Mittwoch, 19. August 2009

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"Doch macht so viel Macht über ihre Frauen die Männer glücklich? Was bleibt, wenn man vor lauter Kontrollwahn alle Frauen wegsperrt und niemand, nicht einmal der engste Freundeskreis, sie je sehen darf? Eine Lücke. Denn auch afghanische Männer sind aller Frömmelei zum Trotz eben Männer. Und so feiern sie auch hier wilde Feste, auf denen anmutige Gestalten in Glitzerkleidchen, dünnsten Stoffen und mit femininen Gesten tanzen, ihre langen Lockenmähnen wirbeln lassen.
Allein: Die da tanzen und betören, sind alles Jungen. Eine verkehrte Welt, halb verborgen, aber auch nicht gänzlich geheim. Die Welt des Batscha Basi, des "Knabenspiels". Von Kundus im Norden bis Kandahar im Süden halten sich Reiche, vor allem Milizführer, ihre privaten Knaben, die Milch und Hühnerfleisch bekommen und neben den Frauengemächern wohnen. Die vor Freunden tanzen, für Unsummen gehandelt werden und bei denen niemand fragt, ob sie Jungfrauen sind. Im Gegenteil: Den Lieblingsknaben eines großen Commanders von hinten zu nehmen, ist eine Trophäe. Begehrte, bekannte Buhlknaben werden für Zehntausende Dollar ver- und gekauft, ihretwegen wird gemordet. "Ich bin verheiratet, aber ich bevorzuge Jungen", bekennt der ehemalige Mudschahedin-Kommandeur Allah Daad aus Kundus ungerührt: "Hier kann man ja keine Frauen mit zu Partys nehmen und sie tanzen lassen. Mit Jungs geht das. Damit kann man angeben! Ich hatte mal einen, der tanzte so schön wie eine fliegende Taube! Keiner kam nach ihm, der so war - ach." Seufzen. "Ich habe ihn drei Jahre lang bei mir behalten und gehen lassen, als sein Bart spross." Schwul sei niemand, beteuern die Eingeweihten, es gehe nur um einen Ersatz für die Frauen, die Gespielinnen, um die man beneidet, für die man bewundert wird."







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