Freitag, 24. April 2009

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Herr Wallraff, Sie schreiben, die Bahn sei mit sehr fragwürdigen Methoden gegen ihre Mitarbeiter vorgegangen, habe Angestellten Pornos und Hitlers "Mein Kampf" auf ihre Computer gespielt, um besser kündigen zu können – haben Sie da nicht etwas dick aufgetragen?



Ich habe sehr sorgfältig recherchiert und zitiere aus eidesstattlichen Erklärungen der Betroffenen.



Nach Ihren Recherchen sprechen wir im Daten-Skandal bei der Bahn nicht mehr über eine aus dem Ruder gelaufene Korruptions-bekämpfung, sondern über sehr viel weitergehende Aktionen des Konzerns...



Es ist bei der Bahn ein Überwachungssystem und ein Begünstigungssystem entstanden, wo mit Zuckerbrot und Peitsche der Hofstaat zum parieren gebracht wurde.






zeit.de: In unterschiedlichen Spähaktionen mit Namen wie »Aktion Eichhörnchen« und »Operation Babylon« wurden Zehntausende Mitarbeiter überwacht.



... Die alten Vorwürfe erschienen also nun in neuem Licht. Sie wirkten gar nicht mehr so unwahrscheinlich. Mir lag zum Beispiel die Geschichte von Frau T. vor. T. ist eine Spezialistin für Fragen der Datenverarbeitung. Eines Tages, hatte Frau T. berichtet, sei es an ihrem Arbeitsplatz zugegangen wie in einem Science-Fiction-Roman. Der Cursor auf ihrem Dienstcomputer fing zu laufen an, ganz ohne ihr Zutun, von irgendwo aus der Ferne bediente ein elektronischer Eindringling ihren Rechner. »Ich hatte die Chance, den Eindringling auf meinem Rechner beim Löschen eines Dokuments zu beobachten«, hat sie schriftlich bezeugt. »Wir haben beide um die Bedienung der Maus gekämpft. Der Eindringling hat gesiegt und das Dokument gelöscht.«







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