Sonntag, 15. August 2010

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Zen, Samurai und Faschismus: 'Der Text verlangt, "die eigene Frau erschlagen, wenn sie Ehebruch begeht." Auch wird hier die körperliche Liebe mit einer Frau als die "größte Wahnidee der Menschheit" angesehen. Morbide Todesmystik und zynische Lebensverachtung gelten als hohe Religiosität und Tugend: "Stell dir jeden Morgen aufs neue vor, dass du bereits tot bist." Oder: "Wenn du nicht weißt, ob du sterben oder leben sollst, dann stirb." Oder: "Die geheime Formel lautet daher, stets auf den Tod lauern und entschlossen zu sein, in jedem Moment sterben zu können." Die philosophische Essenz des Hagakure wird von dem Text selber in einem Satz zusammengefasst, der lautet: "entschlossenes Handeln am Rande des Wahnsinns" ...







Wenn der Piper-Verlag dieses „Killer-Buch“ für japanische „Gottes-krieger“ auf dem Klappentext als „spirituellen Leitfaden für den beruflichen und privaten Erfolg auch in der heutigen Welt“ anpreist, dann wundert einen die derzeitige Entwicklung auf unserem Planeten nicht mehr ...








Der Zen-Buddhismus besitzt die Fähigkeit, sich allen politischen und religiösen Systemen anzupassen. „Er kann sich“ – so der im Westen bekannteste Zen-Philosoph Daisetz Teitaro Suzuki – „mit anarchistischen oder faschistischen, kommunistischen oder demokratischen Idealen, mit Atheismus oder Idealismus, mit jedem politischen oder wirtschaftlichen Dogma befreunden.“ – also auch mit dem Christentum oder mit dem Kapitalismus. Diese Flexibilität komme daher, so westliche Vertreter der östlichen Philosophie, dass es sich im Falle des Zens um eine „gegenstandslose Meditation“ handele. Suzuki dagegen ist deutlicher, wenn er offen erklärt, die Kräfte des Zens könnten manchmal „teuflisch“ sein und diese Religion stehe jenseits „moralischer“ Überlegungen.
Es ist nicht zuletzt dieser A-Moralismus, der den Zen-Buddhismus für faschistische Ideologen in Japan, Deutschland und Italien besonders attraktiv gemacht hat. Suzuki selber entwickelte während des Krieges zusammen mit den faschistischen Militärs Japans eine Zen-Pädagogik, die den Soldaten das emotionslose Sterben und Töten beibrachte: „Das Soldatische, verbunden mit Mystik und dem Erhabensein über weltliche Belange, ist etwas, das Menschen von starker Willenskraft liegt. Hier entspricht der Zen dem Geist des Bushido - dem Weg des Kriegers.“ (Suzuki). Die folgenden Grundanschauungen machen der „Zenismus“ für totalitäre Militärgesellschaften besonders attraktiv: die totale Aufgabe des Ichs und der eigenen Persönlichkeit, die Negation der Seele, die bedingungslose Unterordnung unter den Patriarchen (Guru), die völlige Kontrolle über die eigenen Gefühle bis hin zur Emotionslosigkeit, im Bushido die Verachtung des Körpers, die Verherrlichung des Todes, der Krieg als Erleuchtungsweg und die absolute Treue gegenüber dem Gefolgsherrn.'


















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