Sonntag, 11. Oktober 2009

.








Demütigung und Destruktivität. Folterer- und Spezialsoldatenausbildung in psychopolitischer Perspektive




"Typischerweise findet dieses Training zur Zeit der Adoleszenz (14. bis 25. Lebensjahr) statt, also während einer Entwicklungsphase, die sich durch starke Selbst-Unsicherheit und deutliche hirnmorphologische Umstrukturierung kennzeichnen lässt.

Das Training schließt massive körperliche Einwirkungen ein, wie systematische Schmerzzufügung, das Abverlangen von Extremleistungen, die Einbringung von Wiederholungsmonotonie (Exerzieren, Gleichmarsch, Ordnen, Singen), Überstimulation (Lärm, Licht), Zeitdruck und Stören des Schlaf-/Wachrhythmus.

Die Probanden werden in unterschiedlichen Formen seelisch gedemütigt, z.B. durch Beleidigungen, Kränkungen, Versagen-Lassen, Bloszstellung vor der Gruppe, Aufbau von Double-Bind-Beziehungsmustern, Ausführenlassen unsinniger Befehle und der Anwendung grausamer Initiationsriten.

Das Training setzt auch eine Isolierung von den gewohnten Lebensumständen und -kontexten voraus, z.B. durch Kasernierung, Sprachverarmung, Informationsabschirmung. Eine extreme Form, die von der Terroristenausbildung bekannt geworden ist, stellt das Eingegrabenwerden neben einer Leiche dar.

Im Training wird gezielt Gruppendruck hergestellt und eingesetzt. Die Gruppe wird für die „Tat” des Einzelnen bestraft. Der Einzelne steht damit unter der Dauerkontrolle der Gruppe. Die Gruppe huldigt dem Ethos der Selbstoffenbarung/-anklage, so dass schließlich eine sektenähnliche Gruppenkohäsion entsteht.

Die Sexualität der Gruppenmitglieder wird unter starker Kontrolle gehalten.

Einerseits kann sexuelles Verhalten, auch unter dem Gebot der ‚Reinheitsverpflichtung‘, verunmöglicht werden, andererseits kann sie als Gruppenvergewaltigung / öffentliches Masturbieren ausgelebt werden, wobei eine Verbindung zwischen Waffe und Genital sowie eine Verunglimpfung der Frau und der Homosexualität hergestellt wird. Sexueller Missbrauch kommt häufig vor.

Viele Maßnahmen zielen andererseits auf die Bildung von Größenfantasien/Elitebewusstsein, z.B. als „Retter der Nation, Gottes liebste Söhne” ab.

Es findet eine Reduktion geistiger Komplexität in Form von Schwarz-Weiß-Schemata statt, was von den Trainern zum Aufbau eines benötigten Feindbildes genutzt wird, auf das Aggressions- und Vernichtungswünsche projiziert werden können (z.B. „Nigger”, „Jude”, „Moslem”, „Terrorist”, „Imperialist”, „Saddam Hussein”).

Eine stufenartige Einweisung und Einübung in Handlungen von Grausamkeit schließt die Misshandlung von Mitrekruten, das Töten von Tieren (z.B. Schweinen), aber auch Gefangenen ein.

Einen wesentlicher Teil der seelischen Torturen stellen Demütigungen dar.




Das Selbst des Rekruten steht in Gefahr des Zerfalls, der Auflösung; es droht ein Ich-Verlust.

Eine Regression auf ein weniger komplex strukturiertes Niveau des seelischen Apparates setzt ein.

Es findet eine seelische Traumatisierung statt, die sich in veränderten Hirnstrukturen auswirkt (Aufbrechen vorhandener Verschaltungen im Gehirn) und in der Ausbildung einer dem Borderline Syndrom vergleichbaren Persönlichkeit bzw. auch zu einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTSD) führen kann.

Dissoziationen im Affektbereich werden bewirkt.

Massive reaktive Hass- und Aggressionspotentiale werden aufgebaut, ebenso wie reaktive Größenfantasien („Auserwählte”, „Elitetruppe”) bei einhergehender Realitätsverleugnung und Fanatismusentwicklung sowie projektive, paranoide und andere unreife Abwehrmechanismen (Feindbild-Aufbau).

Eine Umstrukturierung und Externalisierung des Gewissens findet auf dem Hintergrund der Gehorsamkeitserzwingung statt.

Der Preis des Einzelnen ist ein massiver Autonomieverlust, indem er sich mit dem „Aggressor” (dem Ausbilder, der Gruppe bzw. dem dahinter stehenden Ideologie-/Religions-System) identifiziert.

Im Sinne klassischer Konditionierung werden Sexualität und Destruktivität assoziiert. Die erlebte Ohnmacht wird durch sexuelle Macht zu kompensieren versucht.
Es findet auch eine systematische Desensibilisierung der innerartlichen Tötungshemmung, des Altruismus und der Empathie, statt.

Schließlich entwickelt sich eine rauschhafte, sich selbst verstärkende Intensitätserfahrung („Adrenalinausstoss“), die um ihrer selbst willen gesucht wird.







Lernen unter Regression durch Introjektion


Wie in einem „psychischen Kehraus“ reichen die bisher ver-innerlichten seelischen Mechanismen zur Angstbewältigung und zur Aufrechterhaltung der Kontinuität des Selbstgefühles nicht mehr aus. „Die Erfahrung eines sich auflösenden Selbst (d. h., die Furcht vor dem Verlust des Menschseins, der psychische Tod) kann so unerträglich werden, dass Menschen nahezu alles machen können, um den quälenden Wahrnehmungen, die das fragmentierende Selbst hervorruft, zu entgehen.“ Hinzuzufügen ist: Nicht nur alles machen, sondern auch alles lernen! Es entsteht eine Unbedingtheit, sich die neuen - eben die jetzt unter Drillgewalt angebotenen - Muster einzuverleiben, zu introjizieren und damit dem traumatisierenden System zu entsprechen, da dies oft genug dem tatsächlichen Überleben dient, wie es das grausame Schicksal der Kindersoldaten zeigt.


Dabei kommen irrealen oder vorphantasierten Bedrohungen eine ebenfalls größte Bedeutung zu, wenn sie subjektiv als echt/wahr erlebt werden. Mythen („Achse des Bösen“) können die gleiche durchschlagende Wirkung haben wie Reales. Aus der Neuropsychologie wissen wir, dass aktivierte Hirnteile bei realem Input fast identisch sind mit denen, die Vorgestelltes bis hin zu Halluziniertem bearbeiten."




(Anmerkung: ... Na, für wen sind denn die Löffelchen mit Tellerchen, alles ein wenig bunt aussehend wie zu Babies Zeiten, in diesem In-Lokal mit neuer Filiale und Netzwerkanbindung?)








.