Sonntag, 20. Juni 2010

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"Gott ist Vater, mehr noch, er ist uns auch Mutter." Ein Zitat von Johannes Paul II aus dem Jahr 1978. "Gott – das ist doch dieser alte Mann mit Rauschebart. Dieses Bild, das sich in den Köpfen der Christen geformt hat, ist beharrlich männlich. Daran aber soll sich etwas ändern. Im Bamberger Diözesanmuseum wird eine Ausstellung inszeniert, die die verborgene Seite des biblischen Gottes ent-hüllt: „Gott weiblich“ titelt die Präsentation, die schon vor ihrer offiziellen Eröffnung landesweit für Furore sorgte." Im Zentrum der Ausstellung steht eine einzigartige Zusammenschau von Göttinnen und Frauenbildern aus dem Alten Orient, rund 250 Exponate aus einem Zeitraum, der sich über annähernd zehn Jahrtausende erstreckt. Und die ersten Kommentare unter dem Artikel sind bereits auf Kriegsmodus eingestellt, wie nicht anders zu erwarten, wenn man zum Kern kommt.






Die Ausstellung „Gott weiblich – eine verborgene Seite des biblischen Gottes“ ist im Bamberger Diözesanmuseum, Domplatz, vom 8. Mai bis zum 3. Oktober zu sehen. Täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr. Die Ausstellung behandelt folgende Themenbereiche:






1. Das Haar: Inszenierung und Verhüllung
2. "Segen der Brüste" - die Göttin Aschera
3. Fürbitterinnen
4. Himmelskönigin
5. Maat - Frau Weisheit
6. Unfassbares Geheimnis
7. Leben und Tod: Mutterschaft und Totenklage
8. Isis - ein Familiendrama
9. Göttin und Pflanzen
10. Göttin und Tiere
11. Göttin und Löwe
12. Tanit - eine gefährliche Mutter?
13. Jungfräulich - kämpferische Göttin
14. Göttinnen und die Taube als Liebesbotin






Online: Mehr unter "Gott weiblich".





Ein Zitat zur ersten Ausstellung im Rottenburger Diözesanmuseum bei "beziehungsweise - weiterdenken - Forum für Philosophie und Politik" aus dem Jahr 2008: 'Es hat sich eben doch was verändert, seit Christa Mulack 1985 ihr Buch "Maria, die geheime Göttin im Christentum" veröffentlichte und mit ihren Thesen zur Persona non grata in offiziellen Kirchenkreisen wurde. Nicht, dass ich in der Ausstellung oder der sie begleitenden Literatur irgendeinen Hinweis auf die Forschungen von Christa Mulack oder Gerda Weiler gefunden hätte. Da sind die Berührungsängste wohl immer noch zu groß ... Weitere Abschnitte beschäftigen sich mit "Frau Weisheit", der "Göttin und die Pflanzen" oder den "Göttinnen und die Taube als Liebesbotin". Sie sind ästhetisch präsentiert, gut erklärt und schön anzusehen; faszinierend insbesondere verschiedene kaum zwei Zentimeter große Rollsiegel, auf deren Abdruck zum Beispiel eine als Baum verehrte Göttin mit zwei Fischen und zwei Verehrerinnen, kunstvoll herausgearbeitet, sichtbar werden. Die flankierenden Fische symbolisieren das Wasser und, laut Keel, kann der "Baum des Lebens" wie das "Wasser des Lebens" eine Erscheinungsform der "Mutter alles Lebendigen" sein.
Durchsetzt sind die antiken Exponate mit christlichen Marien-darstellungen, die den Untertitel der Ausstellung "Von der orientalischen Göttin zum Marienbild" legitimieren. Anschaulich ist zu sehen, was Feministinnen schon länger wissen: Die Marien-symbolik und bestimmte uns durch sie vertraute Körperhaltungen sind weit älter, als das Christentum. Die Christen haben erst im Jahr 431 auf dem Konzil von Ephesos ihrer monotheistischen Religion Maria als Gottesgebärerin beigegeben, nachdem sie gemerkt hatten, dass sie ohne ein weibliches Äquivalent zur alten Göttin wohl kaum eine Chance haben würden, sich unter den Menschen in Mitteleuropa weiter auszubreiten.'















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