Montag, 27. September 2010

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"Wie die Mafia die Welt erobert: Ob Spiesen-Elversberg, Caracas oder Toronto - die Mafia ist überall. Kein Land der Welt bleibt von den Statthaltern der kriminellen Holdings verschont. Clan-Experte Francesco Forgione hat die Handelsrouten und Wohnorte der Bosse ausgemacht - und nirgendwo sind sie so präsent wie in Deutschland.





... In seinem Buch "Mafia Export" beschreibt Forgione detailliert und kenntnisreich, wie Cosa Nostra, 'Ndrangheta und Camorra geschätzte 130 Milliarden Euro im Jahr umsetzen. Wie sie etwa die Hälfte davon in Schmuggel, Drogen- und Waffenhandel sowie die Gehälter ihrer "Angestellten" und die Unterstützung inhaftierter "Mitarbeiter" investieren. Und wie sie dann die verbliebenen 50 Prozent in die legale Wirtschaft pumpen, das Geld so reinwaschen wie die Bett-laken einer sizilianischen Jungfrau.
So wurde die spanische Costa del Sol längst in "Cosca del Sol" oder "Costa Nostra" umgetauft, nach den kalabrischen und sizilianischen Mafiosi, die hier weitgehend ungestört von den Behörden kräftig in Tourismus, Gastronomie, Lebensmittelbranche und Rauschgifthandel investieren. Laut Forgione gab es in den vergangenen 15 Jahren "keine größere Ladung Drogen aus Süd-amerika oder Afrika, die nicht über Spanien nach Europa gelangt wäre". Es käme sogar zu Absprachen unter den verschiedenen italienischen Gruppierungen, um die Importpreise stabil zu halten.
Anhand der Geschichte des in Venezuela lebenden ehemaligen Abgeordneten der Democrazia Cristiana (DC), Aldo Miccichè, zeichnet Forgione nach, wie Politik, Pharmaindustrie und organisierte Kriminalität über Tausende Kilometer hinweg ihre gemeinsamen Interessen durchsetzen." (weiter)






"Der Autor Francesco Forgione stammt aus Kalabrien, war aber viele Jahre Fraktionssprecher der Linkspartei Rifondazione Comunista im Regionalrat Siziliens. Heute lehrt er an der Universität L'Aquila (Abruzzen) Soziologie der organisierten Kriminalität. Er weiß wovon er spricht: Unter Prodis Regierung stand er von 2006 bis 2008 der Antimafia-Kommission des italienischen Parlaments vor. Im Gespräch warnt der 50-Jährige vor der Unterschätzung des Phänomens Mafia gerade durch die deutsche Öffentlichkeit. Auch in der Bundesrepublik habe sich eine Grauzone gebildet, in der deutsche Baufirmen etwa mit Camorra-Unternehmen zusammen-arbeiteten oder Freiberufler Mitglieder der 'Ndrangheta unter-stützten."






Francesco Forgione, Mafia-Export: Wie 'Ndrangheta, Cosa Nostra und Camorra die Welt erobern, Riemann Verlag (27. September 2010)

















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