Samstag, 23. Mai 2009

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* Elisabeth Pfister: "Unternehmen Romeo. Die Liebeskommandos der Stasi". Aufbau Verlag, Berlin; 208 Seiten; 36 Mark.





"Es war immer derselbe Typ von Frau, hinter dem die "Liebeskommandos der Stasi" her waren: alleinstehend, prüde und sexuell unerlöst, leichte Beute für trainierte Verführer, die außer "intimer Betreuung" auch die Teilnahme an einem globalen Projekt anboten - dem Erhalt des Weltfriedens. Denn welche Legenden die Männer den Frauen auch auftischten, am Ende ging es immer darum, mit deren Hilfe einen Krieg zu verhindern.




"Frauen und Frieden", sagt Elisabeth Pfister, "das ist die perfekte Mischung, das entspricht unserem Wesen, da kann keine Frau ,Danke, ohne mich'' sagen." So gut wie alle Romeo-Opfer, die von Elisabeth Pfister befragt wurden, seien "völlig apolitisch" gewesen, sie hätten "niemals aus ideologischen Gründen" gehandelt und auch nie den Hauch einer Ahnung gehabt, wem sie "unwissentlich" zuarbeiteten. Eine Ausnahme bildet Gabriele Gast, die Top-Spionin im Bundesnachrichtendienst. Sie war Agentin erst aus Liebe, dann aus Überzeugung (siehe Seite 48).





Margarete F., deutsche Mitarbeiterin bei der Nato, wurde von 1961 bis 1989 nacheinander --- S.45 von drei Romeos beschlafen und abgeschöpft, ohne Verdacht zu schöpfen. Allerdings hatte die streng katholisch erzogene Frau Schuldgefühle: vor allem "wegen des außerehelichen Geschlechtsverkehrs" mit ihrem ersten Romeo, der sich als Mitarbeiter des dänischen Nachrichtendienstes bei ihr einführte.





Daß sich "Nils Hansen" heimlich mit ihr verlobte und ihr die Ehe versprach, war nicht genug, sie wollte unbedingt zur Beichte. Und so sorgte die Ost-Berliner Zentrale in einer katholischen Kirche in Kopenhagen für eine perfekte Vorstellung. Ein Stasi-Mitarbeiter wurde als Pfarrer verkleidet, Margarete F. bekam die Absolution, nach der sie sich sehnte, und ihr Romeo wurde anschließend von Markus Wolf persönlich empfangen und für seine Spitzenleistung mit der Verdienstmedaille der Nationalen Volksarmee in Silber ausgezeichnet.




Der Chef der für Auslandsaktionen zuständigen HVA schien an solchen "zynischen Inszenierungen" (Pfister) besonderen Spaß zu haben, sie brachten ein wenig frivole Abwechslung in den grauen Alltag in der Normannenstraße. Und während Margarete F. nach ihrer Verurteilung zu einem Jahr auf Bewährung wegen geheimdienstlicher Tätigkeit heute "auf Sozialhilfeniveau" lebt, bezieht ihr Romeo a. D. "Nils Hansen" eine ordentliche Rente und will an seine Schurkereien im höheren Auftrag nicht erinnert werden. "Das ist für mich Vergangenheit ... Ich bin nicht mehr bereit, darüber zu diskutieren." (via)







Chiffre: Morgaine in Blogland


(Track 1 - 5 einzeln abspielbar)






Uneingeschränkt dienstbereit


"Was mich ja immer besonders interessierte: Die Mittel und Methoden, verlorene Seelen in autoritären (Psycho-)Gruppen mit Esoterik-Flair und Dienstbereitschaft einzufangen. Auf einer Mailingliste für Frauen zum Thema Globalisierung zum Beispiel konnte man das eine Zeit lang sehr gut beobachten und auch in BlogLand scheint dieses jetzt Mode zu werden: Inspiriert von der Aussicht auf das heitere Leben, verlässt Lena Müller nach eingehender Lektüre und Liebeswerben die Heimat Deutschland in Richtung warmer Süden, ganz beseelt vom Auftrag des Ficken weit weg von Volk und Vaterland."







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