Sonntag, 11. Oktober 2009

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"An Männern, die zu Elite- oder Spezialsoldaten und in der Fortsetzung zu Folterern gedrillt werden, kann wie in einem „Lehrstück“ gezeigt werden, wie in diesen Ausbildungsgängen je nach Ausmaß der angewandten Gewalt Destruktivität entsteht. Massiver soldatischer Drill, dessen einschneidende Wirkung gesellschaftlich unterschätzt wird, kann, je nach Widerstandskraft des einzelnen bedeuten, Traumatisierung zu erfahren, deren Charakteristika u. a. Dissoziation, Regression, reaktive Aggression, implizite Gedächtnisspeicherung und spezifische Hirnveränderungen sind.





In vom Individuum nicht mehr zu kompensierenden Streßsituationen, wie sie im Falle von körperlichen Gewalteinwirkungen und seelischen Demütigungen entstehen, kommt es zu Veränderungen im Gehirn, die oft nicht mehr rückgängig zu machen und dem Borderline-Syndrom vergleichbar sind. Die Versuche von Milgram und Zimbardo zeigen, daß der freie Wille in Zuständen der Regression erheblich eingeschränkt ist, und dass dieses Eingeschränkt sein eine Identifikation mit Ideologien bzw. stark vereinfachten Weltbildern erleichtert.





Daher verwundert es nicht, dass in den meisten Armeen, Guerillaverbänden, Extremistengruppen und auch mancherorts Polizeieinheiten dieser Erde mit der Förderung von Feindbildern und der Errichtung von Größenphantasien gearbeitet wird, um die (meist) Männer auf ihre Tätigkeit – das Töten anderer - vorzubereiten. Dagegen hat die Bystander- und Retterforschung Erkenntnisse darüber geliefert, dass andere Sozialisationsformen, gefestigtere Charaktere/Persönlichkeiten hervorzubringen vermögen, die in Stresssituationen nicht in dem Maße mit Regression und Gehorsam reagieren.





Im Folgenden werden das Phänomen Gewalt in seinen Ausprägungen und seiner Entstehungsgeschichte, die Ausbildung von (Elite)Soldaten bzw. Folterern und die Auswirkungen auf deren Persönlichkeit untersucht. Danach wird eine Brücke geschlagen zu demütigenden Erziehungsmethoden im Allgemeinen und deren unter Umständen persönlichkeitsverändernde Folgen. Zum Schluß wird auf Faktoren hingewiesen, die als vorläufiger „Leitfaden“ für Gewaltprävention dienen könnten."








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