Dienstag, 11. November 2008

Frauenverachter: Unterwegs im Auftrag des Herrn

Bei Spiegel online das Porträt des hochintelligenten Psychopathen Helg Sgarbi, der - offenbar einer Gehirnwäsche unterzogen - Lockvogel und männliche Prostituierte einer religiös fundamentalistischen Gruppe war:


'Aus seiner Rolle fiel Sgarbi nur, wenn es um seine eigene weiche Stelle ging: den Glauben. Als sich einer der beiden Sunrise-Mitarbeiter mal über die Darstellung der Juden als brutale Henker in Mel Gibsons Kinofilm "Die Passion Christi" erregte, platzte es aus Sgarbi förmlich heraus. "Das Volk Juda", wetterte er apokalyptisch, werde "knietief in seinem Blute waten, bis es dereinst den Namen unseres Herrn Jesu Christi anerkennt". Die Verfolgung durch Römer, Kreuzfahrer, Nazis und Stalinisten sei die "gerechte Strafe" für Jesu Tod am Kreuz. In seinem 300er-Mercedes fuhr Sgarbi mit einer Jesusfigur, einer Padre-Pio-Plakette und einem Rosenkranz herum; im Kofferraum lagen mehrere Flaschen Weihwasser und ein Gebetbuch. "Das gehört zu mir", erklärte Sgarbi einem seiner Kollegen, "zu meinem Leben." Das war mal keine Lüge, ausnahmsweise.


"Helg hat unzählige Geschichten über sich erzählt - und am Ende wusste man gar nichts über ihn. Nicht das Geringste", sagt der Mann, der mit ihm nach St. Moritz sollte. Einmal behauptete Sgarbi, dass er am Abend mit seiner Ehefrau verabredet sei. Einem anderen Kollegen tischte er dagegen die Geschichte auf, sie habe ihn verlassen - nach der zweiten Totgeburt. Nun irre sie durch Europa, schicke manchmal eine SMS. Demnächst müsse er nach Rom, um an der Spanischen Treppe auf sie zu warten, die Liebe seines Lebens. In Wahrheit aber verehrte er die Frauen nicht, er verachtete sie, brach sie. Glaubt man den beiden Sunrise-Mitarbeitern, begann er eine Affäre in der Firma. Als es vorbei war, veränderte sich die Frau, wurde stiller, verschlossener. Schließlich verließ sie die Firma, heute soll sie in einem Kloster leben.


Kurz bevor Sgarbi aber selbst ging, bat er seinen jüngeren Kollegen in ein leeres Konferenzzimmer. Blickte ihn ernst an. Sagte dann: "Eines Tages wirst du von mir Sachen hören, für die du mich hassen und verfluchen wirst. Wie alle anderen wirst du mich verurteilen." Es sei eine Stimmung wie beim letzten Abendmahl gewesen. Sgarbi als Jesus, der Kollege als Petrus.


Den letzten Anruf bekam er dann Mitte 2007. Sgarbi meldete sich mit unterdrückter Nummer. "Du wirst jetzt längere Zeit nichts von mir hören", sagte er geheimnisvoll. "Ich muss ins Ausland, ich habe einen dicken Fisch an der Angel."'