Dienstag, 22. September 2009

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'Die deutsche Regierung wurde nach dem Bericht von der Existenz der Geheimarmee erst "in den Jahren nach 1974 informiert (im Rahmen einer Erörterung des gesamten Konzepts des BND für den Verteidigungsfall). Man kann jedoch davon ausgehen, dass mündliche Informationen über die Grundlagen der Stay-behind auf der Ebene von Richtlinien schon zuvor weitergegeben wurden." Denn die deutsche Legislative verfügt über ein parlamentarisches Gremium, das verpflichtet ist, bestimmte Geheimnisse zu wahren, und das in den 80er-Jahren über die Stay-behind informiert wurde, als für die Beschaffung der Harpoon-Funkgeräte zusätzliche Mittel bereitgestellt werden mussten: "Im Zusammenhang mit dem Kauf einer neuen Funkanlage wurde das Vetrauensgremium über deren Verwendung für die Stay-behind informiert." (Fußnote) Die Harpoon-Funkanlagen, wie weitere Recherchen enthüllten, wurden im Auftrag der Stay-behind-Zentrale der NATO ACC von der deutschen Firma AEG Telefunken, einer Tochtergesellschaft der Daimler Benz Holding, entwickelt und produziert. Der deutsche Geheimdienst BND fungierte als Vermittler und kaufte das System bei AEG Telefunken, weil das ACC geheim bleiben musste und nicht selbst als Käufer auftreten konnte. Der BND hatte insgesamt 854 Harpoon-Stationen bestellt, für die er 130 Millionen DM bezahlen musste. Der BND behielt davon nur Sender im Wert von 20 Millionen DM und verkaufte den Rest an andere nationale Stay-behind-Armeen in ganz Europa, auch an die Schweizer Geheimarmee P26. Das Harpoon-System befriedigte die zu dieser Zeit höchsten technologischen Ansprüche und war in der Lage, verschlüsselte Funknachrichten über eine Entfernung von 6000 Kilometern hinweg zu senden und zu empfangen, und verband die verschiedenen Stay-behinds untereinander und auch über den Atlantik hinweg. (Fußnote)







... Generalmajor Horst Männchen, der Direktor der Stasi-Abteilung III und somit verantwortlich für die Abhöraktionen, informierte 1984 die Minister der ostdeutschen Regierung ausführlich über das Stay-behind-Netzwerk des BND. "Auf der Grundlage der Analyse geheimer Funksignale des BND, die wir decodieren konnten, ... haben wir zuverlässige Einzelheiten über besondere BND-Agenten gesammelt." Der Bericht von Männchen, datiert vom 3. August 1984, erklärte weiter, dass diese BND-Agenten, die von der Stasi "roll-over-agents" (Überrollagenten) genannt wurden, sich auf eine Invasion der Staaten des Warschauer Paktes vorbereiteten und ausgebildet wurden, subversive Aktionen im Rücken des Feindes auszuführen. Diese Geheimagenten, hob Männchen hervor, "stellen deshalb eine Gefahr für erfolgreiche Operationen der Streitkräfte des Warschauer Paktes dar", sollten deshalb schnellstmöglichst identifiziert werden, damit sie "im Falle eines militärischen Konflikts" sofort neutralisiert werden konnten. (Fußnote)







In einem weiteren Bericht vom 6. November 1984 stellte Männchen ganz richtig dar, dass innerhalb des BND "diese speziellen Agenten als Stay-behind bezeichnet werden" und dass ihre Einrichtung auf die NATO-Planungen gegen eine Erstschlag-Invasion der Streitkräfte des Warschauer Paktes zurückgeht. Männchen erklärte, dass auch Frauen Teil des Stay-behind-Netzwerks seien und dass ein ganzer Satz geheimer Funksignale, die von der BND-Zentrale an Stay-behind-Agenten gesendet wurden, von der Stasi decodiert wurde. "Diese Agenten sind männliche und weibliche Bürger Westdeutschlands, sie leben auf dem Territorium Westdeutschlands, viele entlang der Grenze zu Ostdeutschland und der Tschechoslowakei. Sie kennen ihr Einsatzgebiet gut und operieren alleine oder in Dreier- und Vierergruppen und führen Aufträge im Umkreis von 40 Kilometern um ihren Wohnort durch. Soweit wir bisher wissen, kommunizieren 16 bis 20 Agenteneinheiten regelmäßig mit dem BND. Die Gesamzahl der Agenten wird nach Quellen innerhalb des BND auf 80 geschätzt." Männchen schloß daraus, dass diese Spezialagenten des BND "gefährlich" seien und die Stasi versuchen solle, möglichst viele zu identifizieren.'






Aus:
Daniele Ganser









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