Mittwoch, 5. November 2008

Kampfbereiter Kontrollzwang und paradoxe Intervention

nennt man so was. Neben anderen triggernden Tiger-Anzeigen in meinem Google-Account lief vorhin auch diese hier ein:


Dr. Lynch: Grave Secrets
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Na, dann rede ich doch gerne! Über Männer beispielsweise, die als kontrollsüchtige Tigerenten mit weißen Turbanen draußen vor der Tür patroullierten und damit das Cover meiner aktuellen Leselektüre portraitierten. Wie sollte ich denn bitte bei solch einem Anblick noch ernst bleiben? Geschweige denn schön scharf werden? Mann, Mann, Mann! Wieder jemand mit kampfbereitem Kontrollzwang.
Doch zum Glück gibt es für solche Fälle ja wirksame Therapien. Und geistreiche Bücher wie: Klaus Theweleit, Männerphantasien. Übrigens suche ich noch nach der passenden Empfehlung einer Leselektüre für weibliche Kontrollsüchtige. Die Formulierung recht vieler Sätze zu diesem Thema wird mir eine Freude sein - und ein wahres Fest werden. Wie schön ist doch hart erarbeiteter Luxus für lebenslustige Ladies!


Weißt, was ich bis heute nicht ganz verstehe? Wieso hast du mir gesagt: "Schreib' endlich darüber!" Und wie kann man leben und lieben, oder sollte ich eher sagen: mit viel Vergnügen bei der Arbeit vögeln, wenn mindestens zwei dir gut bekannte Ladies auf der Leitung hängen und danach hin und wieder aus heiterem Himmel das Telefon läutet? Mein Eindruck war, es ist ein wenig wie neidisch Noten verteilen. Und dann wäre da auch noch der, der mir eines Tages eine Postkarte mit dem Bild einer Fußreflexzonenmassage schenkte.


Ich solle dich nicht weiter fragen. Nicht forschen. Sagtest du. Nur soviel: Du hättest schon viel erlebt. Ein Mal wortwörtlich ganz tief im braunen Sumpf gebohrt.
Vineland von Thomas Pynchon hast du auch gelesen. Da ist vom Spitzel die Rede, der ein Kind gezeugt hat. Dumm gelaufen für dich, nicht wahr?
Deswegen: Auch wenn ich die Farbe sehr mag. Nein! Ich werde nicht in lila Straps-Strümpfen erscheinen. Oder mit Schaftstiefeln und Spitzendessous. Der Zweck heiligt für mich nicht die Mittel. Ich mag diese Spiele einfach nicht. Ich mag sie weder mit Sadismus. Noch mit Masochismus. Der Schmerz der Nachfahren des Holocaust lässt sich auch anders abarbeiten.
Ich lasse die Lady aus Düsseldorf daher vorerst weiter für neues Personal werben. Denn sie selber hat genug damit zu tun, ihre eigenen Schatten in Schach zu halten. Schade nur, dass angeblich professionelle Therapeuten und Akademiker sich so weit in dieses Kampffeld vorwagen.
Ich habe sehr viel, zu viel erlebt seit der Veröffentlichung von "Generation Blogger". Doch es waren auch gute Momente. Und es war der Geist vieler Gesichter, die ich sah. Denn manchmal waren sie vollkommen unbekleidet. Deswegen sage ich dir: Du kannst immer noch wählen. Du hast immer noch die Wahl. Mögest du einen guten Weg gehen. Blessed be!