Dienstag, 18. November 2008

Göttner-Abendroth: Religionen, so wie wir sie kennen, sind verbunden mit patriarchalen Herrschaftsmustern und bilden diese Herrschaftsmuster in ihren Institutionen ab. Sie sind also ursprünglich spirituelle Bewegungen, die sich institutionalisiert haben und dadurch hierarchisch, zentralistisch geworden sind, Priesterkasten ausgebildet haben, die allein die "wahre Lehre" haben und lehren.


Matriarchale Spiritualität kannte keine Institutionalisierung in diesem Sinne. Sondern matriarchale Spiritualität wird gelebt in der alltäglichen Begegnung mit den Wesen und Dingen, die alle die göttliche Kraft repräsentieren - und in großen Kultfesten, an denen das ganze Volk beteiligt ist. Alle wußten, worum es geht; niemand mußte sie das lehren.


Das sind ihre Volkstraditionen und zwar durchaus lokal verschieden, bezogen zum Beispiel auf ihre jeweilige natürliche Umgebung, auf Berge, Wasser, Flora, Fauna, auf das Wetter ihrer Gegend.


Das heißt auch, daß matriarchale Spiritualität gar keinen Glauben beinhaltet. In den patriarchalen Großreligionen müssen die Menschen immer etwas glauben. Und ich sage etwas ketzerisch: Man muß nur dann etwas glauben, wenn man es nicht selber sehen, prüfen, anfassen, wahrnehmen kann. Dann wird Glauben verlangt. Und das Opfer des gesunden Menschenverstandes gleich noch dazu, weil in der Regel das, was zu glauben ist, eben äußerst unglaubwürdig ist. Ein transzendenter, omnipotenter, unfaßbarer, gar nicht verstehbarer Gott - den kann man höchstens glauben. Begreifen kann man nichts davon.


In Matriarchaten gibt es keine derartige Muttergöttin irgendwo am Himmel oder jenseits davon, sondern die gesamte Natur, Kosmos und Erde, sind die göttliche Kraft, die als weiblich vorgestellt wird, weil sie Leben hervorbringt. Einschließlich ihrer vielen konkreten Wesen, die männlich oder weiblich sind und alle Teil dieser göttlichen Kraft.


Insofern sage ich: Die Göttinvorstellung der matriarchalen Spiritualität ist universell - und zugleich läßt sie allen konkreten Wesen - Frauen, Männern, Sternen, Winden, Elementen, Tieren und Pflanzen - Raum.









.