Freitag, 23. Juli 2010

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'"Herrschaft" kann legitim oder illegitim sein. Illegitime Herrschaft ist die Manipulation des Willens oder des Körpers anderer zu eigenen Zwecken. Eine solche Herrschaft kann direkt oder indirekt ausgeübt werden und mit mehr oder weniger Gewalt verbunden sein. Herrschaft in diesem Sinne darf es in der Erziehung eigentlich nicht geben, die ja dem Wohle des Kindes gilt. In der Reformpädagogik war das oft nur Rhetorik und so Tarnung. Am offensichtlichsten ist das dort, wo der "pädagogische Eros" die Praxis begründen sollte. Gemeint ist die frei gewählte Freundschaft zwischen einem älteren Knaben und einem erwachsenen "Führer", die in Wirklichkeit nichts weiter war als ein klandestines Herrschaftsverhältnis.
Begründungen, warum ausgerechnet der antike "Eros" das Zu-sammenleben in den Landerziehungsheimen prägen sollte, konnten in den zwanziger Jahren an verschiedenen Stellen gelesen werden. Einer der prägenden Autoren war der homosexuelle Jurist und Altphilologe Otto Kiefer; sein Artikel "Der Eros und die Land-erziehungsheime" ist 1924 unter einem Pseudonym in der Zeit-schrift "Der Eigene. Ein Blatt für männliche Kultur" veröffentlicht worden. Kiefer wurde 1918 im Alter von 42 Jahren Lehrer für Griechisch, Latein und Geschichte an der Odenwaldschule und war dort bis 1935 tätig. Er wurde also auch noch unter den National-sozialisten weiter beschäftigt. Schon vor seiner Zeit an der Odenwaldschule war Kiefer ein bekannter Publizist, der zahlreiche Schriften zur antiken Homosexualität, zur erotischen Knabenliebe und zum Jünglingsideal veröffentlicht hatte. Das geschah bei allen diesen Autoren unter Rückgriff auf das griechische Konzept der platonischen "Knabenliebe", die theoretisch von manifesten sexuellen Handlungen abgegrenzt wurde." (Siehe dazu: ISLA-Blog "Reformpädagogik")
















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