Samstag, 23. Mai 2009

.







"Arne Hoffmann heißt der Beifallspender, der noch eine andere Passion pflegt, die auf den ersten Blick so gar nichts mit seiner Leidenschaft für die „Israelkritik“ und den Islam zu tun hat: das Verfassen von Büchern mit markerschütternden Titeln wie „Sex für Fortgeschrittene“, „Onanieren für Profis“ und „Männerbeben“ nämlich. Vor allem die zuletzt genannte Schrift wird in Rezensionen schon mal als „Standardwerk“ angepriesen, „nicht nur für die Männerrechtsbewegung, sondern für Männer überhaupt“. Keine Frage: Hoffmann ist ein echter Bescheidwisser.



Dabei haben seine Verteidigung von ausgewiesenen Antisemiten, sein Israelbashing, sein Flirt mit dem Islam, seine Nachhilfe für Onanisten und sein Jammern über die angebliche Unterjochung der Herren der Schöpfung durch allgegenwärtige Radikalfeministinnen mehr miteinander gemein, als es bei flüchtigem Hinsehen der Fall zu sein scheint."







Sehnsucht nach Unterwerfung


"Auf der Suche nach geistigem Halt hat die deutsche Männerrechtsbewegung den Islam für sich entdeckt.





... Die verständnisinnige Hinwendung der männerbewegten Gemeinde zum Islam ist längst mehr als ein obskures Hobby: Hier wird auf breiter Front und - entgegen dem weinerlich masochistischen Selbstbild der Männerbewegung - mit tatkräftiger juristischer Rückendeckung dafür gestritten, grundlegende zivilisatorische Standards der westlichen Gesellschaften im Namen von "Männerrechten", "Vaterrechten" und "kulturellen Differenzen" zu suspendieren. Seiner naturwüchsigen Rechte als Hordenführer beraubt, stilisiert der deutsche Maskulist den von Bürokratie, Jurisprudenz und Sozialstaat um seine autochthone Herrschaft gebrachten arabischen Familienvater in pathischer Projektion zum Stammesgenossen.





Daß die Frage nach der Vereinbarkeit von Islam und Demokratie bei alldem aus maskulistischer Perspektive im Grunde unwichtig ist, zeigen die zahllosen Referenzen auf die NS-Vergangenheit, mit denen die in arabischen Dingen eher unbeleckte Männerbewegung sich nolens volens als Zerfallsprodukt gesamtdeutscher Psychopathogenese erweist. Wer Männer, denen in der Diskussion mit Frauen auch anderes als ein Schimpfwort einfällt, als "umerzogen" tituliert und für die Fackelzüge der NS-Olympiade schwärmt, der gibt zu erkennen, daß er für die Akzeptanz gegenüber Schwulen, Emanzen und anderem Gesocks in letzter Konsequenz die alliierte Besatzungsmacht verantwortlich macht, in deren Demokratisierungsprogramm "Umerziehung" eines der wichtigsten Schlagworte war. Tuntenhaft, weibisch und dekadent ist Deutschland demnach vor allem geworden, seit es zur Kolonie der westlichen Demokratien, insbesondere der USA, degradiert worden sei."









Chiffre: Morgaine in BlogLand


(Track 1 - 5 einzeln abspielbar)





Der Freitagskommentar




Diese Woche stand ganz im Zeichen des Kräftemessens und Größenvergleichs, das Niveau lag stellenweise kaum über dem der zutiefst subtilen Bemerkungen an den feindlichen Gegner meiner Kindertage. "Ätsch. Meine ist aber doch besser als Deiner!"




Dieses hier ist ein Blog. Und wie wir in den vergangenen Tagen wieder einmal lesen lernen durften, sind alle Blogger Kapitalisten. Zumindest irgendwie rechts von den gedruckten Buchstaben des Wahren, Guten und Schönen. Wer nicht zur Kategorie der bloggenden Kapitalisten gehört, ist zumindest ein/e Esoterikerin, liebt Blumen, mag hin und wieder kuscheligen Blümchen-Sex und nennt als Frau ihre Vagina lieber Yoni. Diesem Vorurteil muß frau nun allerdings in der Tat zustimmen. SIE nimmt dafür auch gerne Provokateure in Kauf, die bei "Peace, Love and Harmony" nur noch an spirituelles Instant Food mit Waldorf-Soße und versteinerten Pilzen denken. Denn SIE glaubt: Lieber eine Blume an der Vagina als den Gewehrlauf in der Vagina.





SIE hat sich in dieser Woche mit wachsender Begeisterung durch kapitalistische und antikapitalistische Seiten geklickt, hat geduldig vernommen, dass Blogs wie Elektra Log oder ihr eigener Freitagskommentar selbstverständlich zu betrachten sind im Rahmen subversiver kapitalistischer Vermarktungsstrategien, denn "jedes neue Medium verkauft sich schließlich zunächst mit dem Argument, sozial gefahrlose sexuelle Bilder aus den legalen, halblegalen und illegalen Netzen zu ziehen." Schon längst hat auch bei ihr das Viagra-Spamming im Postfach das latent vorhandene Bedürfnis nach Werbe-Einnahmen und mehr Meer geweckt, die unendliche Regressions-schleife findet ihren Ausweg wieder einmal statt in der Liebe im Warten auf den Maybach mit Viagra-Sex, Untergang und kleinem Tod.





SIE wird an dieser Stelle allerdings den Eindruck nicht los, dass neue Allianzen entstanden, zumindest aber die Sexualität zum Spielball einer reaktionären Retro-Kultur wurde zu einem Zeitpunkt, da die sexuelle Freiheit gerade bis in das letzte bürgerliche Schlafzimmer vorgedrungen zu sein schien. Doch der Wind pfiff schon seit längerem aus der Gegenrichtung. Bereits Anfang der Neunziger diagnostizierte Susan Faludi einen Backlash, der heute seinen künstlerischen Ausdruck findet zum Beispiel in Video-Clips wie "Father and Son" von Ronan Keating und Yusuf Islam, der unter großer medialer Begleitung zum Islam konvertierte Cat Stevens. War dieses Lied einst Teil einer männlichen Aufbruchskultur hin zu mehr Empfindsamkeit und Achtung der eigenen Gefühle im Vater-Sohn-Dialog, so muß heute das mit plakativ ausgestatteten Vater-Sohn-Bildern bestückte Video in diesem Kontext als Zustimmung zu einer rassistischen, weil auf Ungleichheit der Geschlechter beruhenden Ideologie gesehen werden. Die "sexuelle Konterrevolution" sucht ihre Bündnispartner. Und findet sie in ihren einstigen Feinden.





Westliche Kapitalismuskritik im Verbund mit der islamischen Ideologie der Ungleichheit, beide vereint in der Kritik an den Tendenzen der Pornographisierung immer weiterer Lebensbereiche, die Faschisierung der Körperbilder mit Reduzierung der entsprechenden Objekte zu reinen Werbeträgern, das Objekt degradiert zur sexuellen Ich-AG, die sich nach dem Prinzip von Investition und Verkauf orientiert.





Den Medien, Blogs inbegriffen, wird die Rolle der Verführer zugewiesen, die fit machen sollen für den Wettstreit um Gewinner und Verlierer im neoliberalen Ratten-Rennen. Wer verliert, darf sich wenigstens durch Bilder inspiriert den Kick zum Wichsen als Couch Potato holen oder sich den Verlierer-Status der Büro-Sklavin auf der Damentoilette für einen Moment lang schön masturbieren.





Was aber sieht der Gegenentwurf zu diesem fantasierten Szenario aus? Die Burka für den Bildschirm, getrennte Betten und irgendwann auch wieder getrennte Parkbänke? Oder aber ein neuer Diskurs über das Aufbrechen von patriarchaler und kapitalistischer Lust-gewinnung, über die Aufhebung des Widerspruchs zwischen den Bildern, medialen Geboten und persönlichen Gestaltungs-möglichkeiten? Vermitelt das Bild ein "Gefällt es dir und kann ich dich damit befriedigen?" Oder spiegelt es die Lust an der Lust, die Lust an der Lust des Voyeurs, ist es der Blick auf die Lust eines erotischen Subjekts ?





Welche Sprache sprechen die Körper? Wer ist aktiv oder passiv auf diesem Bild, wer dient wem? Ist das Bild das Fragment eines angestrengten Gesichtes und einer Körperöffnung, oder das Bild eines Ganzen, das stark, schön, lustvoll ergeben oder dominant dem Betrachter einen Augen-Blick gewährt, sich dem fremden und eigenen Lustgewinn tastend nähert und nicht beherrscht wird vom Gedanken der Frage nach vermarktungsfähiger Lust für den Anderen? Wie sieht die Rangordnung von Betrachter und Betrachtetem aus? Wird die Machtfrage gestellt, spiegelt sich in beiden das ausbeuterische Verhältnis von Ranghöherem und Untergebenem einer ausser Kontrolle geratenen Marktwirtschaft wieder? Oder sind diese Machtverhältnisse in der Betrachtung des Bildes außer Kraft gesetzt? Selbst sexuelle Spielarten wie der Sadomasochismus unterliegen dann der gegenseitigen Kontrolle von Genuß und Schmerz, und sind nicht mehr das Abbild sklavischer Abhängigkeitsverhältnisse, in denen nur noch einer von beiden die Kontrolle über das Spiel behält.







.