Mittwoch, 29. Oktober 2008

Deutsche Hexen mögen nicht immer amerikanische Hexen

Auf der Suche nach der heutigen Göttin des Tages stolperte ich über dieses sehr anschauliche Textbeispiel für gewisse germanische Vorurteile mancher Hexen-Traditionen. Textquelle: Schlangengesang




Dorothy Morrison: „Jul“ – Fest der Wärme und der Liebe

Die Autorin ist Hohepriesterin in der amerikanischen Wicca-Tradition. Ihr Buch widmet sich dem Jul-Fest, dem letzten Jahreskreisfest des Sonnenjahres.
Im ersten Teil des Taschenbuches beschreibt sie die Traditionen der Mittwinterfeste weltweit und die damit verbundenen Bräuche und Symbole. Im zweiten und dritten Teil beschäftigt sie sich mit den rituellen Vorbereitungen und Dekorationen zur Weihnachtszeit und zum Sonnwendfest. Anregungen für Geschenke, Tischdekorationen und Rezepte rund um Weihnachten gehören dazu. Der letzte Teil schließt einen Festtagskalender ein.

Das Buch ist eine nette Sammlung bekannter und weniger bekannter Bräuche rund um die Weihnachtszeit. Sowohl der theoretische als auch der praktische Teil des Buches, lässt die christliche Prägung der Autorin und ihrer Umgebung doch sehr deutlich erkennen.
Die Sprache ist teilweise holprig und oftmals auch widersinnig in den Formulierungen, ob das Dorothy Morrison oder der Übersetzerin zuzuschreiben ist, muss ich offen lassen.
Was mich ganz persönlich gestört hat, ist die kalendarische Festlegung der Autorin. An mehreren Stellen in ihrem Buch beschreibt sie Festtage von Göttinnen und Göttern des griechischen Pantheons und legt sich dabei auf ein bestimmtes Datum fest (z.B. 6. und 15. Februar: Aphrodite). Da die Griechen ihre Feste aber nach dem Mondkalender ausrichteten, ist es unmöglich diese auf ein fixes Datum unseres Sonnenkalenders zu legen. Es wäre also korrekt, wenn die Autorin den Tag des griechischen Mondmonats angäbe oder aber auf eine ungenauere Datierung (z.B. Februar/März) ausweichen würde. Auch viele der anderen Göttinnen-Festdaten lassen sich nicht mit Quellen belegen.

Ein weiteres Minus ist in meinen Augen die auffällige Amerikanisierung bei den praktischen Beispielen. Die Bastelarbeiten sind geprägt von Glitter, Plastik und künstlichem Schnee und damit für mich als naturreligiös ausgerichteter Heidin nicht wirklich passend.
Erschrocken bin ich über die Rezepte, die mit teilweise doch für unsere europäischen Gourmetzungen fragwürdig erscheinenden Zutaten wie 1200g Dosenmilch, Kochanweisungen mit der Mikrowelle und Rezepten wie „Kirsch-Cola-Salat“ erneut zeigen, was europäische Köche/Köchinnen von amerikanischen Kochkünsten halten dürfen.

Fazit: „Jul“ ist ein nettes Buch für die Vorweihnachtszeit, wenn der heidnische Leser/in keine gehobenen Ansprüche stellt. Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt.

artemisathene

Jul – Fest der Wärme und der Liebe / Dorothy Morrison / Ullstein-Verlag / ISBN-10 3-548-74281-5
256 Seiten, 8,95 €