babingtons Verschwörergruppe "unter der Maske leidenschaftlicher Katholiken einige seiner Spione ... geschickt hat. (Fußnote)
Im Jahre 1586 ist Maria Stuart bereits seit 18 Jahren in der Schutzhaft von Elisabeth. Die Männer von Babington - allesamt fanatische Katholiken, erfüllt von der "Gläubigkeit junger romantischer Naturen (Zweig) - planen den Ausbruch ihrer Königin aus der düsteren Festung Fotheringhay und hoffen, dass sie dann die Unzufriedenen auf der Insel sammeln und den Londoner Thron usurpieren kann. "Bald aber tauchen in dem Bunde der Ehrlichen einige Männer auf, die viel entschlossener sind oder sich gebärden als Babington und seine Freunde. Vor allem jener Gifford, den Elisabeth später mit einer Jahrespension von hundert Pfund für seine Dienste belohnen wird. Ihnen scheint es nicht genug, die eingeschlossene Königin zu retten. Mit einem merkwürdigen Ungestüm drängen sie auf eine ungleich gefährlichere Tat, auf die Ermordung Elisabeths ... (Fußnote) Walsingham "lässt seine schuftigen Agents Provocateurs drängen und drängen, bis endlich Babington und seine Freunde wirklich auch das von Walsingham benötigte Attentat gegen Elisabeth ins Auge fassen. (Fußnote)
"Benötigt" wird das Attentat von Geheimdienstchef Walsingham aus triftigem Grund: Für die bloße Befreiung Maria Stuarts könnte er zwar die Entführer selbst enthaupten lassen, nicht aber die Schottin selbst. Ein gerade verabschiedetes Sondergesetz gibt jedoch die Handhabe, im Falle eines Mordkomplotts jeden hinzurichten - auch die Thronrivalin. Also werden die katholischen Konspirateure mit Hilfe von Polizeispitzeln dazu gebracht, ihren ursprünglich harmlosen Plan auf dieses Ziel hin zuzuspitzen. Maria Stuart wird indessen, wiederum durch Einflüsterungen von V-Leuten, dazu überredet, eigenhändig der Wahnsinnstat ihre Zustimmung zu geben (es gibt auch Hinweise, dass der entsprechende Brief Maria Stuarts komplett vom Secret Service gefälscht wurde). Nun konnte das Komplott aufgedeckt werden, nun war die Gelegenheit für die große Abrechnung gekommen: Die schottische Königin wurde verhaftet, schuldig gesprochen und schließlich am 8. Februar 1587 vom Scharfrichter geköpft. Es war das erste Mal in der Geschichte der europäischen Dynastien, dass ein gekröntes Haupt abgeschlagen wurde.






Stefan Zweig schildert die weltpolitischen Auswirkungen: "Elisabeth hat endgültig gesiegt und England mit dem Tode Maria Stuarts seine äußerste Gefahr bestanden. Die Zeiten der Abwehr sind vorüber, mächtig wird nun seine Flotte ausgreifen können über die Ozeane nach allen Erdteilen und sie großartig zum Weltreich verbinden. Der Reichtum wächst, eine neue Kunst blüht auf in Elisabeths letzten Lebensjahren. Nie war die Königin mehr bewundert, mehr geliebt und verehrt als nach ihrer schlimmsten Tat. Immer sind aus den Quadern der Härte und des Unrechts die großen Staatsgebäude gebaut, immer ihre Fundamente mit Blut vermörtelt; Unrecht haben in der Politik nur die Besiegten, und mit ehernem Schritt geht die Geschichte über sie hinweg. (Fußnote)






Mobilmachung und Krieg. In vielen Polizeiaktionen gegen den sogenannten islamistischen Terror wiederholten sich die Grundmuster der Walsingham-Operation ggen die katholischen Untergrundkämpfer: Auf der einen Seite befinden sich religiöse Fanatiker und Schwärmgeister, die für ihren Gott und den Sieg ihres Glaubens durchaus zu kriminellen Aktivitäten bereit sind. Vor dem Äußersten, dem Massenmord, schrecken sie jedoch zurück, oder sie sind zumindest aufgrund ihres Dilettantismus nicht dazu in der Lage. Auf der anderen Seite stehen Instrukteure der jeweiligen Staatssicherheit, die in die klandestinen Strukturen der Verschwörer einsickern, dort die irregeleiteten Desperados zu immer blutigeren Vorhaben drängen und ihnen erforderlichenfalls auch das Know-how sowie den Sprengstoff für den Terror liefern. Wenn dann der Coup - vor oder nach dem Blutbad - aufgedeckt wird, hat die Staatsmacht die Legitimität zur Durchsetzung diktatorischer Befugnisse".














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