Dienstag, 24. Februar 2009

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'"Bitte reden Sie mit ihm", sagte sie und schaute mich beinahe flehend an. – "Das mache ich", sagte ich und meinte zu erraten, was wir beide dachten: Muslimische Jungen sind ein Problem, sie neigen zur Gewalt und hören schon deshalb nicht auf ihre Lehrerinnen und Betreuerinnen, weil es Frauen sind. Dann hoffte ich, Frau Euskirchen würde bedenken, dass der Mann, den sie um Vermittlung bat, ebenfalls Ausländer war und seine muslimische Tochter nun wirklich nicht als Problemkind gelten könne mit ihrem sonnigen Gemüt, ihren musischen Interessen, der Teilnahme an der Kölsch-AG. Und Karnevalsprinzessin wäre sie auch gern einmal. Ich hoffte, dass Frau Euskirchen nicht alle muslimischen Kinder für gewalttätig und schwer integrierbar halten würde. Schnell wurde mir klar, dass es Unsinn war, was ich dachte. Wie konnte ich mir nur einbilden, dass Frau Euskirchen, die jeden Tag mit Kindern aus unterschiedlichen Ländern zu tun hatte, nicht zu differenzieren wusste.'




Anmerkung:


Lehrerin inmitten einer Truppe verwahrloster Mini-Machos? Jeder kann einmal zum weiblichen Opfer werden. Ich weiß sehr gut, wovon ich rede. Aber aus eigener jahrelanger Seminar-Erfahrung im Umgang mit schweren und angeblich schweren Jungs kann ich nur raten: Ehrliche Aufmerksamkeit und Anteilnahme, klare Worte, klare Regeln, Lederhose und Lippenstift, Zuckerbrot und Peitsche. Nein, dazu muss frau nicht erst bei der örtlichen Domina in die Lehre gehen. Obwohl auch das bestimmt nicht schadet. Und für die Nickelbrillen-Machos aus der ersten Reihe, die nach zehn Minuten Zuhören ihr erstes Ja-Aber-Statement abgeben müssen, hat sich bewährt die Einbindung als kluger Assistent von Mama ... ähhh ... von Frau Lehrerin.





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