Sonntag, 27. September 2009

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"Wofür steht die historische Figur Horst Wessel? Sein politisches Leben und Sterben steht für den Angriff der Nationalsozialisten auf die großstädtische Arbeiterbewegung, auf das proletarische Milieu der deutschen Hauptstadt. Er ist eine Symbolfigur des Bürgerkriegs, des Terrors der Provinz gegen das „Rote Berlin“.




Das „Rote Berlin“ war den Rechtsextremisten als „Brutstätte“ von Kommunismus, Sittenverfall und Verbrechen verhasst. Es wurde wie ein feindliches Territorium betrachtet, das erobert werden musste. Siemens zeigt, wie die SA beim Straßenkampf in den Arbeiter-vierteln vorging. Die permanenten Provokationen in Uniform und in Zivil, der stetige Ausbau eines Stützpunktnetzes mit Hilfe korrupter Kneipenwirte, die irritierende Übernahme „linker“ Parolen und Agitationsformen, die brutalen und systematischen Überfälle in Überzahl, das Vorgehen in Schützenlinien, Sturmtruppformationen und Marschsäulen, der Einsatz scharfer Waffen. Und schließlich ein entscheidender Vorteil im Straßenkampf: Die wohlgesonnenen strategischen Bündnispartner in Polizei und Justiz, auf deren Nachsicht man im Falle der Verhaftung stets rechnen konnte.





Der deutschnational und christlich imprägnierte Pfarrerssohn Horst Wessel, der Angehörige der Bismarckjugend und bürgerliche Corpsstudent begab sich in Gesellschaft depravierter SA-Straßenschläger ins verrufene „Verbrecherviertel“ am Alexanderplatz, um dort zu missionieren. Übersteigerter Nationalismus, christliches Sendungsbewußtsein und bürgerliches Überlegenheitsgefühl waren die ausschlaggebenden Motive. Seine SA-Kameraden waren ihm anfangs so fremd wie seine Gegner vom Rotfrontkämpferbund, doch der schmächtige Jünglich passte sich an".









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