Mittwoch, 17. Februar 2010

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"Wir alle sind verführbar"
Interview mit Philip Zimbardo
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Professor Zimbardo, ist der Mensch im Kern böse?



Nein, gar nicht. Um es extrem zu formulieren: Viele Menschen haben keinen Kern. Wer wir sind, und wer wir glauben, dass wir sind, ist geformt von Gewohnheiten, von Situationen, die wir kennen. Gleiche Freunde, gleiches Essen, gleiche Orte: Das gibt uns das Gefühl von Kontrolle. Das Böse entsteht fast immer dann, wenn jemand in eine ungewohnte, neue Situation kommt, wo die alten Gewohnheiten nicht funktionieren. Automatisch versucht man herauszufinden, was dort die akzeptierte Form des Verhaltens ist. Wenn das Rassismus und Misshandlung sind, ist die Gefahr groß, dass man mitmacht.







Stichwort: Milgram-Experiment, das unter der Leitung von Professor Zimbardo stattfand:





"als individuen handelten sowohl die nazi- als auch die US-menschenquäler nach denselben strickmustern. näheres dazu unter dem stichwort "milgram-experiment". insofern, auf menschlich-individueller ebene gibt es keinen unterschied. beide wähnten, im auftrag einer "höheren macht" zu handeln, beide hielten ihre schwäche (nämlich ihre unfähigkeit, sich unmenschlichen anordnungen zu widersetzen) für stärke (angesichts des von ihnen verursachten leids).
"Zwar war auch schon lange bekannt, dass Ärzte und Psychologen bei der Folter behilflich waren (Abu Ghraib, die Folter und die Mitverantwortung der Ärzte, Das Pentagon und die Folter). Das wurde jetzt erneut bestätigt. Das unter Bush und Cheney aufgebaute Folter- und Unrechtssystem übte sicher erheblichen Druck auf alle in der Befehlskette aus, erschreckend ist allerdings doch immer wieder, wie die Menschen – bis hinauf in die intellektuelle "Elite" (Die intellektuellen Wegbereiter von Folter und Willkürjustiz) - fügen, Gutachten zur Rechtfertigung des Unrechts verfassen, Befehle befolgen und "kreativ" wie gerade Ärzte und Psychologen Ratschläge anbieten, um die Folter zu verstärken und die Opfer psychisch und physisch zu brechen (Ein System der Folter in Guantanamo).







Stichwort: Martha-Mitchell-Effekt





"Wird einer Person absichtlich oder irrtümlich von Ärzten, Psychiatern, Justiz oder Politikern eine Geistesstörung (Wahn, Paranoia) zugeschrieben, um zutreffende Erkenntnisse, die diese Person an die Öffentlichkeit bringt, zu diskreditieren, dann spricht man in der Fachliteratur vom Martha-Mitchell-Effekt. Dr. Thomas Grüter schreibt hierzu (2004, S. 12): "Die Fehldeutung von Tatsachen als Wahnideen ist unter dem Namen »Martha-Mitchell-Effekt« bekannt. Martha Mitchell war die Frau des ehemaligen US-Justizministers John Mitchell. Im Oktober 1972 wurde er beschuldigt, den Einbruch in die Wahlkampfbüros der demokratischen Partei im Watergate Hotel in Washington D.C. beauftragt zu haben. Frau Mitchell informierte mehrfach die Presse darüber, dass ihr Mann nur als Sündenbock für den eigentlichen Drahtzieher herhalten sollte: Präsident Richard Nixon. Das Weiße Haus streute daraufhin falsche Informationen über ein angebliches Alkoholproblem der Minister-gattin und unterstellte ihr Wahnideen."











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