Freitag, 21. August 2009

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Alte Leute, die langsam durch ALDI gehen, immer wieder auf die Preise über den Waren blicken, weitergehen, ein paar Lebensmittel in ihren Einkaufswagen legen. Müde aussehende Mütter mit kleinen Kindern, die den Einkaufswagen an die Kasse schieben. Viele Lebensmittel für den Grundbedarf sind hier noch bezahlbar, aber was ist, wenn zum Beispiel neue Kinderschuhe gekauft werden müssen? Hin und wieder hat ALDI welche in brauchbarer Qualität. Wie lange werden wohl die Turnschuhe aus dem Billigmarkt um die Ecke halten? Manchmal kann man die passende Größe irgendwo gebraucht finden. Mit Nachbarn, Bekannten oder Freunden tauschen. Und all' die anderen Dinge, die man irgendwann braucht? Unverschämte Preise für Lebensnotwendiges an so vielen Orten, damit einige wenige Herren und Damen Goldbarren im Tresor hüten. Dieses Abzockertum widert mich einfach nur noch an. Asoziale Marktwirtschaft für die hunderste Belohnungs-Reise, neudeutsch Incentive-Tour, ins paramilitärisch stramm organisierte First-Class-Hotel zusammen mit einer durchgeknallten Clique von asozialen und alkoholkranken Top-Verkäufern, die gar nicht so schnell trinken und kotzen können, wie die Sinnfrage ihren Geist und das Herz doch immer wieder erreicht. In Ledersitzen thronende männliche Kleiderpuppen, die mit offenem Dach und röhrenden Motoren langsam durch die Einkaufsstraßen fahren, immer in der Hoffnung auf ein wenig weibliche Beute, die man einfangen muß mit diesen marktschreierischen Mitteln, weil der eigene Erotik-Faktor mangels angenehmer Ausstrahlung schon seit langem gen Null gegangen ist.
Der Rest der Bevölkerung wundert sich nur noch über die Verhältnisse, ist wütend oder hat schon lange resigniert. Und kann ansonsten sehen, wo er bleibt? Wer sind die hochjubelnden LohnschreiberInnen aus der Milliardärspresse? Wo sind die Blogger, die asoziale Angstkampagnen hochgehen lassen?
Dass SPIEGEL online ein Interview mit Albrecht Müller bringt, ist interessant. Auch dieses Blatt ist mitverantwortlich für den derzeitigen Zustand der Marktwirtschaft. Was sagt eigentlich die Marketing-Abteilung zu dem Interview mit dem Titel "Wir haben keine demokratischen Verhältnisse mehr"?





Müller: Ich schreibe für Menschen, die über volkswirtschaftliche Zusammenhänge rätseln, und deshalb Opfer von Meinungsmache werden. Ein Beispiel: Die "Bild"-Zeitung zitiert eine Studie des Freiburger Finanzwissenschaftlers Raffelhüschen, derzufolge jedem Zweiten Altersarmut droht. Aber sie schreiben nicht, dass die Studie von einer Versicherung finanziert worden ist und dass sie auf irreführenden demografischen Berechnungen beruht -, weil beispielsweise der weitere Anstieg der Arbeitsproduktivität ausgeklammert bleibt. Ich weise in meinen Büchern und in unserem Blog darauf hin, dass man die Leistungen der gesetzlichen Rente über Jahre ganz bewusst reduziert hat, um den Privatversorgern Geschäftsfelder zu eröffnen.








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