Montag, 28. September 2009

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Der Hexenkessel ist ein magisches Gerät. Zum einen, weil man darin kochen kann, denn Kochen, das Zusammenfügen von Zutaten, die in der Verbindung miteinander in der Hitze über dem Feuer ein schmack-haftes Essen ergeben, ist eine Form der Zauberei. Liebeszauber gelegentlich, denn Liebe geht durch den Magen. Die Alchemie bedient sich ebenfalls des Kessels, und chemische Prozesse, bei denen sich die Ursubstanzen in eine neue, gänzlich andere verwandeln, schienen den Menschen lange als Magie. Das Unbe-wusste des Menschen ist ebenfalls eine Art Hexenkessel, in dem Eindrücke und Erfahrungen durch die Hitze der Notwendigkeit zu völlig neuen Erkenntnissen umgearbeitet werden. Das ist das Werk der Hexen. Das folgende Rezept, das im Kessel gekocht wird, stammt von Shakespeare, er hat es in Macbeth (4. Akt, 1. Szene) vorgestellt. Es ist anzunehmen, dass der Dichter gewisse Vorurteile gegenüber den Hexen hegte.








Schlangenteich vom Schwarzmoorteich
Koch im Kessel weiß und weich;
Aug vom Frosch, vom Molch der Kropf,
Flaun vom Kauz, vom Hund der Kopf,
Natternzungen, Blindschleichhaut;
Eidechsbein und Bilsenkraut ...
Drachenschuppen, Wolfeszahn,
Hexenmumie, Blut und Tran
Frisch vom Haifischbauch gedrückt;
Wurz vom Schierling, nachts gepflückt,
Leber, warm vom Lästerjud,
Geißengalle, Rattenblut,
Das im Finstermond gegorn;
Nas vom Türk, Tartarenohrn;
Hand vom Kind, erwürgt mit Schnur,
Dreckgeborn von einer Hur,
Macht die Brühe prächtig pur ...









Aus:
Badewannen-Meditationen - Die Weisheit der Hexen.
Rituale und Beschwörungen für ein glückliches Leben.









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