Samstag, 27. März 2010

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"Die gegenwärtige Hatz auf Besitzlose ist genau besehen keineswegs so neu, wie viele vielleicht denken. Schon 1997 erklärten Wirtschaftslobbyisten in Düsseldorf, Obdachlose seien "wie Graffitis und Taubenkot kein Anblick, der zur Steigerung von Attraktivität und Kaufkraft beiträgt" und gehörten "weggeräumt" (vgl. NRZ 13.3.1997; WZ 15.3.1997). 1999 wurde im Kommunalwahlkampf dann eine "Verteidigung der öffentlichen Ordnung gegen Alkoholismusszenen, Pennertum, aggressives Betteln" beschworen. Ich war damals beruflich in der psychosozialen Begleitung von HIV-positiven Drogengebrauchern tätig und fühlte mich bei diesem Sprachgebrauch an schlimme Geschichtszeiten erinnert. Meine Klienten bekamen das – von einem bürgerlichen Populisten geschürte – aggressive Klima in der Stadt zunehmend zu spüren. Wir – Christen aus Sozialberufen, Theologen, Theologinnen, sehr bekannte Ordensleute aus der Arbeit mit Armen und die Straßenzeitung fiftyfifty – legten direkt nach der Wahl eine Ökumenische Erklärung zur Achtung der Bürgerrechte von Wohnungslosen und "Suchtkranken" vor.
Dem daraus erwachsenden Bündnis schlossen sich Künstler und Prominente an, die mit öffentlichen Aktionen den Protest begleiteten. Die Medien berichteten täglich. Der Druck wurde so groß, dass es zu einer Anhörung im Rat kam. Dort erklärte z.B. der katholische Stadtdechant, jeder Bettler sei ein Ebenbild Gottes und habe die gleichen Rechte wie wohlhabende Besucher von Einkaufszentren."







Anmerkung: Wir alle wollen schöner wohnen mit Blumen, Kräutern und Bäumen. Nicht nur gute Christen, Prominente und massenmedial aufgezwirbelte KünstlerInnen haben dieses erkannt. Aufgrund der etwas einseitigen Stellungnahme im Artikel daher der kurze Hinweis, dass es beispielsweise die rot-grüne Regierung und Finanzminister Hans-Eichel sowie dessen von Bayer ausgeliehener Staatssekretär und eine entsprechende massenmediale Begleitmusik aus dieser Multimilliarden-Industrie waren, die dafür sorgten, dass große Unternehmen nicht nur keine Körperschaftssteuer mehr zahlen mußten, sondern sogar Steuerrückerstattungen erhielten, was riesige Finanzausfälle zur Folge hatte. Und wer hat dafür gesorgt, dass es richtig lukrativ wurde, solide deutsche Mittelstands-unternehmen aufzukaufen und dafür horrende Provisionen zu erhalten, diese Unternehmen bis zur Oberkante zu verschulden und daran auch wieder zu verdienen? Na, welcher Kanzler war das wohl? Ich erwähnte dazu die folgende kleine Episode in der Kölner Innenstadt schon einmal im Blog und schreibe es auch noch einmal sehr deutlich: Wer erpresst wird, egal aus welcher Partei, wer Angst hat um sein Leben, das seiner Angehörigen oder der WählerInnen, sollte das offen sagen. Es können nicht immer alle erpresst werden. Wir alle als BürgerInnen nicht nur der Bundesrepublik Deutschland können die Welt bunter und gerechter gestalten. Im übrigen hoffe ich gerade aufgrund eines aktuellen Vorfalls, dass wir nie mehr in die Zeiten kommen, in denen diese Form von Werbung mit Volksverhetzung und Sündenbocksyndrom wieder Mode wird. Die (Wirtschafts-)faschisten lachen sich - genau wie damals - nämlich sonst eins in Fäustchen. Es sei auch auf das Kampfmittel der stereotypen Stilisierung und des Schauspiels hingewiesen: Beispielsweise der geldgeile asoziale und muslimhassende Jude. Oder wahlweise der hasspredigende, manchmal angeblich konvertierte Islamist. Na, ist Ihnen diese Form von (Blog-)Beiträgen und öffentlichen Darstellungen auch schon mal irgendwo aufgefallen? Und wer, glauben Sie, hat wohl alles an der Verbreitung solcher aufmerksamkeitsstarken Bilder oder auch an der Verbreitung von patriarchal religiösem Fundamentalismus auf dem Rücken von Frauen ein Interesse? Am 24.9.09 schrieb ich:






Ich sah viele Widersprüche. Und kann mir manches heute erklären. Vor Jahren stellte ich in den Zeiten von Rot-Grün in der Innenstadt bei einer Wahlkampfveranstaltung eine Frage: Wenn denn kleine Unternehmen unterstützt werden sollen, so wie sie sagt, warum dann dieses Theater um die Körperschaftssteuer? Die Antwort: Der sehr zarten, gar nicht unsympathisch ökologischen Frau zitterten plötzlich die Hände. Einer ihrer Begleiter übernahm kurz, bevor sie sich wieder fing.













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