Dienstag, 21. April 2009

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In mir beginnen alle Pfade
Und münden wieder in mich ein.
Ihr sollt am nächtlichen Gestade
Für eine Zeit wie schlafend sein.




Dem Korn, das in der Erde ruhte,
Entsteigt der Keim, des Stengels Saft.
Ich nähre ihn mit meinem Blute,
Ich treibe ihn mit meiner Kraft.





So steigt er aus dem engen Kerne
Ins Weite drängend an den Tag.
Doch wie ein Klang aus großer Ferne
Bewegt ihn meines Herzens Schlag.





Die Blüte wächst, die Ähren wehen,
Der Same fällt, es bricht das Reis,
Und Wälder werden und vergehen
Auf mein Geheiß.





Was einst der Sonne zugewendet
Des Lebens hohes Glück genoß,
Was immer sich im Licht vollendet,
Es kehrt zurück in meinen Schoß.





Ewig steigt und pocht mein Blut,
Auch was schlimm erscheint, ist gut.
Alle, die in mir beginnen,
Werden einst das Licht gewinnen,
Steigen, Sinken, Auf und Nieder,
Alle, alle kommen wieder ...




































Marie Luise Kaschnitz, Bei der Erdmutter
in: Vera Zingsem, Der Himmel ist mein, die Erde ist mein.
Göttinnen großer Kulturen im Wandel der Zeiten











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