Samstag, 22. Januar 2011

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"Wir öffnen ein Fass, von dem wir nicht wissen, was drin ist«, zitiert man den BND-Präsidenten Ernst Uhrlau. Ganz so abenteuerlich ist es nicht, das Fass zu öffnen. Man hat genehme Historiker ausgesucht und wie man hört, hat ein einstiger BND-Geheimschutzmann die Akten vorsortiert.
(Insofern fehlt diesem Satz aus einem anderen Artikel natürlich die Prämisse: "Kopien der bis vor kurzem geheimen Akten sind nun im Bundesarchiv frei verfügbar." Anm. A.H.)
Zugleich »offenbarte« der Dienst quasi als Vorleistung Bekanntes: Man hielt den Aufenthaltsort des Holocaust-Organisators Adolf Eichmann lange geheim und führte den »Henker von Lyon« Klaus Barbie als V-Mann. Am Mittwoch hat die Koalitionsmehrheit im Innenausschuss des Bundestages die von LINKEN und Grünen befürwortete Öffnung der BND-Akten abgelehnt, die SPD enthielt sich. Am Abend gab es auf Antrag der Linksfraktion überraschend eine Aktuelle Stunde zum Thema, die aber nicht überraschend verlief ...






Bei Gehlen und im BND machte Hans Günter Bernau dann wirkliche Karriere. Am 3. Dezember 1971 ernannte ihn Bundespräsident Gustav Heinemann (SPD) – der in Nazi-Zeiten illegale Flugschriften gegen die Diktatur hergestellt hatte – zum Leitenden Regierungs-direktor. Bernaus Beerdigung war am 19. September 1996 auf dem Friedhof in Bad Wörishofen. »Such' das Licht, den Tod fürcht' nicht«, steht auf der Traueranzeige für »Oberst a.D.« Bernau, die mit dem Deutschen Kreuz geschmückt ist. »Statt Blumen bitten wir um Ihre Spende an die Kriegsgräberstiftung »Wenn alle Brüder schweigen«, ist zu lesen.







Die Stiftung, ein eingetragener Verein, wurde 1993 als Nachfolger der Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit, kurz HIAG, gegründet. Diese Vereinigung ehemaliger Waffen-SSler war in der alten Bundesrepublik höchst einflussreich. Alle relevanten Parteien der unterhielten offizielle und inoffizielle Beziehungen zur HIAG. CDU und CSU suchten erst in den 80er Jahren einen gewissen Abstand. Bis dahin schätzte man das Wählerpotenzial von 500 000 Ex-Nazis sehr. Kanzler Adenauer besuchte sogar den späteren Chef der HIAG, SS-General Kurt Meyer, im Kriegsverbrechergefängnis. Selbst Helmut Schmidt soll sich als Mitglied des SPD-Bundesvorstandes zur HIAG begeben haben, um über »Soldatentum und Sozialdemokratie« zu referieren.
Und das alles, obwohl die HIAG bis zur Auflösung des Bundes-verbandes 1992 vom Verfassungsschutz beobachtet wurde. Ist es nicht schizophren, wenn Hans Günter Bernau, Oberst der Bundeswehr und Leitender Regierungsdirektor beim BND, offen als Autor des HIAG-Sektenblattes »Der Freiwillige« und des Munin-Verlages in Erscheinung tritt?"







"... Nach bisheriger Auswertung der Archivalien ist klar, dass Barbie in Südamerika für US- und westdeutsche Geheimdienste seinen antikommunistischen Kreuzzug ungebrochen fortsetzte. In enger Kooperation mit der CIA, dem westdeutschen BND und der ihm nahestehenden westdeutschen Rüstungsfirma MEREX A.G. versorgte der ehemalige Nazi-Militär rechtsgerichtete Regime in Südamerika mit Waffen. Nach dem Militärputsch von General René Barrientos Ortuño 1964 bildete er dessen Schergen in Verhörmethoden, Folter und Aufstandsbekämpfung aus. Barbie war Experte darin: In Lyon hatte er die Strukturen der Résistance bis Kriegsende fast vollständig zerschlagen. In einem Interview von 1983 sagte Boliviens Innenminister Gustavo Sanchez Salazar zu Barbies Wirken: »Mein Land hat Menschenleben seinetwegen verloren. Mit ihm sind Foltermethoden eingekehrt. Barbie hat seinen europäischen Krieg auf bolivianisches Territorium übertragen.«
Erst nach der Demokratisierung Boliviens wurde Klaus Barbie 1983 nach Französisch-Guayana deportiert."


















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